Zu viel Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft und zu wenig in der Mitte – erhöht das das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes?

Zu viel Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft und zu wenig in der Mitte – erhöht das das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes?

Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes mellitus, GDM) ist eine häufige Komplikation während der Schwangerschaft. Sie kann sowohl für die Mutter als auch für das Kind negative Folgen haben. Die Zahl der Fälle von Schwangerschaftsdiabetes steigt weltweit, auch in China. Studien zeigen, dass die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft (Gestationsgewichtszunahme, GWG) und der Body-Mass-Index (BMI) vor der Schwangerschaft das Risiko für solche Komplikationen beeinflussen können. Doch wann genau in der Schwangerschaft spielt die Gewichtszunahme eine Rolle? Und wie wirkt sie sich auf das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes aus?

Diese Fragen untersuchte eine Studie, die zwischen 2017 und 2020 in Shenzhen, China, durchgeführt wurde. Insgesamt nahmen 51.205 schwangere Frauen teil. Die Studie wurde in zwei Modelle unterteilt: eines für die frühe Schwangerschaft und eines für die mittlere Schwangerschaft. Das Gewicht der Frauen wurde bei jedem Arztbesuch mit einer standardisierten Waage gemessen. Mithilfe von statistischen Analysen wurde das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes bewertet.

Was wurde herausgefunden?

In der frühen Schwangerschaft zeigte sich, dass eine zu geringe Gewichtszunahme (iGWG) das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes um 0,858 Mal verringerte. Eine zu hohe Gewichtszunahme (eGWG) hingegen erhöhte das Risiko um das 1,201-fache. In der mittleren Schwangerschaft stieg das Risiko bei zu geringer Gewichtszunahme um das 1,595-fache. Bei zu hoher Gewichtszunahme gab es keinen signifikanten Unterschied. Die Analyse zeigte auch, dass die Gewichtszunahme in der mittleren Schwangerschaft teilweise die Auswirkungen der Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft vermittelt. Dieser Effekt betrug 14,9 %.

Warum ist das wichtig?

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine zu hohe Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft und eine zu geringe Gewichtszunahme in der mittleren Schwangerschaft das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes erhöhen können. Das bedeutet, dass es wichtig ist, in der frühen Schwangerschaft auf eine kontrollierte Gewichtszunahme zu achten. In der mittleren Schwangerschaft sollte dagegen sichergestellt werden, dass die Frau ausreichend Nährstoffe zu sich nimmt.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Teilnehmerinnen waren schwangere Frauen, die in der Shenzhen Maternity and Child Healthcare Hospital betreut wurden. Neben allgemeinen demografischen und sozioökonomischen Daten wurde das Gewicht der Frauen bei jedem Arztbesuch gemessen. Zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche wurde ein Zuckerbelastungstest (OGTT) durchgeführt, um Schwangerschaftsdiabetes zu diagnostizieren. Die Gewichtszunahme wurde basierend auf dem Gewicht vor der Schwangerschaft und dem Gewicht zu bestimmten Zeitpunkten während der Schwangerschaft berechnet. Die Kategorien „zu gering“, „ausreichend“ und „zu hoch“ wurden nach den Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM) festgelegt.

Was bedeuten diese Ergebnisse für die Praxis?

Eine zu hohe Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft kann die Insulinresistenz erhöhen und die Funktion der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse schwächen. Das kann zu Schwangerschaftsdiabetes führen. Eine zu geringe Gewichtszunahme in der mittleren Schwangerschaft kann dagegen das Risiko für eine eingeschränkte fetale Entwicklung erhöhen. Das wiederum kann die Belastung der Mutter mit Stresshormonen (Glukokortikoide) steigern und das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes erhöhen. Daher ist es wichtig, die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft genau zu überwachen und zu steuern.

Stärken und Schwächen der Studie

Die Studie hat einige Stärken. Dazu gehört die große Anzahl von Teilnehmerinnen und die robusten Daten aus einer Geburtskohortenstudie. Es gibt aber auch Schwächen. Zum Beispiel wurde das Gewicht vor der Schwangerschaft von den Frauen selbst angegeben. Das kann zu Ungenauigkeiten führen. Außerdem wurde die Studie nur in einem Krankenhaus durchgeführt. Das könnte die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Regionen einschränken.

Fazit

Eine zu hohe Gewichtszunahme in der frühen Schwangerschaft und eine zu geringe Gewichtszunahme in der mittleren Schwangerschaft sind mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes verbunden. Es ist wichtig, in der frühen Schwangerschaft auf eine kontrollierte Gewichtszunahme zu achten und in der mittleren Schwangerschaft sicherzustellen, dass die Frau ausreichend Nährstoffe zu sich nimmt. Zukünftige Forschungen sollten die Mechanismen hinter diesen Zusammenhängen untersuchen und prüfen, wie man die Gewichtszunahme während der Schwangerschaft am besten steuern kann.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001972

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