Wie kann man vor der Operation erkennen, ob ein Nierenkrebs den Venenwand angreift?
Nierenkrebs (Renalzellkarzinom, RCC) ist eine Krebsart, die oft in die Venen eindringt. Dies führt zur Bildung eines Blutgerinnsels (Tumorthrombus) in den Venen. Bei etwa 4%–10% der Patienten mit Nierenkrebs kommt es zu einem solchen Tumorthrombus. In 1%–3% der Fälle breitet sich dieser sogar in die große Hohlvene (Inferior Vena Cava, IVC) oder das rechte Herzvorhof aus. Die Behandlung besteht meist aus einer Operation, bei der die Niere und der Tumorthrombus entfernt werden. Doch eine der größten Herausforderungen für Chirurgen ist die Frage: Hat der Tumorthrombus die Wand der großen Hohlvene bereits angegriffen? Wenn ja, muss ein Teil der Vene entfernt werden.
Eine aktuelle Studie hat untersucht, ob man mithilfe von Bildgebungsverfahren wie CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) vor der Operation erkennen kann, ob die Venenwand betroffen ist. Dies könnte die Planung der Operation erheblich verbessern und Risiken minimieren.
Die Studie: Wer wurde untersucht und wie?
Die Studie umfasste 110 Patienten mit Nierenkrebs und einem Tumorthrombus in der großen Hohlvene. Die Patienten wurden zwischen Mai 2015 und März 2018 in der Peking University Third Hospital behandelt. Patienten, bei denen der Thrombus nur in der Nierenvene (Level 0) lag (n=51) oder deren Daten unvollständig waren (n=7), wurden ausgeschlossen.
Vor der Operation wurden bei 87 Patienten CT-Scans und bei 23 Patienten MRT-Scans durchgeführt. Diese Bilder wurden von Radiologen ausgewertet, die nicht wussten, welche Patienten später eine Venenentfernung benötigten. Untersucht wurden Merkmale wie die Ausdehnung des Thrombus, die Größe des Tumors, die Dicke der Nierenvene und der großen Hohlvene, ob die Vene durch den Thrombus blockiert war, und ob die Oberfläche des Thrombus glatt oder unregelmäßig war.
Was wurde gefunden?
Von den 110 Patienten benötigten 41 (37%) eine Entfernung eines Teils der großen Hohlvene (20 partielle, 21 segmentale Entfernungen). Bei diesen Patienten waren einige Merkmale in den Bildern häufiger zu sehen:
- Größere Dicke des Tumorthrombus: Bei Patienten, die eine Venenentfernung benötigten, war der Tumorthrombus an der Stelle, wo er in die große Hohlvene eintrat, dicker (24,6 mm vs. 19,3 mm).
- Größere Dicke der Nierenvene: Auch die Nierenvene war an dieser Stelle dicker (17,4 mm vs. 15,5 mm).
- Blockade der großen Hohlvene: Bei 61% der Patienten, die eine Venenentfernung benötigten, war die Vene komplett blockiert, im Vergleich zu 22% bei den anderen Patienten.
- Ausdehnung des Thrombus: Bei Patienten mit einer Venenentfernung war der Thrombus häufiger in höheren Bereichen der großen Hohlvene (Level II–IV) zu finden.
Welche Faktoren sagen eine Venenentfernung voraus?
Die Forscher identifizierten vier Merkmale, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit für eine Venenentfernung verbunden waren:
- Ausdehnung des Thrombus: Je höher der Thrombus in der großen Hohlvene liegt, desto höher das Risiko.
- Dicke der Nierenvene: Eine dickere Nierenvene deutet auf ein höheres Risiko hin.
- Dicke des Tumorthrombus: Ein dickerer Tumorthrombus erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Venenentfernung.
- Blockade der großen Hohlvene: Eine komplett blockierte Vene ist ein starker Hinweis auf eine Venenwandinvasion.
In einer weiteren Analyse blieben zwei Merkmale als unabhängige Vorhersagefaktoren übrig:
- Dicke des Tumorthrombus >17,0 mm: Ein Tumorthrombus, der dicker als 17,0 mm ist, erhöht das Risiko erheblich.
- Blockade der großen Hohlvene: Eine komplett blockierte Vene verdreifacht das Risiko.
Was bedeutet das für die Praxis?
Diese Ergebnisse zeigen, dass Bildgebungsverfahren wie CT oder MRT wichtige Hinweise liefern können, ob eine Venenentfernung notwendig ist. Ein dickerer Tumorthrombus (>17,0 mm) deutet darauf hin, dass der Thrombus die Venenwand möglicherweise bereits angegriffen hat. Eine blockierte Vene zeigt, dass der Thrombus bereits stark gewachsen ist und den Blutfluss behindert.
Für Chirurgen ist diese Information wertvoll. Sie können die Operation besser planen und beispielsweise Spezialisten wie Gefäßchirurgen hinzuziehen oder sich auf den Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine vorbereiten. Bei rechtsseitigen Tumoren reicht oft die Entfernung eines Teils der Vene aus, da das Blut über die linke Nierenvene abfließen kann. Bei linksseitigen Tumoren kann jedoch eine Rekonstruktion der Vene notwendig sein, um den Blutfluss zur rechten Niere zu erhalten.
Grenzen der Studie und zukünftige Forschung
Die Studie hat einige Einschränkungen. Sie wurde nur in einem Krankenhaus durchgeführt, und die Ergebnisse basieren auf makroskopischen Befunden während der Operation. Es wurde nicht untersucht, ob die Venenwand mikroskopisch bereits angegriffen war. Zudem gab es Unterschiede in den verwendeten CT- und MRT-Geräten, was die Vergleichbarkeit erschwert.
Zukünftige Studien sollten diese Vorhersagefaktoren in mehreren Krankenhäusern überprüfen und untersuchen, wie gut sie mit mikroskopischen Befunden übereinstimmen.
Fazit
Die Messung der Dicke des Tumorthrombus (>17,0 mm) und die Beurteilung, ob die große Hohlvene blockiert ist, sind wichtige Werkzeuge, um vor der Operation das Risiko einer Venenwandinvasion abzuschätzen. Diese Informationen helfen Chirurgen, die Operation besser zu planen und die Sicherheit der Patienten zu erhöhen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000828