HIV-Prävention in China: Wie kann PrEP helfen?

HIV-Prävention in China: Wie kann PrEP helfen?

Die weltweite HIV-Epidemie wurde durch anhaltende Bemühungen eingedämmt, doch die Verhinderung neuer Infektionen bleibt eine Herausforderung, insbesondere bei Risikogruppen. In China ist sexueller Kontakt der Hauptübertragungsweg und verantwortlich für über 90 % der Neuinfektionen. Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP), eine innovative Strategie, die antiretrovirale Medikamente zur Vorbeugung von HIV nutzt, hat international Anerkennung gefunden. Doch wie sieht es in China aus?

Was ist PrEP und wie wirkt sie?

PrEP steht für „Prä-Expositions-Prophylaxe“ und beinhaltet die Einnahme von Medikamenten, um eine HIV-Infektion zu verhindern. Studien weltweit haben gezeigt, dass PrEP wirksam ist. Beispielsweise reduzierte die iPERGAY-Studie bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), die HIV-Infektionsrate um 86 %, wenn das Medikament Tenofovir Disoproxil Fumarat/Emtricitabin (TDF/FTC) bedarfsweise eingenommen wurde. In Afrika zeigte die Partners PrEP-Studie eine Wirksamkeit von 66 % bis 84 % bei täglicher Einnahme von TDF/FTC, abhängig von der Einhaltung der Therapie.

In China ist die Notwendigkeit von PrEP besonders hoch. Bei MSM liegt die HIV-Inzidenz bei 5,6 pro 100 Personenjahre (PY), deutlich über dem Schwellenwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 3/100 PY für eine PrEP-Empfehlung. Im Vergleich dazu sind die Raten bei Sexarbeiterinnen (1,4/100 PY) und Menschen, die Drogen injizieren (1,6/100 PY), niedriger. Dies unterstreicht die Bedeutung gezielter PrEP-Strategien für MSM und andere Risikogruppen.

Sicherheit und Nebenwirkungen

TDF/FTC, das Standardmedikament für PrEP, hat ein gutes Sicherheitsprofil. Häufige Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen und Durchfall klingen meist innerhalb von vier Wochen ab. Allerdings müssen Ärzte die Nierenfunktion überwachen, da TDF in seltenen Fällen Nierenprobleme verursachen kann. Personen mit einer geschätzten Kreatinin-Clearance-Rate von weniger als 60 mL/min sollten keine PrEP erhalten. Zudem kann TDF vorübergehend die Knochendichte verringern, was bei Risikogruppen für Osteoporose beachtet werden muss.

Resistenzen gegen die Medikamente sind selten, aber es ist wichtig, sie zu verhindern. Dies geschieht am besten durch gründliche HIV-Tests vor der PrEP-Einnahme, einschließlich Tests, die akute Infektionen erkennen können. Studien zeigen, dass PrEP bei korrekter Anwendung keine neuen Resistenzen verursacht.

Wer kommt für PrEP infrage?

Risikobewertung

PrEP ist für Personen geeignet, die in den letzten sechs Monaten bestimmte Risikoverhalten hatten:

  • Ungeschützter Anal- oder Vaginalverkehr.
  • Teilen von Spritzen bei Drogenkonsum.
  • Sex mit HIV-positiven Partnern, die keine wirksame antiretrovirale Therapie (ART) erhalten.
  • Kürzlich diagnostizierte sexuell übertragbare Infektionen (STI) wie Syphilis oder Gonorrhoe.
  • Frühere Nutzung von Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) oder Interesse an PrEP.

Personen, die eines dieser Kriterien erfüllen, kommen für PrEP infrage, es sei denn, sie befinden sich in einer monogamen Beziehung mit einem HIV-positiven Partner, dessen Viruslast unterdrückt ist.

Medizinische Untersuchung

Vor der PrEP-Einnahme sind folgende Tests erforderlich:

  • HIV-Test: Ein Test, der Antigene und Antikörper nachweist, um akute Infektionen auszuschließen. Selbsttests reichen nicht aus.
  • Nierenfunktion: Die Kreatinin-Clearance-Rate muss mindestens 60 mL/min betragen.
  • Hepatitis-Test: Ein Test auf Hepatitis B, da TDF/FTC die HBV-Replikation beeinflusst.
  • Schwangerschaftstest: PrEP ist während der Schwangerschaft sicher, erfordert aber Beratung zur Verhütung.

Empfohlene PrEP-Regime

Tägliche Einnahme

Eine Tablette TDF/FTC (300 mg TDF + 200 mg FTC) täglich. Dieses Regime eignet sich für alle Risikogruppen, einschließlich Heterosexueller und Menschen, die Drogen injizieren.

Bedarfsweise Einnahme (2+1+1 Schema)

Empfohlen für MSM mit unregelmäßigem oder vorhersehbarem Sexualkontakt:

  • Zwei Tabletten 2–24 Stunden vor dem Sex.
  • Eine Tablette 24 Stunden nach der ersten Dosis.
  • Eine Tablette 48 Stunden nach der ersten Dosis.

Dieses Schema wurde in der iPERGAY-Studie validiert und eignet sich aufgrund der schnellen Aufnahme im Rektalgewebe. Es ist nicht für vaginalen Sex geeignet, da die Aufnahme im Genitaltrakt langsamer ist.

Alternative Medikamente

  • TAF/FTC: Tenofovir Alafenamid/Emtricitabin zeigt ähnliche Wirksamkeit wie TDF/FTC, ist aber sicherer für Nieren und Knochen.
  • Langwirksames Cabotegravir (CAB-LA): Eine Spritze alle zwei Monate reduzierte in der HPTN 083-Studie die HIV-Inzidenz um 69 % im Vergleich zu täglichem TDF/FTC.

Einhaltung und Überwachung

Die Wirksamkeit von PrEP hängt stark von der regelmäßigen Einnahme ab. Strategien zur Verbesserung der Einhaltung umfassen:

  • Tablettenzählung und Medikamentenspiegel: Blutuntersuchungen zeigen, ob die Medikamente eingenommen wurden.
  • Digitale Hilfsmittel: SMS-Erinnerungen und Apps fördern die regelmäßige Einnahme.
  • Vierteljährliche Nachsorge: HIV/STI-Tests, Nierenfunktionsüberwachung und Beratung.

Wenn die Einnahme nicht regelmäßig erfolgt (<40 %), verliert PrEP ihre Wirkung. Personen, die nicht mehr gefährdet sind oder die Einnahme nicht einhalten können, sollten PrEP beenden.

Besondere Überlegungen

Akute HIV-Infektion während PrEP

Eine HIV-Infektion trotz PrEP erfordert sofortigen Beginn einer ART und Resistenztestung. Meist liegt dies an einer unerkannten Infektion oder schlechter Einnahme, nicht an Resistenzen.

Anpassungen während COVID-19

Telemedizin und Heimtests (HIV-Selbsttests, Blutproben) stellen die kontinuierliche PrEP-Versorgung während der Pandemie sicher.

Fazit

Die Einführung von TDF/FTC für PrEP in China im August 2020 war ein wichtiger Schritt in der HIV-Prävention. Maßgeschneiderte Regime, strenge Überwachung und Engagement in der Gemeinschaft sind entscheidend, um die HIV-Übertragung bei Risikogruppen zu verringern.

doi:10.1097/CM9.0000000000001181

For educational purposes only.

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