Wie können wir Infektionen in den äußeren Lungenbereichen besser erkennen?

Wie können wir Infektionen in den äußeren Lungenbereichen besser erkennen?

Lungeninfektionen sind weltweit eine der häufigsten Todesursachen, besonders in ärmeren Ländern und bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Infektionen in den äußeren Lungenbereichen (Peripheral Lung Field, PLF) sind jedoch schwer zu diagnostizieren. Warum? Weil diese Bereiche für herkömmliche Untersuchungsmethoden oft schwer zugänglich sind. Eine neue Technologie könnte hier Abhilfe schaffen: die Kombination von virtueller bronchialer Navigation (Virtual Bronchoscopic Navigation, VBN) und metagenomischer Hochdurchsatz-Sequenzierung (metagenomic Next-Generation Sequencing, mNGS).

Was ist das Problem?

Infektionen in den äußeren Lungenbereichen sind schwer zu erkennen. Diese Bereiche liegen weit entfernt von den zentralen Atemwegen, was herkömmliche Untersuchungen wie die Bronchoskopie oft ungenau macht. Eine verzögerte oder falsche Diagnose kann jedoch schwerwiegende Folgen haben, da die Behandlung nicht rechtzeitig oder gezielt erfolgt.

Die Lösung: VBN und mNGS

Eine Studie an der Tianjin Medical University General Hospital untersuchte, ob die Kombination von VBN und mNGS die Diagnose von PLF-Infektionen verbessern kann. VBN nutzt CT-Daten, um eine dreidimensionale Karte der Bronchien zu erstellen. Diese Karte hilft Ärzten, gezielt Proben aus den äußeren Lungenbereichen zu entnehmen. mNGS hingegen analysiert die DNA von Mikroorganismen in diesen Proben und identifiziert Krankheitserreger, die mit herkömmlichen Methoden oft übersehen werden.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie umfasste 136 Patienten mit PLF-Läsionen, die zwischen Juli 2018 und Februar 2019 behandelt wurden. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt:

  • VBN-Gruppe: 87 Patienten, bei denen die Bronchoskopie mit VBN durchgeführt wurde.
  • Nicht-VBN-Gruppe: 49 Patienten, bei denen eine Standard-Bronchoskopie erfolgte.

Bei allen Patienten wurden Proben wie Bronchiallavage (BALF) und Lungengewebe entnommen. Diese Proben wurden sowohl mit herkömmlichen Methoden (Kulturen, Histopathologie und PCR) als auch mit mNGS analysiert.

Was wurde entdeckt?

Verteilung der Krankheitserreger

Von den 136 Patienten hatten 90 (66,2 %) eine Infektion, während 46 (33,8 %) nicht-infektiöse Ursachen hatten. Die häufigsten Erreger waren:

  • Bakterien: 37,8 % (34/90), darunter Pseudomonas aeruginosa und Acinetobacter baumannii.
  • Pilze: 37,8 % (34/90), wie Pneumocystis jirovecii und Aspergillus fumigatus.
  • Viren: 14,4 % (13/90).
  • Mycobacterium tuberculosis complex (MTBC): 10,0 % (9/90).

Vergleich der Diagnosemethoden

mNGS zeigte eine deutlich höhere Empfindlichkeit (Sensitivität) im Vergleich zu herkömmlichen Methoden:

  • Bakterien: mNGS erkannte 81,6 % der Infektionen in BALF-Proben, während Kulturen nur 31,4 % erfassten.
  • Pilze: Die Sensitivität von mNGS lag bei 76,9 % in der VBN-Gruppe, verglichen mit 62,5 % in der Nicht-VBN-Gruppe.

Der Einfluss von VBN

Die Kombination von VBN und mNGS verbesserte die Diagnosegenauigkeit erheblich:

  • BALF mNGS: Die Sensitivität stieg von 58,6 % (ohne VBN) auf 81,6 % (mit VBN).
  • Gewebe mNGS: Die Sensitivität erhöhte sich von 48,3 % auf 72,9 %.

Besonders bei bakteriellen Infektionen war der Unterschied deutlich: VBN-geführtes mNGS erkannte 95,0 % der Fälle, während es ohne VBN nur 57,1 % waren.

Warum ist das wichtig?

  1. Bessere Erkennung von Bakterien: VBN hilft, gezielt Proben aus den äußeren Lungenbereichen zu entnehmen, was die Qualität der Proben und damit die Genauigkeit der Diagnose verbessert.
  2. Identifikation komplexer Infektionen: mNGS kann mehrere Erreger gleichzeitig erkennen, einschließlich solcher, die mit herkömmlichen Methoden schwer zu finden sind.
  3. Schnellere Diagnose: Eine schnelle und umfassende Analyse ermöglicht eine gezielte Behandlung, was die Heilungschancen erhöht.

Was sind die Grenzen dieser Methode?

  • Kleine Stichproben: Die Anzahl der Patienten mit Virus- oder MTBC-Infektionen war gering, was die Aussagekraft der Ergebnisse einschränkte.
  • Kosten: mNGS ist teuer und erfordert spezialisierte Ausrüstung, was die breite Anwendung erschwert.
  • Kontaminationsrisiko: Trotz strenger Kriterien können Umweltkeime oder normale Körperbakterien falsch-positive Ergebnisse verursachen.

Fazit

Die Kombination von VBN und mNGS bietet eine vielversprechende Methode zur Diagnose von Infektionen in den äußeren Lungenbereichen. Sie überwindet die Grenzen herkömmlicher Methoden und ermöglicht eine schnelle und genaue Identifikation von Krankheitserregern. Weitere Studien sind jedoch notwendig, um diese Methode zu optimieren und ihre Anwendung in der Praxis zu erleichtern.

For educational purposes only.
doi:10.1097/CM9.0000000000001339

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