Wie kann man die Operabilität bei Kindern mit schwerer Lungenhochdruckerkrankung und angeborenem Herzfehler vorhersagen?

Wie kann man die Operabilität bei Kindern mit schwerer Lungenhochdruckerkrankung und angeborenem Herzfehler vorhersagen?

Lungenhochdruck (PAH) in Verbindung mit angeborenen Herzfehlern (PAH-CHD) ist eine ernste und oft lebensbedrohliche Erkrankung. Sie ist gekennzeichnet durch fortschreitende Veränderungen der Lungengefäße, erhöhten Widerstand in den Blutgefäßen der Lunge, Herzschwäche und im schlimmsten Fall Tod, wenn sie unbehandelt bleibt. Besonders häufig tritt PAH-CHD bei Kindern auf, deren Herzfehler nicht korrigiert wurde. Hier führt der abnorme Blutfluss, wie zum Beispiel ein Links-rechts-Shunt (Blutfluss von der linken zur rechten Herzhälfte), zu einem erhöhten Blutdruck in der Lunge. Diese Erkrankung ist die zweithäufigste Form von Lungenhochdruck bei Kindern und macht über 40% der Fälle aus. In Entwicklungsländern ist sie sogar noch weiter verbreitet. Trotz Fortschritte in der medizinischen Behandlung bleibt die Therapie von schwerem PAH-CHD bei Kindern schwierig. Oft ist eine Operation notwendig, um den Herzfehler zu korrigieren. Die Entscheidung für einen Eingriff und die Prognose danach sind jedoch komplex und erfordern eine sorgfältige Bewertung von bestimmten Vorhersagefaktoren.

Diese Studie zielte darauf ab, Faktoren zu identifizieren, die die Operabilität und den weiteren Verlauf bei Kindern mit schwerem PAH-CHD vorhersagen können, die sich einer Operation unterzogen. Die Forschung wurde am Guangdong Provincial People’s Hospital in China durchgeführt, wo Daten von 59 Kindern mit schwerem PAH-CHD, die zwischen Mai 2011 und Juni 2015 operiert wurden, retrospektiv analysiert wurden. Die Studie konzentrierte sich auf die Rolle von hämodynamischen Parametern, insbesondere dem pulmonalen Gefäßwiderstand (PVR) und dem Verhältnis von PVR zum systemischen Gefäßwiderstand (SVR), bei der Vorhersage des Operationserfolgs. Die Ergebnisse bieten wertvolle Einblicke in die Behandlung von schwerem PAH-CHD bei Kindern und liefern evidenzbasierte Empfehlungen für chirurgische Eingriffe.

Hintergrund und Bedeutung

PAH-CHD ist eine schwerwiegende Erkrankung, die durch abnorme Blutflussverhältnisse aufgrund von angeborenen Herzfehlern entsteht. Der anhaltende Links-rechts-Shunt führt zu einem erhöhten Blutfluss in der Lunge, was im Laufe der Zeit zu Veränderungen der Lungengefäße, erhöhtem Widerstand in den Lungengefäßen und schließlich zu einer Rechtsherzschwäche führt. Die chirurgische Korrektur des Herzfehlers ist die effektivste Behandlung für PAH-CHD, da sie den abnormalen Shunt beseitigt und den Druck in der Lunge reduziert. Die Entscheidung für eine Operation ist jedoch schwierig, da das Risiko besteht, dass der Lungenhochdruck nach dem Eingriff bestehen bleibt oder sich verschlimmert, was zu schlechten Ergebnissen oder sogar zum Tod führen kann.

Aktuelle Leitlinien empfehlen eine Operation für PAH-CHD-Patienten mit einem pulmonalen Gefäßwiderstandsindex (PVRI) von weniger als 6 Wood-Einheiten (WU)/m² oder einem PVR/SVR-Verhältnis von weniger als 0,3 während eines akuten Vasoreaktivitätstests (AVT). Es gibt jedoch eine „Grauzone“ für Patienten mit einem PVRI zwischen 6 und 10 WU/m² oder einem PVR/SVR-Verhältnis zwischen 0,3 und 0,5, in der die Entscheidung für eine Operation weniger klar ist. Diese Studie versuchte, diese Lücke zu schließen, indem sie spezifische hämodynamische Vorhersagefaktoren identifizierte, die die Entscheidung für eine Operation bei Kindern mit schwerem PAH-CHD erleichtern könnten.

