Wie kann eine Kombinationstherapie bei fortgeschrittenem Lungenkrebs helfen?

Wie kann eine Kombinationstherapie bei fortgeschrittenem Lungenkrebs helfen?

Lungenkrebs, insbesondere der nicht-kleinzellige Typ (NSCLC), ist eine der häufigsten und gefährlichsten Krebsarten weltweit. Viele Patienten entwickeln im Laufe der Behandlung Resistenzen gegen gezielte Therapien, was die Behandlung erschwert. Dieser Fallbericht zeigt, wie eine Kombination aus zwei Medikamenten – Crizotinib und Erlotinib – bei einem schwer kranken Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und einer speziellen Resistenzform erfolgreich eingesetzt wurde.

Ein kritischer Fall: Vom ersten Symptom zur Diagnose
Im Oktober 2018 wurde ein 59-jähriger chinesischer Mann mit starkem Husten und Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert. Bildgebende Verfahren zeigten einen 4,0 cm großen Tumor im rechten Lungenflügel sowie Knochenmetastasen. Eine Gewebeprobe bestätigte die Diagnose: fortgeschrittener Lungenkrebs (Stadium IVB) mit einer speziellen Mutation im EGFR-Gen (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor). Diese Mutation, bekannt als L858R, ist ein häufiger Treiber von Lungenkrebs.

Erste Behandlung und erste Rückschläge
Der Patient wurde mit Icotinib, einem Medikament, das gezielt die EGFR-Mutation hemmt, behandelt. Nach fünf Monaten zeigte sich eine Verbesserung, doch nach neun Monaten schritt der Krebs erneut fort. Neue Untersuchungen ergaben, dass die ursprüngliche Mutation weniger stark ausgeprägt war und keine weitere Mutation (T790M), die oft für Resistenzen verantwortlich ist, nachgewiesen werden konnte. Der Patient lehnte eine Chemotherapie ab, und stattdessen wurde Osimertinib, ein stärkeres Medikament gegen EGFR-Mutationen, eingesetzt. Leider verschlechterte sich der Zustand des Patienten bereits nach einem Monat.

Die Suche nach einer Lösung
Nachdem auch eine Chemotherapie nur vorübergehend half, verschlechterte sich der Gesundheitszustand des Patienten weiter. Eine Blutuntersuchung zeigte nun eine verstärkte Aktivität des MET-Gens (ein weiteres krebsförderndes Gen) und eine erneute Zunahme der EGFR-Mutation. Aufgrund des kritischen Zustands des Patienten war eine erneute Gewebeprobe nicht möglich, aber die Blutuntersuchung deutete auf eine MET-Amplifikation (Vermehrung des MET-Gens) hin.

Eine neue Strategie: Kombinationstherapie
Die Ärzte entschieden sich für eine Kombination aus Crizotinib, einem Medikament, das MET hemmt, und Erlotinib, einem weiteren EGFR-Hemmer. Diese Kombination führte zu einer deutlichen Verbesserung: Der Tumor verkleinerte sich um 51 %, und der Patient erholte sich körperlich. Symptome wie Husten, Atemnot und Appetitlosigkeit besserten sich. Die Behandlung wurde gut vertragen, und der Krebs blieb für zwei Monate stabil.

Warum ist MET-Amplifikation ein Problem?
MET ist ein Gen, das bei der Entstehung und Ausbreitung von Krebs eine wichtige Rolle spielt. Wenn dieses Gen vermehrt vorliegt (Amplifikation), kann es die Wirkung von EGFR-Hemmern umgehen und so zur Resistenz beitragen. Studien zeigen, dass Patienten mit MET-Amplifikation nach Osimertinib-Resistenz kürzere Überlebenszeiten haben. Daher ist es entscheidend, sowohl EGFR als auch MET gleichzeitig zu hemmen, um die Resistenz zu überwinden.

Was bedeutet das für die Zukunft?
Dieser Fall zeigt, dass eine Kombinationstherapie auch bei schwer kranken Patienten erfolgreich sein kann. Wiederholte genetische Untersuchungen sind entscheidend, um die genauen Resistenzmechanismen zu identifizieren und die Behandlung individuell anzupassen. Obwohl weitere Studien mit größeren Patientengruppen nötig sind, bietet diese Strategie Hoffnung für Patienten mit fortgeschrittenem NSCLC und MET-Amplifikation.

Fazit
Die Kombination von Crizotinib und Erlotinib könnte eine vielversprechende Option für Patienten mit MET-Amplifikation nach Osimertinib-Resistenz sein. Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung personalisierter Therapien und zeigt, dass auch kritisch kranke Patienten von gezielten Behandlungen profitieren können.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001184

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