Können wir Knochenschmerzen bei Multiplem Myelom besser behandeln?

Können wir Knochenschmerzen bei Multiplem Myelom besser behandeln?

Multiplem Myelom (MM) ist eine Krebsart, die die Knochen stark schädigt. Viele Patienten leiden unter schmerzhaften Wirbelbrüchen. Diese Brüche können das Leben stark beeinträchtigen. Sie verursachen starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und sogar Atemprobleme. Traditionelle Behandlungen wie Chemotherapie helfen, den Krebs zu bekämpfen. Aber sie lindern die Schmerzen oft nicht schnell genug. Hier kommt die perkutane Vertebroplastie (PVP) ins Spiel. Diese Methode stabilisiert die gebrochenen Wirbel und kann Schmerzen schnell lindern. Aber wie wirksam ist sie wirklich? Und welche Risiken gibt es?

Was ist Multiplem Myelom und warum sind Wirbelbrüche ein Problem?

Multiplem Myelom ist eine Krebsart, die die Plasmazellen im Knochenmark betrifft. Diese Zellen vermehren sich unkontrolliert und zerstören die Knochen. Bis zu 90 % der Patienten haben Knochenprobleme. Wirbelbrüche sind eine häufige Folge. Sie entstehen, wenn die Wirbel durch die Krankheit geschwächt sind und unter dem normalen Druck nachgeben. Diese Brüche können starke Schmerzen verursachen. Sie können auch die Wirbelsäule verformen und die Nerven schädigen. Das führt zu weiteren Problemen wie Taubheit oder Schwäche in den Beinen.

Wie kann die perkutane Vertebroplastie helfen?

Die perkutane Vertebroplastie (PVP) ist ein minimalinvasiver Eingriff. Dabei wird ein spezieller Knochenzement in den gebrochenen Wirbel gespritzt. Der Zement härtet aus und stabilisiert den Wirbel. Das kann die Schmerzen schnell lindern. Die Methode wird oft bei Patienten ohne Nervenschäden angewendet. Aber wie gut wirkt sie im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie? Und welche langfristigen Vorteile hat sie?

Was hat die Studie untersucht?

Eine Studie hat 109 Patienten mit Multiplem Myelom und Wirbelbrüchen untersucht. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt PVP und Chemotherapie. Die andere Gruppe erhielt nur Chemotherapie. Alle Patienten hatten starke Rückenschmerzen. Die Wirbelbrüche wurden durch Röntgen, CT und MRT bestätigt. Die Diagnose Multiplem Myelom wurde durch eine Knochenmarkuntersuchung gesichert. Patienten mit Nervenschäden oder schweren Knochenzerstörungen wurden ausgeschlossen.

Wie wurde die Behandlung durchgeführt?

In der PVP-Gruppe wurde der Eingriff unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Patient lag auf dem Bauch. Eine Nadel wurde unter Röntgenkontrolle in den Wirbel eingeführt. Eine Probe wurde entnommen, um die Diagnose zu bestätigen. Dann wurde der Knochenzement in den Wirbel gespritzt. Dabei wurde darauf geachtet, dass der Zement nicht austritt. Im Durchschnitt wurden 3,5 ml Zement pro Wirbel verwendet. Alle Patienten erhielten Chemotherapie und Bisphosphonate. Beide Gruppen trugen für drei Monate eine Rückenstütze.

Wie wurden die Ergebnisse gemessen?

Die Schmerzen wurden mit einer Skala von 0 bis 10 bewertet. 0 bedeutete keine Schmerzen, 10 die stärksten Schmerzen. Die Lebensqualität wurde mit dem Oswestry Disability Index (ODI) gemessen. Dieser Index reicht von 0 % (keine Einschränkungen) bis 100 % (bettlägerig). Die Daten wurden vor der Behandlung, einen Tag, einen Monat, sechs Monate und zwölf Monate nach der Behandlung sowie am Ende der Nachbeobachtung erhoben. Röntgenbilder wurden einen Tag nach der PVP auf Zementaustritt und Lungenkomplikationen überprüft. Die Nachbeobachtung erfolgte durch klinische und telefonische Interviews. Bei neuen Schmerzen wurden weitere bildgebende Untersuchungen durchgeführt.

Was waren die Ergebnisse?

