Wie können wir das Rückfallrisiko bei Brustkrebs im Frühstadium besser vorhersagen?
Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen weltweit. Jedes Jahr erhalten Tausende von Frauen diese Diagnose. Die gute Nachricht: Dank neuer Therapien und Fortschritte in der Medizin haben sich die Überlebenschancen in den letzten Jahren deutlich verbessert. Doch eine Frage bleibt: Wie können wir das Rückfallrisiko bei bestimmten Formen von Brustkrebs genauer vorhersagen? Eine aktuelle Studie hat sich genau mit diesem Thema beschäftigt.
Was ist HER2-niedriger Brustkrebs?
Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Es gibt verschiedene Unterarten, die sich in ihrem Verhalten und ihrer Behandlung unterscheiden. Eine dieser Unterarten ist der sogenannte HER2-niedrige Brustkrebs. HER2 steht für „Humaner epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor 2“ (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2). Dieser Rezeptor spielt eine wichtige Rolle beim Wachstum von Krebszellen. Bei HER2-niedrigem Brustkrebs ist dieser Rezeptor zwar vorhanden, aber nicht so stark ausgeprägt wie bei anderen Formen.
Warum ist HER2-niedriger Brustkrebs wichtig?
In den letzten Jahren haben sich neue Therapien, sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (Antibody-Drug Conjugates, ADCs), als vielversprechend erwiesen. Diese Therapien zielen speziell auf HER2-positive Krebszellen ab. Doch auch bei HER2-niedrigem Brustkrebs könnten diese Therapien eine Rolle spielen. Daher ist es wichtig, mehr über diese Unterart zu erfahren.
Was hat die Studie untersucht?
Die Studie hat sich auf Frauen mit HER2-niedrigem Brustkrebs im Frühstadium konzentriert, bei denen die Hormonrezeptoren (HR) positiv waren. Das bedeutet, dass die Krebszellen auf Hormone wie Östrogen und Progesteron reagieren. Die Forscher wollten herausfinden, welche Merkmale diese Krebsart hat und wie man das Rückfallrisiko besser vorhersagen kann.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie umfasste Patientinnen aus 29 Krankenhäusern in China, die zwischen Januar 2015 und Dezember 2016 diagnostiziert wurden. Insgesamt wurden 25.096 Frauen mit Brustkrebs untersucht, von denen 6.486 die Kriterien für HER2-niedrigen Brustkrebs erfüllten. Die meisten dieser Frauen (86,79 %) hatten auch positive Hormonrezeptoren.
Was sind die wichtigsten Ergebnisse?
Die Studie zeigte, dass Frauen mit HER2-niedrigem und HR-positivem Brustkrebs eine bessere Prognose hatten als Frauen mit HR-negativem Brustkrebs. Nach fünf Jahren waren 92,7 % der HR-positiven Frauen krankheitsfrei, während es bei den HR-negativen Frauen nur 88,9 % waren. Auch die Überlebensrate war in der HR-positiven Gruppe höher (97,7 % gegenüber 95,1 %).
Welche Faktoren beeinflussen das Rückfallrisiko?
Die Forscher untersuchten verschiedene Faktoren, die das Rückfallrisiko beeinflussen könnten. Dazu gehörten das Alter der Patientinnen, die Größe des Tumors (T-Stadium), ob Lymphknoten befallen waren (N-Stadium), der Ki-67-Index (ein Maß für die Zellteilungsrate) und das Stadium der Krebserkrankung (TNM-Stadium). Die Analyse zeigte, dass das N-Stadium, das Vorhandensein von Lymphgefäßthrombosen, der Ki-67-Index und das Prognosestadium unabhängige Faktoren für das Rückfallrisiko waren.
Wie kann das Rückfallrisiko vorhergesagt werden?
Um das Rückfallrisiko genauer vorhersagen zu können, entwickelten die Forscher ein Modell mithilfe von maschinellen Lernmethoden. Dabei wurden Daten von 1.612 Patientinnen verwendet, um das Modell zu trainieren und zu testen. Fünf verschiedene Algorithmen wurden verglichen, und das Modell, das auf dem sogenannten „Random Forest“-Algorithmus basierte, zeigte die besten Ergebnisse. Dieses Modell konnte das Rückfallrisiko mit einer Genauigkeit von 84,2 % vorhersagen.
Was bedeutet das für die Praxis?
Die Ergebnisse dieser Studie haben wichtige Auswirkungen auf die Behandlung von Brustkrebs. Erstens zeigt die hohe Prävalenz von HR-positivem Brustkrebs bei HER2-niedrigen Patientinnen, wie wichtig eine Hormontherapie ist. Zweitens können die identifizierten Risikofaktoren helfen, die Behandlung besser auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen abzustimmen. Drittens bietet das entwickelte Modell eine praktische Möglichkeit, das Rückfallrisiko genauer einzuschätzen und die Therapie entsprechend anzupassen.
Was sind die nächsten Schritte?
Obwohl die Ergebnisse vielversprechend sind, ist weitere Forschung notwendig. Das Modell muss in anderen Bevölkerungsgruppen getestet werden, um sicherzustellen, dass es allgemein anwendbar ist. Außerdem sollten neue Therapieansätze für HER2-niedrigen Brustkrebs erforscht werden.
Fazit
Diese Studie liefert wertvolle Einblicke in die Merkmale und Prognosefaktoren von HER2-niedrigem Brustkrebs im Frühstadium. Die Entwicklung eines Rückfallrisiko-Vorhersagemodells ist ein wichtiger Schritt hin zu einer personalisierten Medizin. Indem diese Erkenntnisse in die klinische Praxis integriert werden, können Ärzte die Behandlungsergebnisse verbessern und Ressourcen effizienter einsetzen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002831