Wie verbreitet sind übertragene Medikamentenresistenzmutationen bei HIV-1-Patienten in der Provinz Henan, China?
Trotz der Fortschritte in der Behandlung von HIV-1 bleibt das Virus eine globale Herausforderung. Die antiretrovirale Therapie (ART) hat die Lebenserwartung von HIV-Infizierten deutlich verbessert. Doch sie hat auch ein neues Problem geschaffen: die Resistenz des Virus gegen Medikamente. Besonders besorgniserregend ist die übertragene Medikamentenresistenz (TDR), bei der resistente Viren von einer Person auf eine andere übertragen werden. Wie sieht die Situation in der Provinz Henan, China, aus?
Studie und Methode
Die Studie wurde von Juni 2018 bis Dezember 2021 im Henan Infectious Diseases Hospital durchgeführt. Sie umfasste HIV-1-Patienten, die innerhalb der letzten drei Monate diagnostiziert wurden und noch keine ART erhalten hatten. Von jedem Teilnehmer wurden demografische Daten, medizinische Unterlagen und Blutproben gesammelt. Die Studie wurde von der Ethikkommission des Krankenhauses genehmigt, und alle Teilnehmer gaben ihr schriftliches Einverständnis.
Die Forscher analysierten Teile des HIV-1-Gens (pol-Gen) und das gesamte Integrase-Gen auf Resistenzmutationen (DRMs). Die Daten wurden in der Stanford HIV-1-Datenbank auf Resistenzmutationen und Empfindlichkeit gegenüber Medikamenten überprüft. Die HIV-1-Subtypen wurden mit dem REGA-Tool bestimmt und durch eine stammbaumartige Analyse bestätigt. Die statistische Auswertung erfolgte mit der SPSS-Software.
Demografische und klinische Merkmale
Die Studie umfasste 1228 HIV-1-Patienten mit einem Durchschnittsalter von 35 Jahren. Die meisten Patienten waren männlich (89,33%) und gehörten der Han-Ethnie an (84,53%). Die Mehrheit stammte aus der Provinz Henan (83,06%). Die häufigsten Übertragungswege waren sexuelle Kontakte zwischen Männern (33,06%) und heterosexuelle Kontakte (27,12%). Die durchschnittliche Anzahl der CD4+ T-Zellen (wichtige Immunzellen) betrug 127 Zellen/mL, und die Viruslast lag bei 64.235 Kopien/mL.
HIV-1-Subtypen und stammbaumartige Analyse
Die häufigsten HIV-1-Subtypen waren CRF07_BC (34,77%), CRF01_AE (31,51%) und B (25,65%). Die stammbaumartige Analyse bestätigte diese Ergebnisse und zeigte, dass alle Sequenzen mit Referenzstämmen übereinstimmten.
Verbreitung von übertragenen Medikamentenresistenzmutationen
Die Gesamtverbreitung von TDRMs betrug 2,20% für Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTIs), 17,26% für Nicht-Nukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTIs), 2,77% für Protease-Inhibitoren (PIs) und 1,81% für Integrase-Strand-Transfer-Inhibitoren (INSTIs). Die häufigsten TDRMs waren M184V/I für NRTIs (1,38%), V179DEIT für NNRTIs (10,18%), Q58E für PIs (1,71%) und E157Q für INSTIs (0,97%). Insgesamt zeigten 235 Patienten TDRMs gegen eine Medikamentenklasse, 22 gegen zwei Klassen und 3 gegen drei Klassen.
Bei den einzelnen Medikamenten waren Nevirapin (NVP), Rilpivirin (RPV) und Etravirin am häufigsten von Resistenzmutationen betroffen. Bei den NRTIs lag die Verbreitung von TDRMs, die zu einer niedrigen oder höheren Resistenz führten, bei 1,63% für Abacavir (ABC), 0,57% für Zidovudin (AZT), 1,63% für Lamivudin (3TC) und 0,98% für Tenofovir (TDF). Bei den NNRTIs betrug die Verbreitung von TDRMs 6,03% für NVP und 5,21% für Efavirenz (EFV). Die Gesamtverbreitung von TDRMs für die acht häufigsten Medikamente lag bei 21,17%.
Zeitliche Trends in der Verbreitung von TDRMs
Die Verbreitung von TDRMs war in den Jahren 2019 und 2020 stabil, während sie in den Jahren 2018 und 2021 niedriger war, was wahrscheinlich auf kleinere Stichproben zurückzuführen ist. Die Verbreitung von TDRMs gegen INSTIs war zu gering, um einen zeitlichen Trend zu erkennen.
Diskussion
Die Studie zeigt eine hohe Verbreitung von TDRMs bei HIV-1-Patienten in der Provinz Henan, insbesondere gegen NNRTIs und NRTIs. Die häufigsten TDRMs, wie M184V/I für NRTIs und V179DEIT für NNRTIs, stimmen mit den Ergebnissen aus anderen Regionen überein. Die höhere Verbreitung von TDRMs gegen NNRTIs könnte auf deren häufigen Einsatz in der Erstlinientherapie zurückzuführen sein.
Die Verbreitung von TDRMs gegen häufig verwendete NRTIs wie 3TC, ABC, AZT und TDF sowie NNRTIs wie EFV und NVP unterstreicht die Bedeutung von Resistenztests vor der Behandlung. Die niedrige Verbreitung von TDRMs gegen PIs und INSTIs deutet darauf hin, dass diese Medikamente weiterhin wirksam sind. Allerdings ist eine kontinuierliche Überwachung von INSTI-bezogenen DRMs wichtig, da der Einsatz dieser Medikamente voraussichtlich zunehmen wird.
Fazit
Die Studie liefert wichtige Daten zur Verbreitung von TDRMs bei HIV-1-Patienten in der Provinz Henan, China. Die hohe Verbreitung von TDRMs gegen häufig verwendete NRTIs und NNRTIs zeigt, dass Resistenztests für alle Patienten bei der Aufnahme in die Behandlung notwendig sind. Dies kann die Auswahl wirksamer ART-Regime verbessern und die Behandlungsergebnisse optimieren. Da der Einsatz von INSTIs voraussichtlich zunehmen wird, ist eine kontinuierliche Überwachung von INSTI-bezogenen DRMs entscheidend, um die Wirksamkeit dieser Medikamente zu gewährleisten.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002523