Wie unterscheidet man Brüche der Wirbelendplatte nach einem Unfall von denen durch Osteoporose?
Wirbelbrüche sind ein ernstes Gesundheitsproblem, besonders bei älteren Menschen, bei denen Osteoporose oft die Ursache ist. Diese Brüche können die Lebensqualität stark beeinträchtigen, die Beweglichkeit einschränken und sogar die Sterblichkeit erhöhen. Doch nicht alle Wirbelbrüche sind auf Osteoporose zurückzuführen. Einige entstehen durch Verletzungen, etwa nach einem Sturz oder einem Verkehrsunfall. Die Unterscheidung zwischen osteoporotischen und unfallbedingten Brüchen der Wirbelendplatte (EPFs) ist jedoch oft schwierig. Eine neue Studie hat nun die radiologischen Merkmale von unfallbedingten EPFs untersucht, um Ärzten bei der Diagnose zu helfen.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Studie analysierte retrospektiv 194 Patienten mit Wirbelsäulenverletzungen, bei denen insgesamt 263 Wirbelbrüche festgestellt wurden. Das Durchschnittsalter der Patienten betrug 42,11 Jahre, wobei 118 Männer und 76 Frauen waren. Alle Patienten hatten unfallbedingte EPFs, die durch Röntgen, CT oder MRT bestätigt wurden. Ausgeschlossen wurden Patienten mit Krebs, Infektionen der Wirbelsäule oder anderen Ursachen für Osteoporose, wie die Einnahme von Kortison, Wechseljahre oder Schilddrüsenüberfunktion. Die häufigsten Unfallursachen waren Verkehrsunfälle (69,1 %), Stürze aus großer Höhe (16,5 %), Sportverletzungen und schwere Quetschungen.
Welche Wirbel waren am häufigsten betroffen?
Der am häufigsten betroffene Wirbel war L1 (29,7 %), gefolgt von T12 (18,3 %) und L2 (12,9 %). In den meisten Fällen war die obere Endplatte verletzt, während nur 1,9 % der Fälle allein die untere Endplatte betrafen. Die Endplatten wurden in fünf gleich lange Segmente unterteilt (von vorne nach hinten: a1, a2, m, p2, p1). Der tiefste Punkt der oberen EPFs lag meist im Segment-a2 (etwa 45 %), gefolgt von Segment-a1 (etwa 20 %) und Segment-m (etwa 20 %). Brüche im Segment-p1 waren sehr selten. Der obere Drittel der vorderen Wirbelwand war am häufigsten betroffen, gefolgt vom mittleren Drittel. Bei Brüchen der hinteren Wirbelwand war in 68,5 % der Fälle die knöcherne Wand um die Basivertebralvene herum betroffen.
Wie stark war der Höhenverlust der Wirbel?
Bei 58,6 % der Wirbelbrüche betrug der Höhenverlust weniger als ein Fünftel, bei 30,0 % zwischen einem Fünftel und einem Drittel und bei 11,4 % mehr als ein Drittel der Wirbelkörperhöhe. Mit zunehmendem Höhenverlust stieg die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl die obere als auch die untere Endplatte betroffen waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur die untere Endplatte betroffen war, blieb jedoch gering.
Was unterscheidet unfallbedingte von osteoporotischen EPFs?
Die thorakolumbale Übergangsregion (zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule) war sowohl bei unfallbedingten als auch bei osteoporotischen Wirbelbrüchen am häufigsten betroffen. Allerdings gab es bei unfallbedingten EPFs keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, während bei osteoporotischen EPFs Frauen häufiger betroffen sind. Bei unfallbedingten EPFs war die obere Endplatte häufiger verletzt als die untere, während bei osteoporotischen EPFs die untere Endplatte, besonders bei Frauen, häufiger betroffen ist.
Die Verteilung der Brüche innerhalb der Endplatte unterschied sich ebenfalls. Bei unfallbedingten EPFs lag der tiefste Punkt meist im Segment-a2, während bei osteoporotischen EPFs das Segment-m am häufigsten betroffen war. Osteoporotische EPFs traten nie im vordersten oder hintersten Fünftel der Endplatte auf, während unfallbedingte EPFs gelegentlich auch im Segment-p1 vorkamen.
Ein weiterer Unterschied besteht in der Beteiligung der hinteren Wirbelwand. Bei unfallbedingten EPFs war in 68,5 % der Fälle die knöcherne Wand um die Basivertebralvene herum betroffen, während osteoporotische EPFs die hintere Wirbelwand in der Regel nicht betrafen.
Was sind die Einschränkungen der Studie?
Die Studie konzentrierte sich hauptsächlich auf die Charakterisierung von EPFs, sodass Brüche der vorderen oder hinteren Wirbelwand nur dann vollständig beschrieben wurden, wenn sie zusammen mit EPFs auftraten. Brüche der seitlichen Wirbelwand wurden nicht analysiert. Die Merkmale der EPFs wurden hauptsächlich durch CT und MRT untersucht, während die osteoporotischen EPFs auf Röntgenbildern basierten. Das Durchschnittsalter der Patienten mit unfallbedingten Wirbelbrüchen (42,1 Jahre) war deutlich jünger als das der Vergleichsgruppe mit osteoporotischen Wirbelbrüchen (72,5 Jahre). Die Stichprobengröße der Studie war mit 194 Patienten und 263 Wirbelbrüchen relativ klein, und eine größere Stichprobe aus mehreren Zentren könnte noch detailliertere Merkmale liefern.
Fazit
Die in dieser Studie beschriebenen Merkmale von unfallbedingten EPFs können helfen, sie von osteoporotischen EPFs zu unterscheiden. Unfallbedingte EPFs betreffen meist die obere Endplatte, wobei der tiefste Punkt oft im Segment-a2 liegt. Osteoporotische EPFs treten dagegen häufiger im Segment-m auf. Unfallbedingte EPFs können gelegentlich die hintere Wirbelwand betreffen, insbesondere die knöcherne Wand um die Basivertebralvene, während osteoporotische EPFs die hintere Wirbelwand in der Regel nicht betreffen. Der Höhenverlust der Wirbel ist bei unfallbedingten Brüchen oft gering, und die Wahrscheinlichkeit, dass sowohl die obere als auch die untere Endplatte betroffen sind, steigt mit zunehmendem Höhenverlust. Diese Unterscheidungsmerkmale können Ärzten helfen, Wirbelbrüche in der klinischen Praxis genauer zu diagnostizieren und zu behandeln.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000919