Kann die HPV-Impfung Lupus auslösen?

Kann die HPV-Impfung Lupus auslösen?

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Die Ursachen sind oft unklar. Die HPV-Impfung (Humanes Papillomvirus) schützt vor Gebärmutterhalskrebs und anderen HPV-bedingten Krankheiten. Doch gibt es Berichte, dass die Impfung in seltenen Fällen SLE auslösen kann. Was steckt dahinter?

Zwei Fälle nach der 9-fach-HPV-Impfung

Fall 1

Eine 21-jährige Frau bekam fünf Tage nach der ersten Dosis der 9-fach-HPV-Impfung (HPV9) Schwindel, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Kurz darauf folgten Husten, gelber Auswurf und Brustschmerzen. 18 Tage nach der Impfung wurde sie mit Fieber ins Krankenhaus eingeliefert.

Bluttests zeigten Blutarmut, niedrige weiße Blutkörperchen, niedrige Blutplättchen und Eiweiß im Urin. Ihre Antikörperwerte (ANA und Anti-dsDNA) waren erhöht, was auf eine Autoimmunreaktion hindeutete. Eine Lungenuntersuchung zeigte Entzündungen und Flüssigkeitsansammlungen.

Die Diagnose: SLE und Lungeninfektion. Trotz Behandlung mit Kortison und Antibiotika verschlechterte sich ihr Zustand. Sie entwickelte Nierenprobleme, neurologische Symptome und starb schließlich an multiplem Organversagen.

Fall 2

Eine weitere 21-jährige Frau bekam sechs Tage nach der HPV9-Impfung Fieber. Sie hatte bereits Raynaud-Symptome (Durchblutungsstörungen in den Fingern) und eine Schilddrüsenknoten.

Bluttests bestätigten Blutarmut, niedrige Eiweißwerte und erhöhte Entzündungsmarker. Auch hier waren die Autoantikörper (ANA und Anti-dsDNA) stark erhöht. Eine Nierenbiopsie zeigte Lupusnephritis (Nierenbeteiligung bei Lupus).

Die Diagnose: SLE und Schilddrüsenkrebs. Nach Behandlung mit Kortison und anderen Medikamenten besserte sich ihr Zustand.

Was sagt die Forschung?

Eine Literaturrecherche ergab 12 Fälle von SLE nach HPV-Impfung. Die Symptome traten zwischen 5 Tagen und 4 Monaten nach der Impfung auf. Bei den meisten Patienten gab es eine Vorgeschichte von Autoimmunerkrankungen in der Familie.

Häufige Symptome

  • Hautausschlag (oft „Schmetterlingserythem“ im Gesicht)
  • Gelenkschmerzen
  • Müdigkeit
  • Nierenprobleme
  • Fieber

Laborbefunde

  • Positive Autoantikörper (ANA, Anti-dsDNA)
  • Niedrige Komplementwerte (Entzündungsmarker)
  • Blutarmut oder niedrige Blutplättchen

Warum könnte die Impfung Lupus auslösen?

SLE entsteht durch eine Kombination von genetischen, hormonellen und Umweltfaktoren. Die HPV-Impfung enthält Viruspartikel und Hilfsstoffe (Adjuvantien), die das Immunsystem aktivieren. Bei manchen Menschen könnte dies eine Überreaktion auslösen.

Ein möglicher Mechanismus ist die „molekulare Mimikry“. Dabei ähneln Bestandteile des Impfstoffs körpereigenen Proteinen. Das Immunsystem greift dann versehentlich den eigenen Körper an.

Ist die HPV-Impfung sicher?

Studien zeigen, dass die HPV-Impfung für die meisten Menschen sicher und wirksam ist. Die Häufigkeit von SLE ist bei geimpften und ungeimpften Personen ähnlich. Bei Menschen mit einer Veranlagung für Autoimmunerkrankungen könnte die Impfung jedoch SLE früher auslösen.

Was sollten Sie beachten?

  • Familiengeschichte: Hat jemand in Ihrer Familie Autoimmunerkrankungen?
  • Vorherige Tests: Autoantikörper können vor der Impfung überprüft werden.
  • Beobachtung: Achten Sie nach der Impfung auf ungewöhnliche Symptome.

Fazit

Die HPV-Impfung ist ein wichtiger Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. In seltenen Fällen kann sie bei Menschen mit einer Veranlagung für Autoimmunerkrankungen SLE auslösen. Eine sorgfältige Risikobewertung und Nachbeobachtung sind entscheidend.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001897

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