Studiendesign und Methoden

Die Studie umfasste 59 Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren mit schwerem PAH-CHD (definiert als systolischer Druck in der Lungenarterie [PASP] ≥70 mmHg), die sich einer Operation am Guangdong Provincial People’s Hospital unterzogen. Die Patienten wurden über einen medianen Beobachtungszeitraum von 49±20 Monaten nachverfolgt, wobei die Daten retrospektiv aus den Krankenakten entnommen wurden. Das Studienprotokoll wurde von der Ethikkommission des Krankenhauses genehmigt, und alle Verfahren wurden in Übereinstimmung mit der Deklaration von Helsinki durchgeführt.

Alle Patienten unterzogen sich einer Herzkatheteruntersuchung und einem akuten Vasoreaktivitätstest (AVT) mit inhaliertem Iloprost, einem Prostacyclin-Analogon. Der AVT wurde durchgeführt, um die Fähigkeit der Lungengefäße zur Erweiterung zu bewerten. Hämodynamische Parameter, einschließlich PVR, PVR/SVR-Verhältnis und mittlerer Druck in der Lungenarterie (mPAP), wurden vor und nach der Inhalation von Iloprost gemessen. Die chirurgische Korrektur wurde durchgeführt, wenn der PVRI weniger als 6 WU/m² oder das PVR/SVR-Verhältnis weniger als 0,3 während des AVT betrug. Bei Patienten mit höheren PVRI- oder PVR/SVR-Verhältnissen wurde ein modifizierter chirurgischer Ansatz mit einem verbleibenden Vorhof- oder Ventrikelseptumdefekt in Betracht gezogen.

Die postoperative Behandlung umfasste den Einsatz von spezifischen PAH-Medikamenten wie Bosentan, Sildenafil und Treprostinil sowie Diuretika und Digoxin, basierend auf dem Zustand des Patienten. Die Patienten wurden regelmäßig nachuntersucht, wobei der PASP, die Herzfunktion und die Belastbarkeit mittels des 6-Minuten-Gehtests (6MWD) bewertet wurden. Die Ergebnisse wurden als günstig oder ungünstig klassifiziert, basierend auf Verbesserungen des Lungendrucks, der Herzfunktion und der Notwendigkeit einer fortgesetzten PAH-spezifischen Therapie.

Ergebnisse

Die Studie umfasste 56 Kinder (26 Jungen und 30 Mädchen) nach dem Ausschluss von drei Patienten, die während der Nachbeobachtung verloren gingen. Die Basiseigenschaften der Patienten sind in Tabelle 1 zusammengefasst. Die häufigsten angeborenen Herzfehler waren Ventrikelseptumdefekt (VSD) (n=28), Vorhofseptumdefekt (ASD) (n=5) und persistierender Ductus arteriosus (PDA) (n=9). Die Patienten wurden basierend auf ihren Ergebnissen in zwei Gruppen eingeteilt: günstig (n=42) und ungünstig (n=14).

Die Ergebnisse zeigten signifikante Verbesserungen des Lungendrucks und der Herzfunktion nach der chirurgischen Korrektur. Der PASP sank von einem Medianwert von 93 mmHg vor der Operation auf 30 mmHg zwei Jahre nach der Operation (p<0,01). Die Herzfunktion, bewertet nach der NYHA-Klassifikation, verbesserte sich ebenfalls signifikant (p<0,05). In der günstigen Gruppe konnten 42 Patienten (75%) die PAH-spezifische Therapie erfolgreich beenden, während 12 Patienten (29%) in der ungünstigen Gruppe eine fortgesetzte Behandlung benötigten. Zwei Patienten (3,5%) starben während des Nachbeobachtungszeitraums, und ein Patient musste sich einer zweiten Thorakotomie unterziehen, um einen Ventrikelseptumdefekt-Patch zu entfernen.

Die Studie identifizierte PVRI und PVR/SVR-Verhältnis während des AVT als hervorragende Vorhersagefaktoren für das Operationsergebnis. Die ROC-Kurvenanalyse zeigte, dass ein PVRI von weniger als 6,65 WU/m² oder ein PVR/SVR-Verhältnis von weniger als 0,39 nach der Inhalation von Iloprost eine günstige Prognose mit hoher Sensitivität (100%) und Spezifität (82,1% bzw. 92,9%) vorhersagte. Die Kaplan-Meier-Überlebensanalyse bestätigte weiterhin, dass Patienten mit einem niedrigen PVR/SVR-Verhältnis (<0,39) signifikant bessere Überlebensraten hatten als solche mit einem hohen Verhältnis (p<0,05).

