Herzschäden durch Immuntherapie bei Magen-Darm-Krebs: Was Sie wissen müssen
Krebs im Magen-Darm-Trakt (GI-Krebs) ist eine der häufigsten Krebsarten in China. Traditionell wurden diese Erkrankungen mit Operationen, Bestrahlung und Chemotherapie behandelt. Doch seit einigen Jahren gibt es eine neue Hoffnung: Immuntherapien, insbesondere sogenannte Immun-Checkpoint-Hemmer (ICI, englisch für Immune Checkpoint Inhibitors). Diese Medikamente, die gezielt das Protein PD-1 (Programmed Death-1) oder PD-L1 (Programmed Death-Ligand 1) blockieren, haben die Behandlung von GI-Krebs revolutioniert. Doch wie bei jeder Therapie gibt es auch Risiken. Ein seltenes, aber schwerwiegendes Problem sind Herzschäden, die durch diese Immuntherapien verursacht werden können.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Zwischen April 2016 und Juli 2020 wurden 291 Patienten mit GI-Krebs in sechs klinischen Studien (NCT03704246, NCT02742935, NCT03732508, NCT03099382, NCT03603756, CTR20191215) untersucht. Alle Patienten erhielten Immun-Checkpoint-Hemmer. Herzschäden wurden anhand spezieller Kriterien für durch Krebstherapien verursachte Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) sowie mithilfe eines standardisierten Bewertungssystems für Nebenwirkungen (CTCAE v4.03) festgestellt.
Von den 291 Patienten entwickelten 9 (3,1 %) Herzprobleme. Das Durchschnittsalter dieser Patienten lag bei 63,5 Jahren, und die Mehrheit (88,9 %) waren Männer. Am häufigsten trat die Herzschädigung bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs (55,6 %) auf, gefolgt von Magenkrebs (22,2 %), Darmkrebs (11,1 %) und Krebs in der Leber oder den Gallenwegen (11,1 %).
Wie häufig sind Herzschäden und wer ist gefährdet?
Die Gesamtrate von Herzschäden lag bei 3,1 %. Bei der Analyse der verschiedenen Therapien zeigte sich:
- Anti-PD-1 allein: 3,0 %
- Anti-PD-1 in Kombination mit Chemotherapie oder anderen Medikamenten: 3,4 %
- Anti-PD-L1 in Kombination mit Chemotherapie: 4,2 %
Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen der alleinigen Anwendung von Immuntherapie und der Kombination mit anderen Behandlungen. Ein wichtiger Risikofaktor war eine frühere Bestrahlung im Brustbereich (Mediastinalbestrahlung) bei Patienten mit Speiseröhrenkrebs. Von den Patienten mit Herzschäden hatten 80 % eine solche Bestrahlung erhalten, verglichen mit nur 27,5 % in der Gruppe ohne Herzprobleme. Dies deutet darauf hin, dass die Bestrahlung das Herz anfälliger für Schäden durch die Immuntherapie machen könnte.
Wie äußern sich die Herzschäden und wie werden sie diagnostiziert?
Die Herzprobleme traten im Durchschnitt 55 Tage nach Beginn der Immuntherapie auf, wobei 56 % der Fälle innerhalb der ersten 8 Wochen auftraten. Bei den meisten Patienten (7 von 9) wurden Auffälligkeiten im Elektrokardiogramm (EKG) festgestellt, darunter Veränderungen der ST-Strecke (3 von 7), Vorhofflimmern (1 von 7) und andere Herzrhythmusstörungen. Bei allen Patienten waren die Werte von Troponin, einem Marker für Herzschäden, erhöht.
Zur Diagnose wurden unter anderem eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Herzens und eine Herzkatheteruntersuchung (Koronarangiographie) durchgeführt. Bei zwei Patienten mit ST-Streckenhebungen im EKG zeigte die MRT eine Vergrößerung der Vorhöfe, während die Herzkatheteruntersuchung keine Erkrankung der Herzkranzgefäße ergab. Bei einem weiteren Patienten mit leichten EKG-Veränderungen wurde keine weiterführende Bildgebung durchgeführt, was die Schwierigkeiten bei der Diagnose einer Herzmuskelentzündung ohne invasive Verfahren verdeutlicht.
Wie werden die Herzschäden behandelt und wie ist die Prognose?
Die Behandlung konzentrierte sich auf die frühzeitige Gabe von Kortikosteroiden (Cortison). Im Durchschnitt wurden die Steroide innerhalb von 2 Tagen nach dem Auftreten der Symptome verabreicht, mit einer Anfangsdosis von 2,5 mg/kg pro Tag. Bei 62,5 % der Patienten führte dies zu einer Besserung, und die Troponin-Werte normalisierten sich im Durchschnitt nach 10 Tagen.
In 5 Fällen wurde die Immuntherapie dauerhaft abgebrochen. Bei 4 Patienten wurde die Therapie später wieder aufgenommen, ohne dass es erneut zu Herzproblemen kam. Die mittlere Überlebenszeit der Patienten mit Herzschäden betrug 8,9 Monate, und die Nachbeobachtungszeit lag bei durchschnittlich 13,7 Monaten.
Warum ist diese Studie wichtig?
Diese Studie ist die erste ihrer Art, die Herzschäden durch Immuntherapien bei chinesischen Patienten mit GI-Krebs untersucht. Die Häufigkeit von 3,1 % ist höher als in früheren Studien (0,09 %–1,14 %), was möglicherweise auf eine genauere Überwachung und die Einbeziehung verschiedener Herzprobleme zurückzuführen ist. Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen Speiseröhrenkrebs, früherer Bestrahlung und dem Risiko für Herzschäden.
Die schnelle Entwicklung der Herzprobleme (im Durchschnitt nach 55 Tagen) unterstreicht die Notwendigkeit einer frühzeitigen Erkennung. Auffälligkeiten im EKG und erhöhte Troponin-Werte sollten daher immer ernst genommen werden, auch wenn keine Symptome vorliegen.
Was bedeutet das für die Praxis?
- Risikobewertung: Patienten mit Speiseröhrenkrebs und einer Vorgeschichte von Bestrahlung im Brustbereich benötigen eine engmaschige Überwachung des Herzens.
- Frühe Behandlung: Eine schnelle Gabe von Kortikosteroiden kann die Prognose verbessern.
- Zusammenarbeit: Eine enge Zusammenarbeit zwischen Onkologen und Kardiologen ist entscheidend, um die Diagnose und Behandlung zu optimieren.
Diese Studie hat jedoch auch Grenzen, wie die geringe Anzahl von Patienten und die retrospektive Analyse innerhalb von klinischen Studien. Weitere Forschung ist notwendig, um Biomarker zur Risikovorhersage zu identifizieren und gezielte Therapien zu entwickeln.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002054