Welche Medikamente helfen wirklich bei COVID-19?
Die COVID-19-Pandemie hat weltweit enorme Herausforderungen für das Gesundheitswesen geschaffen. Bis Juni 2021 wurden über 175,8 Millionen bestätigte Fälle und 859.130 Todesfälle gemeldet. Trotz intensiver Bemühungen, wirksame Behandlungen zu finden, fehlt es bei vielen empfohlenen Medikamenten an soliden Beweisen. Eine aktuelle Studie hat 32 verschiedene Medikamente untersucht, um ihre Wirksamkeit und Sicherheit bei COVID-19 zu vergleichen.
Studie und Methode
Die Studie analysierte Daten aus 66 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die bis zum 20. Juli 2020 durchgeführt wurden. Die Studien stammten aus verschiedenen Datenbanken wie Medline, Embase, Cochrane Library und chinesischen Quellen wie SinoMed, CNKI und WanFang. Die Teilnehmer hatten entweder bestätigte oder vermutete SARS-CoV-2- oder SARS-CoV-Infektionen. Verglichen wurden Medikamente wie Virenhemmer, Antibiotika, Kortikosteroide (COR), Chloroquin (CQ), traditionelle chinesische Medizin (TCM) und andere mit der Standardbehandlung (SOC) oder Placebo.
Die wichtigsten Ziele waren, die Sterblichkeit, Heilungsrate, Virusfreiheit (VNC) und Nebenwirkungen zu bewerten. Sekundäre Ziele umfassten spezifische Nebenwirkungen wie Durchfall oder Nierenprobleme sowie klinische Parameter wie die Dauer des Krankenhausaufenthalts.
Eine spezielle statistische Methode, die sogenannte Netzwerk-Metaanalyse (NMA), wurde verwendet, um direkte und indirekte Beweise zusammenzufassen. Die Qualität der Beweise wurde mit dem GRADE-System bewertet.
Wichtige Ergebnisse zur Wirksamkeit
Sterblichkeit
Bei 18.881 Patienten zeigten TCM und COR eine signifikante Verringerung der Sterblichkeit im Vergleich zur Standardbehandlung. TCM hatte den stärksten Effekt (OR = 0,34; 95% CI: 0,20–0,56; moderate Beweisqualität), gefolgt von COR (OR = 0,84; 95% CI: 0,75–0,96; niedrige Beweisqualität). Im Gegensatz dazu erhöhte eine hohe Dosis Chloroquin (CQ_HD) das Sterberisiko (OR = 3,20; 95% CI: 1,18–8,73; niedrige Beweisqualität). Virenhemmer wie Remdesivir zeigten keine signifikante Wirkung.
Heilungsrate
TCM und COR verbesserten auch die Heilungsrate. TCM verdoppelte fast die Wahrscheinlichkeit einer Heilung im Vergleich zur Standardbehandlung (OR = 2,16; 95% CI: 1,60–2,91; niedrige Beweisqualität), während COR einen bescheidenen Vorteil zeigte (OR = 1,17; 95% CI: 1,05–1,30; niedrige Beweisqualität). Virenhemmer hatten keinen signifikanten Einfluss.
Virusfreiheit
Keine der untersuchten Behandlungen verbesserte die Virusfreiheit signifikant. Dies zeigt eine wichtige Lücke in der Therapie, die die Virusbeseitigung beschleunigen könnte.
Wichtige Ergebnisse zur Sicherheit
Gesamte Nebenwirkungen
TCM und Remdesivir in einer Dosis von 10 mg/Tag (REM_10) waren mit weniger Nebenwirkungen verbunden als die Standardbehandlung (TCM: OR = 0,52; 95% CI: 0,38–0,70; REM_10: OR = 0,31; 95% CI: 0,19–0,52). Im Gegensatz dazu erhöhten CQ_HD (OR = 2,51), Interferone (IFN: OR = 2,69) und Colchicin (COL: OR = 3,81) das Risiko von Nebenwirkungen.
Spezifische Nebenwirkungen
- Durchfall: Colchicin (OR = 3,80) und Lopinavir/Ritonavir (OR = 9,62) erhöhten das Risiko. TCM reduzierte die Häufigkeit von Durchfall (OR = 0,43).
- Sekundäre Infektionen: TCM senkte das Risiko (OR = 0,33), während COR keinen signifikanten Effekt hatte.
- Krankenhausaufenthalt: TCM, Rekonvaleszentenplasma (CON_PLA) und Ribavirin/Interferon-Kombinationen verkürzten den Krankenhausaufenthalt um 2,53–17,80 Tage.
- Fieberdauer: TCM reduzierte die Fieberdauer um 1,03 Tage (WMD = −1,03; 95% CI: −1,09 bis −0,97).
Qualität der Beweise und methodische Überlegungen
Die Beweisqualität war für TCMs Wirkung auf die Sterblichkeit moderat, aber für die meisten Vergleiche niedrig oder sehr niedrig. Gründe waren kleine Stichprobengrößen, methodische Mängel (z. B. fehlende Verblindung in 31,8% der Studien) und Unterschiede zwischen den Studien. Es gab keine signifikanten Widersprüche in den Ergebnissen, und das Risiko von Veröffentlichungsbias war gering.
Klinische und forschungsrelevante Implikationen
Die Ergebnisse unterstützen den Einsatz von TCM und COR als zusätzliche Therapien, um die Sterblichkeit zu reduzieren und die Genesung bei COVID-19-Patienten zu verbessern, insbesondere bei schweren Fällen. Die schädlichen Wirkungen von CQ_HD unterstreichen die Notwendigkeit einer sorgfältigen Dosierung und Überwachung.
Trotz der Einbeziehung von 19.095 Patienten gibt es Einschränkungen, wie unzureichende Daten für bestimmte Behandlungen und die Unfähigkeit, Untergruppenanalysen nach Krankheitsschwere durchzuführen. Zukünftige Studien sollten direkte Vergleiche, individuelle Patientendaten und Langzeitergebnisse priorisieren.
Fazit
Diese Studie liefert die bisher umfassendsten Beweise für die Wirksamkeit und Sicherheit von COVID-19-Medikamenten. TCM und COR zeigen vielversprechende Ergebnisse, während CQ_HD und einige Virenhemmer erhebliche Risiken bergen. Kliniker sollten diese Ergebnisse im Kontext der Beweisqualität und patientenspezifischer Faktoren bewerten. Es besteht dringender Bedarf an großen, rigorosen Studien, um offene Fragen zu klären und Therapiestrategien zu optimieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001672
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