Wie hoch ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes in China?

Wie hoch ist das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes in China?

Die Zahl der Menschen mit Diabetes steigt weltweit rasant. Besonders besorgniserregend sind die damit verbundenen Komplikationen, vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die durch verengte Arterien (Atherosklerose) verursacht werden. In China, wo die Diabetesraten besonders schnell zunehmen, ist es entscheidend, das Risiko für solche Erkrankungen besser zu verstehen. Eine aktuelle Studie hat das 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes-Patienten in China untersucht.

Studie und Methode

Die Studie basiert auf Daten der NEW2D-Studie (NEWly Diagnosed type 2 Diabetes), einer Langzeituntersuchung mit 5.770 Teilnehmern. Diese wurden zwischen Juni 2012 und Februar 2014 in 79 Krankenhäusern in sechs großen Regionen Chinas rekrutiert. Alle Teilnehmer waren Erwachsene ab 20 Jahren, bei denen innerhalb der letzten sechs Monate Typ-2-Diabetes diagnostiziert worden war.

Für diese spezielle Analyse wurden 2.301 Teilnehmer ausgewählt, die zuvor keine Medikamente zur Senkung des Blutzuckers, des Blutdrucks oder des Cholesterins erhalten hatten. Personen mit fehlenden Daten zu Risikofaktoren oder bereits bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden ausgeschlossen. Zur Risikobewertung wurde das China-PAR-Modell verwendet, ein speziell für die chinesische Bevölkerung entwickeltes Werkzeug. Dieses Modell berücksichtigt Faktoren wie Alter, Wohnregion, Rauchen, Taillenumfang, Blutdruck, Cholesterinwerte und familiäre Vorbelastung.

Ergebnisse: Wer ist besonders gefährdet?

Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 52,5 Jahre alt, und 55,3 % waren Männer. Der durchschnittliche Body-Mass-Index (BMI) lag bei 25,1 kg/m², der systolische Blutdruck (oberer Wert) bei 128,6 mmHg. Das „gute“ Cholesterin (HDL-C) betrug im Schnitt 1,22 mmol/L, das „schlechte“ Cholesterin (LDL-C) 3,00 mmol/L. 24,2 % der Teilnehmer rauchten.

Das China-PAR-Modell ergab ein durchschnittliches 10-Jahres-Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen von 7,4 %. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer (54,4 %) hatte ein mittleres (5–10 %) oder hohes (>10 %) Risiko. Bei den Hochrisikopatienten waren Alter und Blutdruck deutlich höher. Beispielsweise waren Hochrisikopatienten im Schnitt 62,5 Jahre alt und hatten einen systolischen Blutdruck von 141,3 mmHg, während Niedrigrisikopatienten im Schnitt 47,1 Jahre alt waren und einen Blutdruck von 121,4 mmHg hatten.

Eine Untergruppe von 1.150 Teilnehmern, die keinerlei Medikamente erhielten, zeigte ein durchschnittliches Risiko von 5,2 %. Alter und Blutdruck waren die wichtigsten Risikofaktoren. Bei Männern ab 60 Jahren mit einem Blutdruck von ≥140 mmHg lag das 10-Jahres-Risiko bei 25,4 %, verglichen mit 4,0 % bei Männern unter 50 Jahren mit einem Blutdruck von <120 mmHg.

Was treibt das Risiko in die Höhe?

Alter und Blutdruck waren die entscheidenden Faktoren. Bei Männern machte das Alter 37,1 % des Risikos aus, der Blutdruck 28,6 %. Bei Frauen waren es 45,8 % für das Alter und 23,3 % für den Blutdruck. Auch das Leben in der Stadt und ein erhöhter Taillenumfang spielten eine Rolle. Diese Ergebnisse bestätigen frühere Studien, die Bluthochdruck und Alter als Hauptrisiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen identifiziert haben.

Trotz der hohen Verbreitung von Risikofaktoren war die Behandlungslücke groß. Nur 15,2 % der Teilnehmer erhielten Blutdruckmedikamente, und 4,9 % nahmen Cholesterinsenker ein. Selbst bei Hochrisikopatienten waren die Behandlungsraten niedrig: 28,9 % für Blutdruckmedikamente und 8,4 % für Cholesterinsenker.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Studie zeigt, dass fast die Hälfte der neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes-Patienten in China ein mittleres bis hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Risikobewertungen in die Routineversorgung von Diabetespatienten zu integrieren. Die chinesischen Leitlinien empfehlen bereits, bei Hochrisikopatienten frühzeitig mit der Behandlung zu beginnen, zum Beispiel mit Statinen (Cholesterinsenkern) oder Blutdruckmedikamenten.

Allerdings gibt es offenbar Hindernisse bei der Umsetzung dieser Empfehlungen. Mögliche Gründe sind mangelndes Bewusstsein bei Ärzten, Vorbehalte der Patienten gegenüber langfristigen Therapien und begrenzte Ressourcen im Gesundheitssystem. Um diese Lücken zu schließen, sind gezielte Maßnahmen erforderlich, wie Schulungen für Ärzte, bessere Aufklärung der Patienten und politische Reformen zur Verbesserung des Zugangs zu Medikamenten.

Stärken und Schwächen der Studie

Ein großer Vorteil der Studie ist die Verwendung des China-PAR-Modells, das speziell für die chinesische Bevölkerung entwickelt wurde. Die Einbeziehung von Teilnehmern aus verschiedenen Regionen macht die Ergebnisse für ganz China relevant.

Allerdings gibt es auch Einschränkungen. Zum Beispiel wurden Teilnehmer ausgeschlossen, die bereits Medikamente erhielten, was das Risiko möglicherweise unterschätzt. Außerdem basieren die Ergebnisse auf den Ausgangsdaten, sodass nicht beurteilt werden kann, wie sich das Risiko im Laufe der Zeit verändert. Schließlich lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Bevölkerungsgruppen übertragen, da genetische und umweltbedingte Faktoren eine Rolle spielen.

Was kommt als Nächstes?

Zukünftige Studien sollten untersuchen, wie sich frühzeitige Behandlungen auf das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken. Außerdem wäre es wichtig, die Kosten-Nutzen-Bilanz von Risikobewertungen wie dem China-PAR-Modell zu analysieren, um politische Entscheidungen zu unterstützen.

Fazit

Diese Studie liefert wichtige Erkenntnisse über das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei neu diagnostizierten Typ-2-Diabetes-Patienten in China. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat ein mittleres bis hohes Risiko. Blutdruck und Alter sind die wichtigsten Faktoren. Eine bessere Kontrolle des Blutdrucks und der frühere Einsatz von Cholesterinsenkern könnten die Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Population deutlich verringern. Ärzte und Politiker müssen die Umsetzung von Leitlinien zur Risikominderung priorisieren, um die langfristige Gesundheit von Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes in China zu verbessern.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002045

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