Wie kann man das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bei ARVC-Patienten besser vorhersagen?
Arrhythmogene rechtsventrikuläre Kardiomyopathie (ARVC) ist eine seltene, aber ernste Herzerkrankung, die besonders junge Menschen und Sportler betreffen kann. Sie führt zu einer Schwächung der rechten Herzkammer und kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auslösen. Die größte Herausforderung für Ärzte ist es, das Risiko für plötzlichen Herztod bei diesen Patienten genau einzuschätzen. Eine neue Studie zeigt, dass die Kombination zweier Tests – Mikrovolt-T-Wellen-Alternans (MTWA) und elektrophysiologische Untersuchungen (EPS) – dabei helfen kann.
Was ist ARVC und warum ist sie so gefährlich?
ARVC ist eine vererbte Erkrankung, bei der sich das Muskelgewebe der rechten Herzkammer in Fett- und Bindegewebe umwandelt. Dies führt dazu, dass das Herz nicht mehr richtig pumpen kann. Besonders gefährlich sind die dadurch ausgelösten Herzrhythmusstörungen, die ohne Vorwarnung auftreten können. Bei bis zu 20 % der Menschen, die einen plötzlichen Herztod erleiden, wird ARVC als Ursache festgestellt. Bei Sportlern ist dieser Anteil sogar noch höher.
Die einzige wirksame Methode, um den plötzlichen Herztod zu verhindern, ist die Implantation eines implantierbaren Kardioverter-Defibrillators (ICD). Dieser kann lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen erkennen und durch einen elektrischen Schock stoppen. Allerdings ist es schwierig, genau zu bestimmen, welche Patienten ein so hohes Risiko haben, dass sie von einem ICD profitieren würden.
Wie können MTWA und EPS helfen?
MTWA ist ein nicht-invasiver Test, der die winzigen Veränderungen in der T-Welle des EKGs misst. Die T-Welle zeigt die Erholungsphase des Herzens nach einem Schlag an. Wenn diese von Schlag zu Schlag variiert, kann das ein Zeichen für ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen sein. Die elektrophysiologische Untersuchung (EPS) hingegen ist ein invasiver Test, bei dem gezielt Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden, um zu sehen, wie das Herz darauf reagiert.
Eine Studie aus China hat untersucht, ob die Kombination dieser beiden Tests das Risiko für lebensbedrohliche Ereignisse bei ARVC-Patienten mit erhaltener Pumpfunktion der linken Herzkammer besser vorhersagen kann.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie wurde zwischen 2007 und 2008 an der Ersten Affiliierten Krankenhaus der Nanjing Medical University durchgeführt. Es wurden 35 Patienten mit ARVC eingeschlossen, deren linke Herzkammer noch normal funktionierte. Alle Patienten wurden sowohl mit MTWA als auch mit EPS untersucht. Der MTWA-Test wurde während eines Belastungstests auf dem Laufband durchgeführt, während die EPS gezielt Herzrhythmusstörungen auslöste.
Die Patienten wurden über einen medianen Zeitraum von fast 100 Monaten nachbeobachtet. Dabei wurde das Auftreten von plötzlichem Herztod, anhaltenden Herzrhythmusstörungen oder ICD-Therapien dokumentiert.
Was waren die Ergebnisse?
Während der Nachbeobachtungszeit erlitten 15 Patienten ein lebensbedrohliches Ereignis. Die Analyse zeigte, dass sowohl ein positiver EPS-Test (induzierbare Herzrhythmusstörungen) als auch ein hoher MTWA-Wert (MaxValt >23,5 mV) unabhängig voneinander das Risiko für solche Ereignisse vorhersagen konnten.
Die Kombination beider Tests verbesserte die Vorhersagekraft deutlich. Patienten, bei denen sowohl der MTWA-Wert hoch war als auch Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden konnten, hatten das höchste Risiko. Im Gegensatz dazu hatten Patienten mit niedrigem MTWA-Wert und negativem EPS-Test das geringste Risiko.
Warum sind diese Ergebnisse wichtig?
Die Studie zeigt, dass die Kombination von MTWA und EPS eine bessere Risikoeinschätzung bei ARVC-Patienten ermöglicht. Dies könnte helfen, die Entscheidung für oder gegen eine ICD-Implantation gezielter zu treffen. Patienten mit hohem Risiko könnten von einem ICD profitieren, während bei Patienten mit niedrigem Risiko möglicherweise darauf verzichtet werden könnte.
Was sind die Grenzen der Studie?
Trotz der langen Nachbeobachtungszeit gibt es einige Einschränkungen. Die Anzahl der Patienten war relativ klein, und alle stammten aus einem einzigen Zentrum. Außerdem wurde bei einigen Patienten kein ICD implantiert, was die Ergebnisse beeinflusst haben könnte. Die Methode zur Auswertung des MTWA-Tests wurde leicht abgeändert, was die Genauigkeit der Ergebnisse möglicherweise verringert hat.
Fazit
Die Kombination von MTWA und EPS kann das Risiko für lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bei ARVC-Patienten mit erhaltener Pumpfunktion der linken Herzkammer besser vorhersagen. Ein hoher MTWA-Wert und induzierbare Herzrhythmusstörungen sind unabhängige Risikofaktoren. Diese Ergebnisse könnten dazu beitragen, die Behandlung von ARVC-Patienten zu optimieren und unnötige ICD-Implantationen zu vermeiden.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000239