Was sind lange nicht-kodierende RNAs und welche Rolle spielen sie bei Schuppenflechte?

Was sind lange nicht-kodierende RNAs und welche Rolle spielen sie bei Schuppenflechte?

Schuppenflechte, auch Psoriasis genannt, ist eine chronische Hauterkrankung, die durch Entzündungen, eine übermäßige Vermehrung von Hautzellen und eine gestörte Hautbarriere gekennzeichnet ist. Weltweit leiden Millionen Menschen daran, und die Krankheit bringt nicht nur körperliche Beschwerden, sondern auch psychische Belastungen mit sich. Doch was genau löst diese Erkrankung aus? Und warum ist es so schwer, sie zu behandeln?

Ein neuer Forschungsansatz konzentriert sich auf sogenannte lange nicht-kodierende RNAs (lncRNAs). Diese Moleküle sind zwar nicht direkt an der Herstellung von Proteinen beteiligt, spielen aber eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Genen und Zellprozessen. Neue Studien zeigen, dass lncRNAs bei Schuppenflechte eine zentrale Rolle spielen könnten.


Was passiert in den Hautzellen bei Schuppenflechte?

Die Haut besteht aus mehreren Schichten, und die oberste Schicht wird von Keratinozyten (Hautzellen) gebildet. Bei Schuppenflechte teilen sich diese Zellen zu schnell und reifen nicht richtig aus. Dadurch entstehen die typischen schuppigen und entzündeten Hautstellen.

Forscher haben herausgefunden, dass lncRNAs diesen Prozess beeinflussen:

  1. MSX2P1:
    Dieses Molekül ist in erkrankter Haut vermehrt vorhanden. Es bindet an ein anderes Molekül namens miR-6731-5p und aktiviert dadurch ein Protein namens S100A7, das Entzündungen fördert. Gleichzeitig regt es die Hautzellen zum Wachstum an und verhindert ihren natürlichen Zelltod.

  2. MIR31HG:
    Auch dieses Molekül ist bei Schuppenflechte überaktiv. Es sorgt dafür, dass sich die Hautzellen unkontrolliert teilen. Entzündungsbotenstoffe wie IL-17A und TNF-α verstärken seine Wirkung.

  3. H19:
    H19 hilft den Hautzellen, sich normal zu entwickeln. Es bindet an miR-130b-3p und schützt so ein wichtiges Protein namens DSG1, das für den Zusammenhalt der Hautzellen sorgt.

  4. RP6-65G23.1:
    Dieses Molekül wird durch Entzündungsbotenstoffe aktiviert und fördert das Überleben der Hautzellen. Wenn es blockiert wird, sterben die Zellen ab, was möglicherweise die Haut regenerieren könnte.

  5. MEG3:
    Bei Schuppenflechte ist MEG3 weniger aktiv. Es hemmt normalerweise ein Molekül namens miR-21, das den Zelltod verhindert. Ohne MEG3 sterben die Zellen nicht ab, was zu einer übermäßigen Hautverdickung führt.

  6. PRINS:
    PRINS wird bei Stress, wie UV-Strahlung, aktiviert und schützt die Zellen vor dem Absterben. Es könnte eine Rolle bei der Entstehung von Schuppenflechte spielen.

  7. HOTAIR und HULC:
    Diese Moleküle verstärken Entzündungen und Zellschäden durch UV-Strahlung. Sie aktivieren Proteine, die Entzündungen fördern und den Zelltod beschleunigen.

  8. PRANCR und LINC00941:
    PRANCR fördert das Wachstum der Hautzellen, während LINC00941 verhindert, dass sie zu früh reifen. Beide tragen zur Verdickung der Haut bei.


Wie beeinflussen lncRNAs das Immunsystem?

Bei Schuppenflechte ist das Immunsystem überaktiv. Bestimmte Immunzellen, wie T-Zellen und dendritische Zellen, spielen eine wichtige Rolle. LncRNAs regulieren deren Funktion:

  1. FLICR:
    Dieses Molekül hemmt ein Protein namens FoxP3, das für die Funktion von regulatorischen T-Zellen (Tregs) wichtig ist. Tregs sorgen normalerweise dafür, dass das Immunsystem nicht überreagiert. FLICR könnte daher die Entzündung bei Schuppenflechte verstärken.

  2. PRINS:
    PRINS wird auch durch T-Zellen aktiviert und verbindet so das Immunsystem mit der Haut.


Die Rolle von dendritischen Zellen

Dendritische Zellen sind eine Art Wächter des Immunsystems. Sie aktivieren T-Zellen und fördern Entzündungen.

  1. MALAT1:
    Dieses Molekül wird in dendritischen Zellen aktiviert und fördert die Toleranz des Immunsystems. Es könnte helfen, Entzündungen zu reduzieren.

Können lncRNAs als Biomarker dienen?

Forscher untersuchen, ob lncRNAs als Marker für Schuppenflechte genutzt werden können. Einige Moleküle, wie PSORS1C3 und ANRIL, stehen im Zusammenhang mit dem Erkrankungsrisiko. Andere, wie CARD14, sind in erkrankter Haut überaktiv.


Therapeutische Möglichkeiten und Herausforderungen

LncRNAs könnten neue Ansätze für die Behandlung von Schuppenflechte bieten. Zum Beispiel könnten Moleküle wie MSX2P1 oder MIR31HG blockiert werden, um die Hautzellen zu normalisieren. Allerdings gibt es noch viele Hürden, wie die gezielte Wirkstoffabgabe in die Hautzellen.


Fazit

LncRNAs spielen eine wichtige Rolle bei Schuppenflechte. Sie beeinflussen das Wachstum der Hautzellen, die Aktivität des Immunsystems und die Entzündung. Die Erforschung dieser Moleküle könnte neue Wege für die Diagnose und Behandlung der Erkrankung eröffnen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001243

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