Warum ist Syphilis in der Schwangerschaft so gefährlich? Ein Blick auf 10 Jahre Forschung
Syphilis, eine durch Bakterien (Treponema pallidum) verursachte Infektion, bleibt weltweit ein großes Problem. Besonders besorgniserregend ist die Übertragung von der Mutter auf das Kind während der Schwangerschaft. Diese sogenannte angeborene Syphilis kann zu schwerwiegenden Folgen wie Fehlgeburten, Neugeborenensterben oder lebenslangen Behinderungen führen. Trotz weltweiter Bemühungen, diese Übertragung zu verhindern, gibt es noch viele offene Fragen. Eine aktuelle Studie aus China hat über 10 Jahre hinweg Daten gesammelt, um besser zu verstehen, wie die Behandlung von Syphilis in der Schwangerschaft wirkt und welche Faktoren das Risiko für angeborene Syphilis erhöhen.
Was wurde untersucht?
Die Studie analysierte die Daten von 410 schwangeren Frauen mit Syphilis, die zwischen 2008 und 2017 in der Beijing Ditan Hospital behandelt wurden. Die Frauen wurden in zwei Gruppen eingeteilt:
- Frauen, die bereits vor der Schwangerschaft wegen Syphilis behandelt worden waren ((n = 148)).
- Frauen, die erst während der Schwangerschaft diagnostiziert und behandelt wurden ((n = 262)).
Die Diagnose wurde durch zwei Tests bestätigt: den TRUST-Test (ein Antikörpertest) und den TPPA-Test (ein spezifischer Test für Treponema pallidum). Die Behandlung bestand aus zwei Kursen mit Benzathine Penicillin G (BPG; 2,4 Millionen Einheiten pro Woche über drei Wochen), die im ersten (bis zur 12. Woche) und dritten (ab der 28. Woche) Schwangerschaftsdrittel verabreicht wurden.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
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Der Ausgangswert des TRUST-Tests sagt die Behandlungserfolge voraus
Die Frauen wurden nach ihren anfänglichen TRUST-Werten in zwei Gruppen eingeteilt: (leq 1:8) ((n = 307)) und (> 1:8) ((n = 103)). Frauen mit niedrigeren Werten ((leq 1:8)) zeigten häufiger keine Veränderung oder sogar einen Anstieg der Werte nach der Behandlung. Bei Frauen mit höheren Werten ((> 1:8)) sanken die Werte dagegen deutlich, was auf eine erfolgreiche Behandlung hindeutet. -
Der Zeitpunkt der Behandlung und frühere Behandlungen
Es gab keine signifikanten Unterschiede in den Behandlungsergebnissen, je nachdem, wann die Behandlung begonnen wurde. Allerdings war eine erneute Behandlung während der Schwangerschaft entscheidend: Frauen, die zuvor nicht behandelt worden waren, zeigten häufiger einen Rückgang der TRUST-Werte. Frühere Behandlungen reduzierten das Risiko für angeborene Syphilis nicht, was die Notwendigkeit einer erneuten Behandlung während der Schwangerschaft unterstreicht. -
Das Risiko für angeborene Syphilis und wichtige Faktoren
Von 406 Lebendgeburten wurden 25 Fälle (6,2%) von angeborener Syphilis festgestellt. Zwei Faktoren erhöhten das Risiko deutlich:- Das Stadium der Syphilis: Frauen mit sekundärer Syphilis hatten ein 11,4-fach höheres Risiko.
- Der anfängliche TRUST-Wert: Werte (geq 1:8) erhöhten das Risiko progressiv.
Alter, Beruf, Wohnort und der Zeitpunkt der Behandlung hatten dagegen keinen signifikanten Einfluss.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Dynamik der TRUST-Werte und ihre Bedeutung
Die Studie zeigt, dass die TRUST-Werte nach der Behandlung unterschiedlich reagieren. Bei hohen Ausgangswerten sinken sie meistens, was auf eine erfolgreiche Behandlung hindeutet. Bei niedrigen Werten können die Werte jedoch unverändert bleiben oder sogar ansteigen. Dies könnte auf eine erneute Infektion, eine unvollständige Behandlung oder andere Faktoren zurückzuführen sein. Daher ist eine engmaschige Nachsorge auch bei Frauen mit niedrigen Werten wichtig.
Die Notwendigkeit einer erneuten Behandlung während der Schwangerschaft
Die Studie zeigt, dass frühere Behandlungen das Risiko für angeborene Syphilis nicht verringern. Frauen, die bereits behandelt wurden, aber bei der Schwangerschaft hohe TRUST-Werte haben, haben immer noch ein erhöhtes Risiko. Dies unterstreicht die aktuellen Richtlinien, die eine erneute Behandlung während der Schwangerschaft empfehlen, unabhängig von früheren Behandlungen.
Das Stadium der Syphilis und TRUST-Werte als wichtige Hinweise
Frauen mit sekundärer Syphilis haben ein deutlich höheres Risiko, die Infektion auf ihr Kind zu übertragen. Dies liegt wahrscheinlich an der höheren Bakterienlast und der effizienteren Übertragung. Auch hohe TRUST-Werte ((geq 1:8)) sind ein wichtiger Hinweis auf ein erhöhtes Risiko. Ärzte sollten bei diesen Frauen besonders schnell handeln und eine engmaschige Nachsorge durchführen.
Stärken und Schwächen der Studie
Die Studie liefert wertvolle Einblicke in die Behandlung von Syphilis in der Schwangerschaft. Allerdings gab es einige Einschränkungen, wie die geringe Anzahl von Fällen mit primärer oder sekundärer Syphilis. Auch fehlten manchmal Informationen über frühere Behandlungen. Daher sind weitere Studien notwendig, um diese Fragen zu klären.
Fazit
Diese 10-jährige Studie zeigt, dass alle schwangeren Frauen mit Syphilis während der Schwangerschaft erneut behandelt werden sollten, um das Risiko für angeborene Syphilis zu verringern. Besonders Frauen mit sekundärer Syphilis oder hohen TRUST-Werten ((geq 1:8)) benötigen eine schnelle und sorgfältige Behandlung. Ärzte sollten frühzeitig diagnostizieren, standardisierte Behandlungen durchführen und die Patienten engmaschig überwachen, um die besten Ergebnisse zu erzielen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002115