Kann Kombination aus Wells-Score und D-Dimer-Wert APE bei KHK erkennen?

Kann eine Kombination aus Wells-Score und D-Dimer-Wert akute Lungenembolien bei Patienten mit Herzkrankheiten und Brustschmerzen erkennen?

Brustschmerzen sind ein häufiges Symptom in der Notaufnahme. Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit (KHK) ist die Diagnose oft schwierig. Eine akute Lungenembolie (APE) kann ähnliche Beschwerden wie ein Herzinfarkt verursachen. Dies führt oft zu Fehldiagnosen und unnötigen Behandlungen. Wie können Ärzte diese beiden Erkrankungen besser unterscheiden?

Hintergrund

Eine akute Lungenembolie ist ein lebensbedrohlicher Zustand. Sie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel eine Lungenarterie blockiert. Patienten mit KHK haben ein höheres Risiko für APE. Die Symptome wie Brustschmerzen, Atemnot und Herzrasen ähneln denen eines Herzinfarkts. Dies macht die Diagnose kompliziert.

Die europäischen Leitlinien von 2008 empfehlen den Wells-Score zur Risikobewertung von APE. Dieser Score bewertet klinische Merkmale wie Beinschwellungen oder Atemnot. Ein weiterer wichtiger Marker ist der D-Dimer-Wert. Dieser zeigt an, ob im Körper Blutgerinnsel abgebaut werden. Doch wie gut funktionieren diese Methoden bei KHK-Patienten?

Studie und Methoden

Eine retrospektive Studie untersuchte 247 KHK-Patienten, die mit Brustschmerzen in die Notaufnahme kamen. Alle Patienten unterzogen sich einer Computertomographie der Lunge (CTPA), um APE zu bestätigen oder auszuschließen. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: solche mit KHK und APE (n=104) und solche mit KHK allein (n=143).

Die Forscher sammelten Daten wie Alter, Blutdruck, Herzfrequenz und Laborergebnisse. Sie berechneten den Wells-Score und analysierten den D-Dimer-Wert. Statistische Tests verglichen die Gruppen und ermittelten unabhängige Risikofaktoren für APE.

Ergebnisse

Patienten mit KHK und APE waren im Durchschnitt jünger (61 vs. 66 Jahre) und hatten niedrigeren Blutdruck. Sie zeigten häufiger Symptome wie Beinschwellungen (51,0 % vs. 17,5 %) und eine tiefe Venenthrombose (DVT; 19,2 % vs. 7,0 %). Die Herzfrequenz war bei APE-Patienten höher (100,9 vs. 91,5 Schläge pro Minute).

Der D-Dimer-Wert war in der APE-Gruppe leicht erhöht (2148 ng/mL vs. 1771 ng/mL). Echokardiographien zeigten bei APE-Patienten häufiger bestimmte Anzeichen wie eine erweiterte Lungenarterie. EKG-Ergebnisse wiesen bei APE-Patienten öfter Herzrasen und spezifische Muster auf.

Unabhängige Risikofaktoren

Die Analyse identifizierte drei unabhängige Risikofaktoren für APE bei KHK-Patienten:

  1. Beinschwellungen (Odds Ratio [OR]=5,634).
  2. Herzrasen (OR=1,194).
  3. Tiefe Venenthrombose (OR=1,657).

Diese Faktoren helfen Ärzten, das Risiko für APE besser einzuschätzen.

Diagnostische Genauigkeit

Der D-Dimer-Wert allein hatte eine Sensitivität von 88,46 % und eine Spezifität von 83,22 %. Der Wells-Score allein war weniger genau (Sensitivität 75,96 %, Spezifität 70,63 %). Die Kombination beider Methoden verbesserte die Genauigkeit deutlich. Die Sensitivität blieb bei 88,46 %, während die Spezifität auf 90,21 % stieg.

Die ROC-Kurvenanalyse bestätigte die Überlegenheit der Kombination. Die Fläche unter der Kurve (AUC) betrug 0,949, verglichen mit 0,898 für D-Dimer allein und 0,784 für den Wells-Score allein.

Bedeutung und Einschränkungen

Die Studie zeigt, dass die Kombination aus Wells-Score und D-Dimer-Wert die Diagnose von APE bei KHK-Patienten verbessert. Dies könnte unnötige Untersuchungen wie Herzkatheter reduzieren und die Behandlung beschleunigen.

Allerdings hat die Studie Grenzen. Sie basiert auf retrospektiven Daten aus einem einzigen Zentrum. Die Ergebnisse müssen in größeren Studien bestätigt werden. Zudem wurden nur Patienten mit mittlerem bis hohem Risiko eingeschlossen.

Fazit

Bei KHK-Patienten mit Brustschmerzen kann die Kombination aus Wells-Score und D-Dimer-Wert die Erkennung von APE deutlich verbessern. Diese Methode hilft, Fehldiagnosen zu vermeiden und die Behandlung zu optimieren. Weitere Studien sollten prüfen, wie sich diese Methode in der klinischen Praxis etablieren lässt.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000988

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