Wie repräsentativ sind Herz-Kreislauf-Studien für Diabetes-Patienten in China?

Wie repräsentativ sind Herz-Kreislauf-Studien für Diabetes-Patienten in China?

Diabetes ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen weltweit. Sie erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich. Um die Sicherheit und Wirksamkeit neuer Diabetes-Medikamente zu überprüfen, werden oft sogenannte randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) durchgeführt. Diese Studien gelten als Goldstandard, haben jedoch eine Schwäche: Sie schließen oft nur eine bestimmte Gruppe von Patienten ein. Dadurch können die Ergebnisse nicht immer auf die reale Welt übertragen werden. Wie sieht es in China aus? Sind die Patienten in chinesischen Krankenhäusern ähnlich wie die Teilnehmer in diesen Studien?

Eine aktuelle Studie hat diese Frage untersucht. Die Forscher verglichen die Daten von Diabetes-Patienten aus einem großen chinesischen Krankenhaus mit den Teilnehmern der EMPA-REG OUTCOME-Studie, einer wichtigen Herz-Kreislauf-Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass nur ein kleiner Teil der chinesischen Patienten den Einschlusskriterien der Studie entsprach. Zudem gab es deutliche Unterschiede in den Merkmalen der Patienten.

Was wurde untersucht?

Die Studie wurde im West China Hospital (WCH) der Sichuan University durchgeführt, einem der größten Krankenhäuser in China. Die Forscher analysierten die elektronischen Krankenakten von Diabetes-Patienten, die zwischen 2011 und 2019 behandelt wurden. Sie untersuchten sowohl stationäre als auch ambulante Patienten. Die Patienten mussten bestimmte Kriterien erfüllen, um in die Studie aufgenommen zu werden. Dazu gehörten unter anderem ein bestimmter Blutzuckerwert (HbA1c) und ein bestimmter Nierenfunktionswert (eGFR).

Die Forscher verglichen diese Patienten mit den Teilnehmern der EMPA-REG OUTCOME-Studie. Diese Studie untersuchte die Herz-Kreislauf-Wirkungen von Empagliflozin, einem Medikament, das den Blutzucker senkt. Die Teilnehmer der EMPA-REG OUTCOME-Studie hatten sowohl Diabetes als auch ein hohes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Wer wurde eingeschlossen?

Insgesamt wurden 48.257 stationäre und 36.857 ambulante Patienten mit Diabetes in die Studie aufgenommen. Davon erfüllten 8.389 stationäre Patienten (17,4 %) und 2.646 ambulante Patienten (7,2 %) die Einschlusskriterien der EMPA-REG OUTCOME-Studie. Im Vergleich zur Studie waren die chinesischen Patienten im Durchschnitt ähnlich alt und hatten ähnliche Blutdruck- und Cholesterinwerte. Es gab jedoch einige Unterschiede.

Was waren die Unterschiede?

Die stationären Patienten, die die Kriterien erfüllten, waren seltener männlich, nahmen seltener Metformin (ein Diabetes-Medikament), Blutdrucksenker oder Aspirin ein und hatten einen niedrigeren Body-Mass-Index (BMI). Bei den ambulanten Patienten gab es ähnliche Unterschiede. Sie waren ebenfalls seltener männlich, nahmen seltener Metformin, Insulin, Blutdrucksenker oder Aspirin ein.

Warum sind diese Unterschiede wichtig?

Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer der EMPA-REG OUTCOME-Studie nur einen kleinen Teil der Diabetes-Patienten in einem chinesischen Krankenhaus repräsentieren. Die Patienten im Krankenhaus hatten andere Merkmale als die Teilnehmer der Studie. Dies deutet darauf hin, dass die Ergebnisse der Studie nicht ohne Weiteres auf die chinesische Bevölkerung übertragen werden können.

Ein Grund für die Unterschiede ist, dass die EMPA-REG OUTCOME-Studie nur Patienten mit Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einschloss. Diese Gruppe ist in chinesischen Krankenhäusern jedoch in der Minderheit. Zudem gibt es ethnische Unterschiede. Chinesische Patienten mit Diabetes haben im Durchschnitt einen niedrigeren BMI als Patienten aus anderen Ländern. Auch Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Nierenerkrankungen waren bei den chinesischen Patienten seltener.

Was bedeutet das für die Praxis?

Die Studie zeigt, dass die Ergebnisse von Herz-Kreislauf-Studien nicht immer auf die reale Welt übertragbar sind. Dies gilt insbesondere für China, wo die Patienten andere Merkmale haben als die Teilnehmer in internationalen Studien. Es ist daher wichtig, die Ergebnisse solcher Studien in der chinesischen Bevölkerung zu überprüfen, bevor sie in der klinischen Praxis angewendet werden.

Die Studie hat einige Stärken. Sie umfasste eine große Anzahl von Patienten und verwendete umfassende medizinische Daten. Die Forscher entwickelten auch sogenannte minimal klinisch wichtige Unterschiede (MCIDs), um die Unterschiede zwischen den Patienten im Krankenhaus und den Teilnehmern der Studie besser zu verstehen. Dies erhöht die Zuverlässigkeit der Ergebnisse.

Es gibt jedoch auch Einschränkungen. Die Studie wurde nur in einem Krankenhaus durchgeführt, was die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Krankenhäuser in China einschränken könnte. Zudem basierte die Studie auf retrospektiven Daten aus elektronischen Krankenakten. Dies bedeutet, dass die Einschlusskriterien der EMPA-REG OUTCOME-Studie nicht vollständig nachgebildet werden konnten. Dies könnte dazu geführt haben, dass der Anteil der berechtigten Patienten leicht überschätzt wurde.

Fazit

Die Studie zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Diabetes-Patienten in einem chinesischen Krankenhaus die Einschlusskriterien der EMPA-REG OUTCOME-Studie erfüllt. Die Patienten im Krankenhaus hatten andere Merkmale als die Teilnehmer der Studie. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, die Ergebnisse von Herz-Kreislauf-Studien in der chinesischen Bevölkerung zu überprüfen, bevor sie in der klinischen Praxis angewendet werden.

For educational purposes only.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001407

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