Wie können Gentests bei Brustkrebs im Frühstadium helfen?

Wie können Gentests bei Brustkrebs im Frühstadium helfen?

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen. Viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium fragen sich, ob sie eine Chemotherapie brauchen. Die Entscheidung ist oft schwierig, weil eine Chemotherapie Nebenwirkungen hat. Hier können Gentests helfen. Diese Tests analysieren bestimmte Gene im Tumor und geben Hinweise darauf, wie aggressiv der Krebs ist und ob eine Chemotherapie wirklich nötig ist.

Was sind Gentests und wie funktionieren sie?

Gentests, auch Multigene-Assays genannt, sind spezielle Untersuchungen, die das Erbgut von Krebszellen analysieren. Sie helfen Ärzten, das Risiko für ein Wiederauftreten des Krebses besser einzuschätzen. Traditionell stützen sich Ärzte auf Faktoren wie die Größe des Tumors und ob Lymphknoten befallen sind. Gentests ergänzen diese Informationen und ermöglichen eine individuellere Behandlung.

Welche Gentests werden empfohlen?

In China hat die Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS) im Jahr 2021 Richtlinien veröffentlicht, die zwei Gentests besonders empfehlen:

  1. 70-Gen-Test (MammaPrint®)

    • Technologie: Next-Generation Sequencing (NGS) – eine moderne Methode zur Genanalyse.
    • Empfehlungsstärke: A (starke Empfehlung).
    • Für wen geeignet?: Patientinnen mit kleinen Tumoren (T1–T2), bis zu drei befallenen Lymphknoten, hormonrezeptorpositivem (HR+) und HER2-negativem (HER2–) Brustkrebs.
    • Nutzen:
      • Der Test kann zeigen, ob Patientinnen mit hohem klinischen Risiko trotzdem auf eine Chemotherapie verzichten können.
      • Studien wie die MINDACT-Studie haben gezeigt, dass 46% der Frauen, die als klinisch hochriskant, aber genetisch niedrigriskant eingestuft wurden, keine Chemotherapie brauchten.
  2. 21-Gen-Test (Oncotype Dx®)

    • Technologie: Reverse-Transcription-Polymerase-Kettenreaktion (RT-PCR) – eine Methode zur Messung von Genaktivität.
    • Empfehlungsstärke: B (moderate Empfehlung).
    • Für wen geeignet?: Patientinnen mit kleinen Tumoren (T1–T2), ohne befallene Lymphknoten (pN0), HR+ und HER2– Brustkrebs.
    • Nutzen:
      • Bei einem Recurrence Score (RS) ≤25 kann oft auf eine Chemotherapie verzichtet werden.
      • Bei einem RS ≥31 wird eine Chemotherapie empfohlen.
      • Für Patientinnen mit einem RS zwischen 26 und 30 gibt es noch keine klaren Empfehlungen. Hier müssen Ärzte individuell entscheiden.

Wer sollte einen Gentest machen?

Nicht alle Brustkrebs-Patientinnen brauchen einen Gentest. Die CSBrS-Richtlinien geben klare Kriterien vor:

  • Eignung:
    • Brustkrebs im Frühstadium (T1–T2).
    • HR+ und HER2– Subtyp.
    • Keine oder bis zu drei befallene Lymphknoten.
  • Ausschluss:
    • Triple-negativer Brustkrebs (TNBC) oder HER2-positive Patientinnen.
    • Mehr als drei befallene Lymphknoten.
    • Patientinnen mit niedrigem klinischen Risiko, bei denen eine Chemotherapie ohnehin nicht infrage kommt.

Vor dem Test müssen Tumorgewebeproben untersucht werden, um sicherzustellen, dass sie die nötige Qualität für die Genanalyse haben.

Was bedeuten die Testergebnisse?

  1. MammaPrint®:

    • Klinisch niedriges Risiko/genetisch hohes Risiko: Eine Chemotherapie bringt möglicherweise nur wenig Nutzen.
    • Klinisch hohes Risiko/genetisch niedriges Risiko: Eine Chemotherapie kann oft vermieden werden.
  2. Oncotype Dx®:

    • RS ≤25: Eine Hormontherapie reicht in der Regel aus.
    • RS 26–30: Es gibt noch keine klaren Empfehlungen. Ärzte müssen individuell entscheiden.
    • RS ≥31: Eine Chemotherapie wird empfohlen.

Wichtige Punkte und Einschränkungen

  1. Übereinstimmung und Verfügbarkeit:

    • Unterschiedliche Gentests können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Ärzte sollten Tests nicht direkt vergleichen.
    • Einige Tests wie EndoPredict® oder PAM50® sind international anerkannt, werden in China aber nicht empfohlen, weil sie dort nicht verfügbar sind.
  2. Probenanforderungen:

    • MammaPrint® braucht frisches oder speziell fixiertes Gewebe.
    • Oncotype Dx® benötigt Paraffin-geblocktes Gewebe.
  3. Ethnische und regionale Unterschiede:

    • Die meisten Studien wurden in westlichen Ländern durchgeführt. Es gibt noch wenig Daten aus China.
  4. Kosten und Zugänglichkeit:

    • Gentests sind teuer und nicht überall verfügbar.

Expertenmeinungen und zukünftige Entwicklungen

Die CSBrS-Richtlinien basieren auf einem breiten Expertenkonsens. 97% der Experten unterstützen den Einsatz von MammaPrint®, 73% befürworten Oncotype Dx®. Wichtige Empfehlungen sind:

  • Bei widersprüchlichen Ergebnissen sollten Ärzte im Team entscheiden.
  • Nicht validierte Tests sollten vermieden werden.
  • Die Entscheidung sollte immer patientenzentriert sein.

Zukünftige Ziele sind:

  • Studien in China, um die Tests für die chinesische Bevölkerung zu validieren.
  • Entwicklung kostengünstigerer Tests.
  • Untersuchung, ob Gentests auch bei der Entscheidung über eine längere Hormontherapie helfen können.

Zusammenfassend bieten die CSBrS-Richtlinien einen klaren Rahmen für den Einsatz von Gentests in China. Sie helfen, die Behandlung zu optimieren und unnötige Therapien zu vermeiden.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001409
For educational purposes only.

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