Wie alt ist zu alt? Neue Erkenntnisse zu Risiken bei späten Schwangerschaften in China

Wie alt ist zu alt? Neue Erkenntnisse zu Risiken bei späten Schwangerschaften in China

Die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, ist eine der wichtigsten im Leben. Doch was, wenn das Alter der Mutter die Gesundheit von Mutter und Kind beeinflusst? In China, wo das Durchschnittsalter von Erstgebärenden stetig steigt, stellt sich diese Frage immer drängender. Eine neue Studie aus China hat untersucht, ab welchem Alter das Risiko für Komplikationen während der Schwangerschaft und Geburt deutlich ansteigt.

Hintergrund

Seit der Einführung der Zwei-Kind-Politik in China im Jahr 2016 entscheiden sich immer mehr Frauen dafür, später Kinder zu bekommen. Das Durchschnittsalter von Erstgebärenden stieg von 26,3 Jahren im Jahr 2000 auf 28,2 Jahre im Jahr 2010. Doch mit zunehmendem Alter der Mutter steigt auch das Risiko für bestimmte Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck oder Kaiserschnitte. Diese Studie hat zum Ziel, klare Altersgrenzen zu definieren, ab denen diese Risiken deutlich zunehmen.

Methode

Die Studie basiert auf Daten von 108.059 Frauen, die zwischen 2011 und 2012 in 39 Krankenhäusern in 14 chinesischen Städten entbunden haben. Die Frauen waren zwischen 20 und 50 Jahre alt und hatten eine Einlingsschwangerschaft. Die Forscher untersuchten verschiedene Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, Frühgeburten und die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts.

Die Daten wurden nach Alter und ob es sich um die erste oder eine weitere Geburt handelte, aufgeschlüsselt. Die Forscher verwendeten statistische Methoden, um das Risiko für jede Komplikation in verschiedenen Altersgruppen zu berechnen.

Ergebnisse

Erstgebärende Frauen

  • Schwangerschaftsdiabetes: Das Risiko verdoppelte sich ab einem Alter von 27 Jahren.
  • Kaiserschnitt: Ab 33 Jahren stieg das Risiko deutlich an.
  • Bluthochdruck: Ab 37 Jahren war das Risiko mehr als doppelt so hoch.
  • Plazenta praevia (eine Fehllage der Plazenta): Ab 31 Jahren stieg das Risiko deutlich.

Frauen, die bereits ein Kind geboren hatten

  • Schwangerschaftsdiabetes: Das Risiko verdoppelte sich ab 29 Jahren.
  • Bluthochdruck: Ab 31 Jahren war das Risiko deutlich höher.
  • Nachblutungen: Ab 35 Jahren stieg das Risiko deutlich an.

Risiken für das Neugeborene

  • Niedriges Geburtsgewicht: Das Risiko stieg ab 41 Jahren deutlich an.
  • Neonatale Asphyxie (Sauerstoffmangel bei der Geburt): Das Risiko verdoppelte sich ab 41 Jahren.

Diskussion

Die Studie zeigt, dass das Risiko für bestimmte Komplikationen schon in einem früheren Alter deutlich ansteigt als bisher angenommen. Besonders auffällig ist, dass das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und Kaiserschnitte schon ab 27 bzw. 33 Jahren deutlich zunimmt. Dies steht im Kontrast zur bisherigen Annahme, dass erst ab 35 Jahren von einem erhöhten Risiko gesprochen werden kann.

Für Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, steigt das Risiko für Bluthochdruck und Nachblutungen schon ab einem früheren Alter. Dies könnte daran liegen, dass der Körper bei weiteren Schwangerschaften anders reagiert.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Ergebnisse dieser Studie haben wichtige Auswirkungen auf die Betreuung von Schwangeren. Frauen, die älter als 27 Jahre sind und ihr erstes Kind erwarten, sollten besonders auf Schwangerschaftsdiabetes untersucht werden. Bei Frauen, die bereits ein Kind geboren haben, sollte ab einem Alter von 29 Jahren auf Schwangerschaftsdiabetes und ab 31 Jahren auf Bluthochdruck geachtet werden.

Auch die Entscheidung für einen Kaiserschnitt sollte bei Frauen ab 33 Jahren sorgfältig abgewogen werden. Die Studie zeigt, dass das Risiko für Komplikationen bei der Geburt mit zunehmendem Alter deutlich ansteigt.

Fazit

Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse zu den Risiken bei späten Schwangerschaften in China. Sie zeigt, dass das Risiko für bestimmte Komplikationen schon in einem früheren Alter deutlich ansteigt als bisher angenommen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Betreuung von Schwangeren an das Alter und die Vorgeschichte anzupassen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000626
For educational purposes only.

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