Diskussion

Die Ergebnisse dieser Studie unterstreichen die Bedeutung der hämodynamischen Bewertung bei der Vorhersage der Operabilität und Prognose von Kindern mit schwerem PAH-CHD. Die Ergebnisse zeigen, dass die chirurgische Korrektur in Kombination mit einer postoperativen PAH-spezifischen Therapie eine wirksame Strategie zur Behandlung von schwerem PAH-CHD ist. Die Studie liefert spezifische Grenzwerte für PVRI (6,65 WU/m²) und PVR/SVR-Verhältnis (0,39) während des AVT, die die Entscheidung für eine Operation in dieser schwierigen Patientengruppe erleichtern können.

Die Ergebnisse der Studie stimmen mit früheren Untersuchungen überein, die zeigen, dass sich der Lungendruck und die Herzfunktion nach der chirurgischen Korrektur von angeborenen Herzfehlern signifikant verbessern. Die Studie zeigt jedoch auch, dass die Ergebnisse bei den Patienten variieren können, wobei einige trotz des chirurgischen Eingriffs anhaltenden oder sich verschlimmernden Lungenhochdruck erleben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer sorgfältigen Patientenauswahl und individueller Behandlungspläne.

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist die begrenzte Wirksamkeit der derzeit verwendeten Kriterien für die akute Vasoreaktivität bei pädiatrischem PAH-CHD. Die Studie fand heraus, dass die Kriterien von Ivy et al., Rich et al. und Barst et al. eine geringe positive Rate und Spezifität bei der Vorhersage des Operationsergebnisses hatten. Stattdessen identifizierte die Studie PVRI und PVR/SVR-Verhältnis während des AVT als zuverlässigere Vorhersagefaktoren für die Prognose. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass die derzeitigen Kriterien für AVT-Responder bei pädiatrischen PAH-CHD-Patienten überarbeitet werden müssen.

Die Studie zeigt auch die Herausforderungen bei der Behandlung von schwerem PAH-CHD bei Kindern, insbesondere in der „Grauzone“, in der die Entscheidung für eine Operation weniger klar ist. Die Ergebnisse legen nahe, dass ein chirurgischer Eingriff bei Patienten mit einem PVRI von weniger als 6,65 WU/m² oder einem PVR/SVR-Verhältnis von weniger als 0,39 während des AVT in Betracht gezogen werden kann. Die Entscheidung für eine Operation sollte jedoch von einem erfahrenen medizinischen Team auf der Grundlage einer gründlichen klinischen Bewertung und hämodynamischer Daten getroffen werden.

Einschränkungen

Die Studie hat einige Einschränkungen. Erstens kann das retrospektive Design zu Verzerrungen bei der Datenerhebung und -analyse führen. Zweitens war die Stichprobengröße relativ klein, was die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse einschränken könnte. Drittens wurden andere potenzielle Faktoren, die das Operationsergebnis beeinflussen könnten, wie genetische oder umweltbedingte Faktoren, nicht untersucht. Trotz dieser Einschränkungen bietet die Studie wertvolle Einblicke in die Behandlung von schwerem PAH-CHD bei Kindern und liefert evidenzbasierte Empfehlungen für chirurgische Eingriffe.

Fazit

Diese Studie zeigt, dass PVRI und PVR/SVR-Verhältnis während des AVT hervorragende Vorhersagefaktoren für das Ergebnis bei Kindern mit schwerem PAH-CHD sind. Die chirurgische Korrektur in Kombination mit einer postoperativen PAH-spezifischen Therapie ist eine wirksame Strategie zur Behandlung dieser Erkrankung. Die Studie liefert spezifische Grenzwerte für PVRI (6,65 WU/m²) und PVR/SVR-Verhältnis (0,39) während des AVT, die die Entscheidung für eine Operation in dieser schwierigen Patientengruppe erleichtern können. Die Behandlung von schwerem PAH-CHD bleibt jedoch komplex und erfordert individuelle Behandlungspläne auf der Grundlage von hämodynamischen Daten und klinischer Bewertung. Weitere Forschung ist notwendig, um diese Ergebnisse zu validieren und die Behandlung von pädiatrischem PAH-CHD zu verbessern.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000145

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