Wie kann der sPESI das Risiko erneuter Blutgerinnsel vorhersagen?

Wie kann der vereinfachte Schweregradindex für Lungenembolie das Risiko erneuter Blutgerinnsel vorhersagen?

Lungenembolie (PE) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die das Risiko für wiederkehrende Blutgerinnsel (VTE) deutlich erhöht. Diese erneuten Blutgerinnsel können tödlich enden. Obwohl eine längere Behandlung mit Blutverdünnern das Risiko verringert, steigt gleichzeitig die Gefahr von Blutungen. Daher ist es entscheidend, das Risiko genau einzuschätzen, um Nutzen und Risiken der Behandlung abzuwägen. Bisher stammen die meisten Erkenntnisse über Risikofaktoren für erneute Blutgerinnsel, wie männliches Geschlecht, höheres Alter, Blutgerinnungsstörungen, Übergewicht, anhaltend erhöhte D-Dimer-Werte und verbleibende Blutgerinnsel, vor allem aus nicht-asiatischen Bevölkerungsgruppen. Daten speziell für chinesische und asiatische Patienten sind jedoch begrenzt. Diese Studie untersuchte, wie häufig erneute Blutgerinnsel bei chinesischen Patienten mit akuter PE auftreten und ob der vereinfachte Schweregradindex für Lungenembolie (sPESI) dabei helfen kann, das Risiko vorherzusagen.

Studie und Patienten

Zwischen Januar 2014 und Dezember 2017 wurden 836 Patienten mit akuter PE im West China Hospital der Sichuan Universität untersucht. Nach dem Ausschluss von Patienten mit früheren Blutgerinnseln oder unvollständigen Daten blieben 710 Patienten übrig. Der sPESI-Wert wurde bei der Diagnose berechnet, wobei jeweils ein Punkt für folgende Kriterien vergeben wurde: Alter über 80 Jahre, Krebserkrankung, chronische Herzschwäche, chronische Lungenerkrankung, Herzfrequenz über 110 Schläge pro Minute oder systolischer Blutdruck unter 100 mmHg. Patienten mit einem Wert von ≥1 galten als Hochrisiko, solche mit 0 als Niedrigrisiko. Die Nachuntersuchungen fanden nach 3, 6, 9, 12, 18 und 24 Monaten statt, wobei erneute Blutgerinnsel durch klinische Untersuchungen und Bildgebung festgestellt wurden.

Wichtige Ergebnisse

Innerhalb von 24 Monaten erlitten 53 Patienten (7,5%) erneut Blutgerinnsel. Die Häufigkeit lag bei 3,5 % nach 3 Monaten (95 % KI: 2,2 %–4,9 %), 4,5 % nach 6 Monaten (3,0 %–6,1 %), 6,4 % nach 12 Monaten (4,6 %–8,2 %) und 7,5 % nach 24 Monaten (5,6 %–9,5 %). Patienten mit erneuten Blutgerinnseln hatten deutlich höhere sPESI-Werte (Median: 1 [IQR: 1–2] vs. 1 [IQR: 0–1], P = 0,001).

In der Einzelanalyse wurden nephrotisches Syndrom (23,8 % vs. 7,0 % Rückfallrate, P = 0,002), Krebs, chronische Herzschwäche, chronische Lungenerkrankung, hohes sPESI-Risiko und unzureichende Blutverdünnung als Faktoren für erneute Blutgerinnsel identifiziert. In der multivariablen Analyse blieben nephrotisches Syndrom (HR: 4,32; 95 % KI: 1,71–10,91; P = 0,002) und hohes sPESI-Risiko (HR: 2,41; 95 % KI: 1,31–4,46; P = 0,005) unabhängige Vorhersagefaktoren.

sPESI als Vorhersagewert für erneute Blutgerinnsel

Der sPESI, ursprünglich zur Einschätzung des Sterberisikos bei akuter PE entwickelt, zeigte auch bei der Vorhersage von erneuten Blutgerinnseln über längere Zeiträume eine gute Aussagekraft. Patienten mit hohem sPESI-Risiko hatten eine Rückfallrate von 9,9 % nach 2 Jahren im Vergleich zu 4,4 % bei Niedrigrisiko-Patienten (P = 0,006) (Abbildung 1A). Dies könnte daran liegen, dass die sPESI-Kriterien wie Krebs, chronische Herz- oder Lungenerkrankungen und höheres Alter auf zugrunde liegende Probleme hinweisen, die das Blutgerinnselrisiko erhöhen oder die Auflösung von Gerinnseln behindern. Zudem könnten höhere sPESI-Werte auf eine größere Gerinnselmenge oder verbleibende Blutgerinnsel hinweisen, die das Rückfallrisiko steigern. Diese Ergebnisse decken sich mit früheren Studien, die zeigen, dass Schweregradindizes wie das Modell der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) von 2008 ebenfalls Rückfälle vorhersagen können.

Nephrotisches Syndrom und frühes Rückfallrisiko

Das nephrotische Syndrom erwies sich als starker unabhängiger Vorhersagefaktor für erneute Blutgerinnsel (23,8 % vs. 7,0 % nach 24 Monaten; P = 0,002), wobei die meisten Fälle innerhalb der ersten 3 Monate auftraten (Abbildung 1B). Die erhöhte Blutgerinnungsneigung bei nephrotischem Syndrom entsteht durch den Verlust von gerinnungshemmenden Proteinen (Antithrombin III, Protein C/S) im Urin und die gesteigerte Produktion von gerinnungsfördernden Substanzen wie Fibrinogen in der Leber. Eine gleichzeitige Behandlung mit Kortikosteroiden in der frühen Krankheitsphase könnte das Risiko weiter erhöhen. Trotz Standardbehandlung mit Blutverdünnern zeigten diese Patienten eine hohe Rückfallrate, was auf eine intensivierte Überwachung und möglicherweise längere oder aggressivere Behandlungen hinweist.

Klinische Bedeutung und zukünftige Forschung

Diese Studie zeigt, dass der sPESI nicht nur für die akute Behandlung, sondern auch für die langfristige Risikoeinschätzung von erneuten Blutgerinnseln nützlich ist. Patienten mit hohem sPESI-Risiko könnten von einer längeren Blutverdünnung profitieren, während Niedrigrisiko-Patienten unnötige Blutungsrisiken vermeiden könnten. Bei Patienten mit nephrotischem Syndrom ist besonders in den ersten Monaten nach der PE eine engmaschige Überwachung erforderlich.

Einschränkungen der Studie sind das Design mit nur einem Zentrum und das Fehlen von Daten zu verbleibenden Blutgerinnseln oder D-Dimer-Dynamiken, die die Vorhersage verbessern könnten. Zukünftige Studien mit mehreren Zentren sollten diese Ergebnisse bestätigen und die Mechanismen untersuchen, die die sPESI-Kriterien mit Rückfällen verbinden.

Fazit

Bei chinesischen Patienten mit akuter PE sind ein hohes sPESI-Risiko und das nephrotische Syndrom unabhängige Vorhersagefaktoren für erneute Blutgerinnsel. Die Integration des sPESI in die Nachsorge könnte die Dauer der Blutverdünnung optimieren, während das nephrotische Syndrom eine frühzeitige und aggressive Behandlung erfordert. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit von maßgeschneiderten Strategien, um das Gleichgewicht zwischen Thrombose- und Blutungsrisiken in verschiedenen Bevölkerungsgruppen zu finden.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001162
For educational purposes only.

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