Wie können Schmerzen und Unruhe bei schweren COVID-19-Patienten gelindert werden?
Die COVID-19-Pandemie hat weltweit immense Herausforderungen für die Gesundheitssysteme mit sich gebracht. Besonders schwer erkrankte Patienten leiden nicht nur unter den direkten Auswirkungen des Virus, sondern auch unter Schmerzen, Angst und Schlafstörungen. Diese Symptome können den Heilungsprozess verzögern und die Prognose verschlechtern. Doch wie können Ärzte und Pflegekräfte diese Probleme effektiv angehen?
Schmerzen erkennen und behandeln
Schmerzen sind bei schweren COVID-19-Patienten häufig. Sie können durch die Krankheit selbst, aber auch durch medizinische Eingriffe wie Beatmung oder Blutentnahmen entstehen. Um Schmerzen zu messen, gibt es spezielle Skalen. Bei Patienten, die sprechen können, wird oft die Numeric Rating Scale (NRS) verwendet. Bei beatmeten Patienten, die nicht kommunizieren können, kommt die Critical-Care Pain Observation Tool (CPOT) zum Einsatz.
Neben Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Methoden helfen. Dazu gehören zum Beispiel Entspannungstechniken oder sanfte Massagen. Als Medikamente werden oft Opioide (starke Schmerzmittel) eingesetzt. Alternativ können auch andere Schmerzmittel wie Dexmedetomidin oder nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) verwendet werden. Die Wahl der Behandlung sollte immer individuell auf den Patienten abgestimmt sein.
Unruhe und Angst beruhigen
Viele COVID-19-Patienten im Krankenhaus sind unruhig oder ängstlich. Um dies zu bewerten, nutzen Ärzte die Richmond Agitation-Sedation Scale (RASS). Diese Skala hilft, den Grad der Beruhigung zu bestimmen. Bei Patienten, die mit einer Nasenbrille oder einer nicht-invasiven Beatmung behandelt werden, sollte der RASS-Wert zwischen -1 und 0 liegen. Bei einer invasiven Beatmung liegt der Zielwert meist zwischen -2 und 0.
In bestimmten Situationen, wie bei starker Unruhe oder Problemen mit der Beatmung, kann eine tiefe Sedierung (RASS -4 bis -5) notwendig sein. Diese sollte jedoch nur kurzzeitig angewendet werden. Bei langfristiger Sedierung ist es wichtig, regelmäßige Unterbrechungen vorzunehmen, um die Nebenwirkungen zu minimieren.
Delirium verhindern und behandeln
Ein Delirium ist eine häufige Komplikation bei schweren COVID-19-Patienten. Es äußert sich durch Verwirrtheit, Halluzinationen und Unruhe. Um das Risiko zu erkennen, sollten Patienten bei der Aufnahme und während des gesamten Krankenhausaufenthalts regelmäßig untersucht werden. Einfache Screening-Tools können dabei helfen.
Die Behandlung eines Deliriums sollte zunächst ohne Medikamente erfolgen. Dazu gehören Maßnahmen wie eine ruhige Umgebung, regelmäßige Orientierungshilfen und die Förderung von Schlaf. Medikamente wie Haloperidol sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.
Schlafstörungen managen
Schlaf ist entscheidend für die Genesung. Viele COVID-19-Patienten leiden jedoch unter Schlafstörungen. Um dies zu bewerten, kann bei Patienten, die dazu in der Lage sind, der Richards-Campbell Sleep Questionnaire (RCSQ) verwendet werden. Bei beatmeten Patienten kann die Tiefe der Sedierung mit dem Bispectral Index (BIS) gemessen werden.
Ein umfassender Ansatz zur Schlafförderung umfasst nicht nur Medikamente wie Melatonin oder Dexmedetomidin, sondern auch nicht-medikamentöse Maßnahmen. Dazu gehören eine angenehme Umgebung, Entspannungstechniken und kognitive Verhaltenstherapie.
Palliativmedizin bei COVID-19
Für Patienten, bei denen eine Heilung nicht mehr möglich ist, spielt die Palliativmedizin eine wichtige Rolle. Ihr Ziel ist es, Symptome wie Schmerzen, Atemnot oder Angst zu lindern. Psychologische Unterstützung ist dabei ein wesentlicher Bestandteil.
Fazit
Schmerzen, Unruhe, Delirium und Schlafstörungen sind häufige Probleme bei schweren COVID-19-Patienten. Sie können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen. Die hier vorgestellten Empfehlungen sollen Ärzten und Pflegekräften helfen, diese Symptome effektiv zu behandeln und so die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001034