Wie beeinflusst der Beruf die Schmerzwahrnehmung? Ein Blick auf Kontakt-Hitze-evozierte Potenziale (CHEPs)
Haben Sie sich jemals gefragt, warum manche Menschen Schmerzen anders empfinden als andere? Könnte es sein, dass der Beruf, den wir ausüben, einen Einfluss darauf hat, wie wir Schmerzreize verarbeiten? Diese Fragen sind nicht nur interessant, sondern auch wichtig für das Verständnis von Schmerzmechanismen und deren Diagnose. Eine aktuelle Studie hat sich mit diesem Thema beschäftigt und untersucht, wie sich die Schmerzwahrnehmung zwischen Wissensarbeitern und ungelernten Arbeitern unterscheidet.
Was sind Kontakt-Hitze-evozierte Potenziale (CHEPs)?
Kontakt-Hitze-evozierte Potenziale, kurz CHEPs, sind eine Methode, um die Funktion von kleinen Nervenfasern zu bewerten. Diese Fasern, insbesondere die sogenannten Ad-Fasern, sind für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich. Bei der CHEP-Methode wird ein Hitze-Schmerzreiz auf die Hautoberfläche gegeben. Dieser Reiz löst eine elektrische Aktivität im Gehirn aus, die mit einem EEG (Elektroenzephalogramm) gemessen werden kann. Die gemessenen Signale werden dann anhand von Parametern wie der N2-Latenz, der P2-Latenz und der N2-P2-Amplitude analysiert.
Im Vergleich zu anderen Methoden, wie den Laser-evozierte Potenzialen, gilt die CHEP-Methode als einfacher, sicherer und objektiver. Sie wird häufig zur Diagnose von Erkrankungen der kleinen Nervenfasern, wie der Small-Fiber-Neuropathie (SFN), eingesetzt. Bei dieser Erkrankung sind die kleinen, unmyelinierten C-Fasern und die dünn myelinisierten Ad-Fasern geschädigt. Die CHEP-Methode korreliert gut mit der intraepidermalen Nervenfaserdichte (IENFD), die durch eine Hautbiopsie bestimmt wird, und ist daher ein wichtiges diagnostisches Werkzeug.
Wie beeinflusst der Beruf die Schmerzwahrnehmung?
Bisher wurde wenig darüber bekannt, wie Faktoren wie Geschlecht, Alter, Körpergröße und vor allem der Beruf die CHEP-Parameter beeinflussen. Die aktuelle Studie hat genau diesen Aspekt untersucht und verglichen, wie sich die Schmerzwahrnehmung bei Wissensarbeitern und ungelernten Arbeitern unterscheidet.
Die Studie umfasste 137 gesunde Teilnehmer, die zwischen November 2014 und Dezember 2016 rekrutiert wurden. Die Teilnehmer wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Wissensarbeiter und ungelernte Arbeiter. Zu den Wissensarbeitern gehörten Lehrer, Ärzte, Studenten, Anwälte, Buchhalter und Programmierer. Die Gruppe der ungelernten Arbeiter bestand aus Bauarbeitern, Reinigungskräften, Köchen, Soldaten und Drehern.
Alle Teilnehmer wurden einer umfassenden Untersuchung unterzogen, einschließlich einer neurologischen Untersuchung, Laboruntests und Nervenleitungsstudien (NCS), um sicherzustellen, dass sie für die Studie geeignet waren. Die CHEP-Tests wurden an vier Körperstellen durchgeführt: am oberen Rand des distalen Drittels des Unterarms, am oberen Rand des distalen Drittels des lateralen Beins, am Dornfortsatz des siebten Halswirbels (C7) und am Dornfortsatz des zwölften Brustwirbels (T12).
Die Ergebnisse der Studie
Die Ergebnisse zeigten signifikante Unterschiede in den CHEP-Parametern zwischen den beiden Gruppen. Bei den ungelernten Arbeitern waren die N2-Latenz und die P2-Latenz am Unterarm und am Bein im Vergleich zu den Wissensarbeitern deutlich verlängert. Außerdem war die N2-P2-Amplitude bei den ungelernten Arbeitern signifikant verringert. An den Wirbelsäulenstellen C7 und T12 gab es jedoch keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.
Warum gibt es diese Unterschiede?
Die Forscher diskutierten mehrere mögliche Gründe für diese Unterschiede. Ungelernte Arbeiter sind oft stärker körperlicher Belastung und Umweltgefahren ausgesetzt. Dies könnte dazu führen, dass sie weniger Ad-Fasern aktivieren oder eine langsamere Leitgeschwindigkeit haben, wenn sie Schmerzreizen ausgesetzt sind. Zudem könnte die Aktivität schmerzbezogener Gehirnareale, wie der Inselrinde, des Thalamus und der sekundären somatosensorischen Kortex, bei ungelernten Arbeitern reduziert sein.
Ein weiterer Faktor könnte die dickere Hornhaut (Keratoderma) bei ungelernten Arbeitern sein, die zu einer reduzierten N2-P2-Amplitude führen könnte. Die Unterschiede in den CHEP-Parametern waren an den exponierten Stellen wie Unterarm und Bein stärker ausgeprägt als an den weniger exponierten Stellen wie C7 und T12.
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Studie zeigt, dass der Beruf einen Einfluss auf die Schmerzwahrnehmung haben kann. Ungelernte Arbeiter haben im Vergleich zu Wissensarbeitern eine veränderte Schmerzverarbeitung, die sich in verlängerten Latenzen und verringerten Amplituden bei den CHEP-Tests zeigt. Diese Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit weiterer Forschung, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.
Funktionelle Bildgebungsstudien könnten zusätzliche Einblicke in die schmerzbezogene Gehirnaktivität bei verschiedenen Berufsgruppen liefern. Die Studie ist ein wichtiger Schritt, um die Auswirkungen des Berufs auf die Funktion der kleinen Nervenfasern zu verstehen und könnte in Zukunft dazu beitragen, die Diagnose und Behandlung von Schmerzerkrankungen zu verbessern.
Zusammenfassung
Diese Studie ist die erste, die den Einfluss des Berufs auf die CHEP-Parameter untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass ungelernte Arbeiter im Vergleich zu Wissensarbeitern signifikant verlängerte N2- und P2-Latenzen und verringerte N2-P2-Amplituden an Unterarm und Bein haben. Diese Unterschiede deuten darauf hin, dass der Beruf eine Rolle bei der Schmerzverarbeitung spielt. Weitere Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und die zugrunde liegenden Mechanismen zu erforschen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000681
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