Wiederholte Fehlgeburten: Eine neue Genmutation könnte die Ursache sein
Wiederholte Fehlgeburten (RPL) sind für viele Paare eine schmerzhafte und rätselhafte Erfahrung. Trotz umfangreicher medizinischer Untersuchungen bleibt die Ursache oft ungeklärt. Doch eine neue Studie hat möglicherweise einen wichtigen Hinweis gefunden: eine Mutation im EFTUD2-Gen. Was bedeutet das für betroffene Paare?
Wiederholte Fehlgeburten sind definiert als der Verlust von zwei oder mehr klinisch bestätigten Schwangerschaften. Sie können durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter chromosomale Anomalien, hormonelle Störungen oder anatomische Probleme. Doch in bis zu 50% der Fälle bleibt die Ursache unbekannt. Eine neue Studie hat nun eine mögliche genetische Ursache identifiziert: eine Mutation im EFTUD2-Gen.
Der Fall eines chinesischen Paares
Ein chinesisches Paar, eine 33-jährige Frau und ein 36-jähriger Mann, hatte vier aufeinanderfolgende Fehlgeburten innerhalb der ersten 10 Schwangerschaftswochen. Nach umfangreichen medizinischen Untersuchungen, die keine offensichtlichen Ursachen ergaben, wurde eine genetische Analyse durchgeführt. Dabei wurde eine neue Mutation im EFTUD2-Gen entdeckt.
Was ist das EFTUD2-Gen?
Das EFTUD2-Gen befindet sich auf Chromosom 17 und spielt eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Proteinen, die für die Zellteilung und -entwicklung notwendig sind. Es ist Teil des sogenannten Spleißosoms, das bei der Verarbeitung von genetischer Information (RNA) eine entscheidende Rolle spielt. Mutationen in diesem Gen wurden bisher mit seltenen Syndromen wie der Mandibulofazialen Dysostose in Verbindung gebracht, die durch Gesichtsfehlbildungen und Entwicklungsstörungen gekennzeichnet ist.
Die Entdeckung der Mutation
Bei dem Paar wurde eine sogenannte „De-novo-Mutation“ (eine neue, nicht vererbte Mutation) im EFTUD2-Gen gefunden. Diese Mutation führt zu einem vorzeitigen Stoppsignal in der Proteinproduktion, was zu einem verkürzten und funktionsunfähigen Protein führt. Diese Mutation wurde in den Geweben der fehlgeschlagenen Embryonen nachgewiesen, jedoch nicht im Blut der Eltern. Allerdings wurde die Mutation in 13,5% der Spermien des Mannes gefunden, was auf eine sogenannte „gonadale Mosaikbildung“ hindeutet. Das bedeutet, dass die Mutation nur in einigen Zellen der Keimdrüsen (Hoden oder Eierstöcke) vorhanden ist.
Wie wirkt sich die Mutation aus?
Um die Auswirkungen der Mutation zu verstehen, wurden Experimente mit Zebrafischembryonen durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass die Mutation zu einem Verlust der Genfunktion führt. Embryonen, die mit der mutierten Version des Gens injiziert wurden, zeigten weniger Entwicklungsstörungen und Todesfälle als solche, die mit der normalen Version des Gens behandelt wurden. Dies deutet darauf hin, dass die Mutation die Funktion des EFTUD2-Gens beeinträchtigt und möglicherweise zu Fehlgeburten führt.
Was bedeutet das für betroffene Paare?
Die Entdeckung dieser Mutation bietet eine mögliche Erklärung für wiederholte Fehlgeburten bei einigen Paaren. Für das betroffene Paar in der Studie wurde eine künstliche Befruchtung (IVF) mit genetischer Vorabuntersuchung (PGT) empfohlen, um Embryonen ohne die Mutation auszuwählen. Dies führte zu einer erfolgreichen Schwangerschaft.
Zukunftsperspektiven
Diese Studie zeigt, dass genetische Untersuchungen wie die Ganz-Exom-Sequenzierung (WES) wertvolle Informationen für die Aufklärung ungeklärter Fälle von wiederholten Fehlgeburten liefern können. Weitere Forschungen sind jedoch notwendig, um die Rolle des EFTUD2-Gens in der menschlichen Entwicklung besser zu verstehen.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000001667