Können zirkulierende Endometriumzellen bei Endometriose helfen?

Können zirkulierende Endometriumzellen bei Endometriose helfen, die Krankheit besser zu verstehen?

Endometriose (EM) ist eine häufige, aber oft missverstandene Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter. Sie betrifft schätzungsweise 190 Millionen Frauen weltweit. Die Krankheit ist durch das Wachstum von Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutterhöhle gekennzeichnet. Obwohl sie gutartig ist, zeigt sie Verhaltensweisen, die an Krebs erinnern, wie invasives Wachstum, Fernmetastasen und hohe Rückfallraten. Symptome wie starke Regelschmerzen, chronische Unterleibsschmerzen und Unfruchtbarkeit können das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Doch die Diagnose ist oft schwierig und langwierig, da es keine spezifischen Blutmarker gibt. Die derzeitige Diagnosemethode, die Laparoskopie, ist invasiv und nicht immer verfügbar. Gibt es eine nicht-invasive Alternative?

In den letzten Jahren haben Forscher zirkulierende Endometriumzellen (CECs) im Blut von Endometriose-Patientinnen entdeckt. Diese Zellen könnten ein Schlüssel zum besseren Verständnis der Krankheit sein und eine nicht-invasive Diagnosemethode bieten. Bisherige Studien verwendeten mikrofluidische Chips, um CECs zu erfassen, aber diese Methoden hatten Schwächen. Sie konnten nur größere Zellen erfassen und hatten Schwierigkeiten, CECs von ähnlichen Zellen wie zirkulierenden Gefäßendothelzellen (CVECs) zu unterscheiden. Eine neue Methode namens SE-iFISH (Subtraktionsanreicherung und Immunfärbung mit Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung) könnte diese Probleme lösen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie umfasste 34 Endometriose-Patientinnen und 12 Kontrollpersonen. Die Patientinnen wurden an der Peking University People’s Hospital behandelt. Um an der Studie teilzunehmen, mussten die Patientinnen eine durch Laparoskopie bestätigte Endometriose-Diagnose haben, nicht schwanger, stillend oder in den Wechseljahren sein und keine anderen Tumore oder Blutkrankheiten haben. Außerdem durften sie in den letzten drei Monaten keine Hormonpräparate eingenommen haben. Die Kontrollgruppe bestand aus Frauen mit gutartigen gynäkologischen Erkrankungen und gesunden Freiwilligen.

Die SE-iFISH-Methode wurde verwendet, um CECs und CVECs im Blut zu erfassen. Zuerst wurden rote und weiße Blutkörperchen sowie CVECs entfernt. Dann wurden die verbleibenden Zellen mit speziellen Farbstoffen markiert, um CECs zu identifizieren. Diese Zellen exprimieren Östrogen- und Progesteronrezeptoren (ER und PR). Schließlich wurde die Anzahl der Chromosomen in den Zellen untersucht, um festzustellen, ob sie genetische Veränderungen aufweisen.

Was wurden die Ergebnisse?

Die Studie zeigte, dass CECs im Blut von Endometriose-Patientinnen erfolgreich nachgewiesen werden konnten. Die Nachweisrate bei Patientinnen lag bei 58,8 %, während sie in der Kontrollgruppe nur 16,7 % betrug. Bei Patientinnen mit schnell fortschreitender Endometriose, die durch zunehmende Schmerzen oder vergrößerte Eierstockzysten gekennzeichnet war, lag die Nachweisrate sogar bei 94,4 %. Bei Patientinnen mit ruhender Endometriose, die keine oder nur leichte Symptome hatten, betrug die Rate nur 18,8 %.

Interessanterweise waren 63,5 % der erfassten CECs kleiner als 5 Mikrometer, während 36,5 % größer waren. Dies zeigt, dass frühere Methoden, die nur größere Zellen erfassen konnten, einen wichtigen Teil der CECs übersehen haben. Zudem wiesen 44,4 % der CECs genetische Veränderungen in Chromosom 8 auf, insbesondere Tetraploidie und Polyploidie. Diese Veränderungen deuten auf eine gewisse genetische Instabilität hin, die normalerweise mit Krebs assoziiert ist.

Die Studie fand auch einen Zusammenhang zwischen der Anzahl der CECs und CVECs bei Endometriose-Patientinnen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Bildung neuer Blutgefäße eine Rolle bei der Krankheit spielt. Allerdings gab es keinen signifikanten Zusammenhang zwischen der Anzahl der CECs und dem Schweregrad der Endometriose.

Was bedeuten diese Ergebnisse?

Die präzise Erfassung von CECs mit der SE-iFISH-Methode bietet neue Einblicke in die Endometriose. Die hohe Nachweisrate bei Patientinnen mit aktiver Krankheit legt nahe, dass diese Zellen an der Krankheitsentwicklung beteiligt sein könnten. Die Tatsache, dass viele CECs klein sind und genetische Veränderungen aufweisen, unterstreicht die Bedeutung einer Methode, die alle Zellgrößen erfassen kann.

Die genetischen Veränderungen in den CECs könnten auch für die Früherkennung einer möglichen bösartigen Entartung bei Endometriose relevant sein. Obwohl dies selten ist, ist es eine ernste Komplikation. Die Studie zeigt, dass CECs ein potenzieller Biomarker für die Krankheit sein könnten, insbesondere für die Identifizierung von Patientinnen, die frühzeitig behandelt werden müssen.

Was sind die Grenzen der Studie?

Die Studie hatte einige Einschränkungen. Die Teilnehmerzahl war relativ klein, und die meisten Patientinnen hatten eine Eierstock-Endometriose. Zukünftige Studien sollten eine größere und vielfältigere Gruppe von Patientinnen einschließen, um die Ergebnisse zu bestätigen. Außerdem wurde nicht untersucht, wie sich die Anwesenheit von CECs langfristig auf den Krankheitsverlauf auswirkt, insbesondere bei Patientinnen mit ruhender Endometriose.

Ein weiterer interessanter Ansatz für zukünftige Forschung ist die Rolle von CECs bei Jugendlichen mit starken Regelschmerzen. Frühe Diagnose und Behandlung könnten die Lebensqualität der Betroffenen erheblich verbessern.

Fazit

Die präzise Erfassung von CECs mit der SE-iFISH-Methode ist ein wichtiger Schritt in der Endometriose-Forschung. Die Ergebnisse bieten neue Einblicke in die Krankheit und könnten zu einer nicht-invasiven Diagnosemethode führen. Die Entdeckung, dass viele CECs klein sind und genetische Veränderungen aufweisen, unterstreicht die Bedeutung einer umfassenden Erfassungsmethode. Zukünftige Studien sollten die Ergebnisse bestätigen und die langfristigen Auswirkungen der CECs auf den Krankheitsverlauf untersuchen. Dies könnte zu besseren Diagnose- und Behandlungsstrategien führen und die Belastung durch diese komplexe Erkrankung verringern.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002910
For educational purposes only.

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