Die Studie umfasste 109 Patienten mit einem Durchschnittsalter von 72,6 Jahren. Die Nachbeobachtungszeit betrug im Durchschnitt 4,5 Jahre. Es gab keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen in Bezug auf Geschlecht, Alter, Anzahl der gebrochenen Wirbel, Krankheitsstadium, Schmerzen und Lebensqualität zu Beginn der Studie. 76 Patienten (69,7 %) litten an Osteoporose. In der PVP-Gruppe gab es 100 betroffene Wirbel, in der Chemotherapie-Gruppe 69. Die Verteilung der Wirbelbrüche war in beiden Gruppen ähnlich.

Wie wirkte sich die Behandlung auf die Schmerzen aus?

In der PVP-Gruppe sank der Schmerzscore von 7,7 vor der Behandlung auf 2,2 einen Tag nach der Behandlung. In der Chemotherapie-Gruppe gab es keinen signifikanten Rückgang der Schmerzen einen Tag nach der Behandlung. Der Schmerzscore sank von 7,6 vor der Behandlung auf 5,2 einen Monat nach der Behandlung. Die Schmerzen unterschieden sich zwischen den Gruppen einen Tag, einen Monat und sechs Monate nach der Behandlung. Nach zwölf Monaten und am Ende der Nachbeobachtung gab es keine signifikanten Unterschiede mehr.

Wie wirkte sich die Behandlung auf die Lebensqualität aus?

Die Lebensqualität verbesserte sich in beiden Gruppen nach der Behandlung. Die PVP-Gruppe hatte einen Tag, einen Monat und sechs Monate nach der Behandlung signifikant bessere Werte als die Chemotherapie-Gruppe. Nach zwölf Monaten und am Ende der Nachbeobachtung gab es keine signifikanten Unterschiede mehr.

Gab es Komplikationen?

Die häufigste Komplikation bei PVP ist der Austritt von Knochenzement. Dies trat bei 10 Patienten (15,6 %) in der PVP-Gruppe auf. Der Zementaustritt war in allen Fällen symptomfrei. Es gab keine neurologischen Symptome oder Notwendigkeit für eine weitere Operation. Es gab keine anderen Komplikationen im Zusammenhang mit PVP. Die Häufigkeit neuer Wirbelbrüche betrug 13,8 % während der 4,5-jährigen Nachbeobachtung. Nur 6 Patienten (40,0 %) hatten neue Brüche in benachbarten Wirbeln. 2 Patienten (22,2 %) hatten neue Brüche innerhalb von drei Monaten nach der PVP. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass neue Brüche eher auf das Fortschreiten des Multiplem Myeloms zurückzuführen sind als auf die PVP.

Wie war die Sterblichkeit?

Während der Nachbeobachtungszeit starben 23 Patienten (21,1 %) an Organversagen aufgrund des Multiplem Myeloms. In der PVP-Gruppe starben 13 Patienten (20,3 %), in der Chemotherapie-Gruppe 10 Patienten (22,2 %). PVP reduzierte die Sterblichkeit nicht.

Was bedeutet das?

Die Studie zeigt, dass PVP eine sichere und wirksame Methode zur Behandlung von schmerzhaften Wirbelbrüchen bei Multiplem Myelom ist. Im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie bietet PVP eine schnellere Schmerzlinderung und verbessert die Lebensqualität für mindestens sechs Monate. Der Mechanismus der Schmerzlinderung nach PVP ist noch nicht vollständig geklärt. Mögliche Faktoren sind die Stabilisierung von Mikrobrüchen, die Zerstörung von Schmerzrezeptoren und die Unterbrechung der Blutversorgung des Tumors. Die Häufigkeit von Zementaustritt war in dieser Studie mit 15,6 % niedriger als in anderen Studien. Die sorgfältige Überwachung während des Eingriffs und die Verwendung von durchschnittlich 3,5 ml Zement pro Wirbel haben das Risiko von Komplikationen verringert. Neue Wirbelbrüche waren eher auf das Fortschreiten des Multiplem Myeloms zurückzuführen als auf die PVP.

Fazit

Zusammenfassend ist PVP in Kombination mit Chemotherapie eine sichere und wirksame Behandlung für Wirbelbrüche bei Multiplem Myelom. Sie bietet eine schnelle Schmerzlinderung und verbessert die Lebensqualität. Obwohl die langfristigen Ergebnisse zwischen den Gruppen nicht signifikant unterschiedlich waren, kann die schnelle Schmerzlinderung durch PVP den Komfort der Patienten erheblich verbessern und das Risiko von Komplikationen durch anhaltende Schmerzen und Immobilität verringern. Weitere Studien mit größeren Stichproben und längeren Nachbeobachtungszeiten sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die potenziellen Vorteile von PVP in anderen Patientengruppen zu untersuchen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002017
For educational purposes only.

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