Kann ein traditionelles chinesisches Heilmittel bei Brustkrebs helfen?

Kann ein traditionelles chinesisches Heilmittel bei Brustkrebs helfen?

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen weltweit. Allein in China wurden im Jahr 2022 schätzungsweise 429.105 neue Fälle diagnostiziert. Trotz Fortschritten in der Behandlung wie Operationen, Chemotherapie, Bestrahlung und gezielter Therapie bleibt die Verbesserung der langfristigen Überlebensraten und die Verringerung des Rückfallrisikos eine große Herausforderung. In diesem Zusammenhang gewinnt die traditionelle chinesische Medizin (TCM) zunehmend an Bedeutung, um Nebenwirkungen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Ein besonders interessanter Ansatz ist die Verwendung von Huaier (Trametes robiniophila Murr), einem Heilpilz mit einer über 1.600-jährigen Geschichte. Aber kann Huaier wirklich einen Unterschied machen?

Was ist Huaier und wie wirkt es?

Huaier-Granulat ist ein wässriger Extrakt aus dem Pilz Trametes robiniophila. Seit 1992 ist es in China als ergänzende Krebstherapie zugelassen. Laborstudien deuten darauf hin, dass Huaier das Tumorwachstum hemmen kann, indem es Schlüsselprozesse wie Zellteilung, programmierten Zelltod und Immunregulation beeinflusst. Bei Brustkrebs konnte Huaier beispielsweise die Aktivität von Östrogenrezeptoren und Krebsstammzellen unterdrücken.

Eine retrospektive Studie von Zhang et al. (2019) berichtete von einer verlängerten krankheitsfreien Zeit (DFS) bei Brustkrebspatientinnen, die Huaier einnahmen. Allerdings waren die Ergebnisse aufgrund von Unterschieden in den Patienteneigenschaften und Behandlungsmethoden schwer zu interpretieren. Um diese Probleme zu überwinden, wurde in einer neuen Studie eine Methode namens Propensity Score Matching (PSM) verwendet, um die Vergleichbarkeit der Patientengruppen zu verbessern.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie analysierte Daten von 3.901 Patientinnen aus dem Guangdong Provincial Hospital of Chinese Medicine (2009–2017). Eingeschlossen wurden Frauen im Alter von 18 bis 75 Jahren mit invasivem Brustkrebs, die eine Standardbehandlung nach der Operation abgeschlossen hatten. Patientinnen mit fortgeschrittenem Krebs, anderen Krebsarten oder unzureichender Einnahme von Huaier (weniger als 18 Wochen) wurden ausgeschlossen.

Die Patientinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine Gruppe, die Huaier-Granulat einnahm (20 g, dreimal täglich), und eine Kontrollgruppe ohne Huaier. Beide Gruppen erhielten Standardtherapien wie Chemotherapie, Bestrahlung, Hormontherapie und gezielte Therapien, die an den individuellen Krebs angepasst wurden. Die Hauptziele der Studie waren die krankheitsfreie Zeit (DFS) und das Gesamtüberleben (OS).

Was waren die Ergebnisse?

Nach der Anwendung von PSM wurden 214 Patientinnen (107 pro Gruppe) verglichen. Vor der Anpassung gab es deutliche Unterschiede zwischen den Gruppen, insbesondere bei der Tumorgröße, dem Stadium und den Hormonrezeptorstatusen. Nach der Anpassung waren die Gruppen jedoch gut vergleichbar.

Die Ergebnisse zeigten, dass die Einnahme von Huaier die Überlebensraten verbesserte:

  • Krankheitsfreie Zeit (DFS): Nach 5 Jahren lag die DFS-Rate in der Huaier-Gruppe bei 94,4 % gegenüber 85,0 % in der Kontrollgruppe.
  • Gesamtüberleben (OS): Nach 5 Jahren lag die OS-Rate in der Huaier-Gruppe bei 98,1 % gegenüber 86,6 % in der Kontrollgruppe.

Diese Unterschiede waren statistisch signifikant und blieben auch nach Berücksichtigung anderer Faktoren wie Alter, Tumorgröße und Behandlungsmethoden bestehen.

Wie könnte Huaier wirken?

Die genauen Mechanismen, wie Huaier das Tumorwachstum hemmt, sind noch nicht vollständig geklärt. Es gibt jedoch mehrere mögliche Ansätze:

  1. Immunsystem-Stärkung: Huaier könnte die Aktivität bestimmter Immunzellen wie CD3+, CD4+ und natürliche Killerzellen erhöhen.
  2. Unterstützung der Chemotherapie: Huaier könnte die Wirkung von Chemotherapeutika wie Paclitaxel verstärken, indem es bestimmte Signalwege hemmt.
  3. Hemmung der Blutgefäßbildung: Huaier könnte die Bildung neuer Blutgefäße in Tumoren unterdrücken, was das Wachstum erschwert.
  4. Auslösung von Zelltod: Huaier könnte den programmierten Zelltod in Krebszellen aktivieren, insbesondere bei aggressiven Formen wie dem dreifach negativen Brustkrebs (TNBC).

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Studie legt nahe, dass Huaier eine sinnvolle Ergänzung zur Standardtherapie bei Brustkrebs sein könnte. Besonders Patientinnen im fortgeschrittenen Stadium könnten von einer längeren Einnahme (mindestens 18 Monate) profitieren. Im Vergleich zu anderen Therapien wie Capecitabine oder Olaparib ist Huaier gut verträglich, mit nur leichten Nebenwirkungen wie erhöhten Leberwerten.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Die Studie basiert auf retrospektiven Daten aus einem einzigen Zentrum, und es ist möglich, dass andere Faktoren, die nicht gemessen wurden, die Ergebnisse beeinflusst haben. Zukünftige Studien, wie die laufende NCT04790305-Studie, werden benötigt, um die Ergebnisse zu bestätigen und die optimale Dosierung und Dauer der Behandlung zu ermitteln.

Fazit

Diese Studie liefert überzeugende Hinweise darauf, dass Huaier-Granulat die Überlebensraten bei Patientinnen mit frühem invasivem Brustkrebs verbessern kann. Obwohl weitere Untersuchungen erforderlich sind, könnte Huaier eine sichere und wirksame Ergänzung zur Standardtherapie darstellen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002966

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