Was verrät der Stoffwechsel über Schuppenflechte?

Was verrät der Stoffwechsel über Schuppenflechte?

Schuppenflechte (Psoriasis) ist eine chronische Hauterkrankung, die Millionen von Menschen weltweit betrifft. Sie verursacht nicht nur sichtbare Hautveränderungen, sondern kann auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen erhöhen. Doch was passiert im Körper bei Schuppenflechte? Die Antwort liegt im Stoffwechsel – dem komplexen Netzwerk von chemischen Prozessen, das unseren Körper am Laufen hält. In den letzten Jahren hat die Metabolomik (die Untersuchung aller kleinen Moleküle im Körper) neue Einblicke in die Ursachen, Diagnose und Behandlung von Schuppenflechte ermöglicht.

Wie verändert sich der Stoffwechsel bei Schuppenflechte?

Bei Schuppenflechte gerät das Immunsystem aus dem Gleichgewicht, und die Hautzellen teilen sich zu schnell. Diese Veränderungen spiegeln sich im Stoffwechsel wider. Forscher haben festgestellt, dass bestimmte Stoffwechselwege bei Schuppenflechte gestört sind, darunter der Abbau von Aminosäuren, Fetten und Kohlenhydraten.

Aminosäuren: Bausteine des Lebens

Aminosäuren sind die Grundbausteine von Proteinen und spielen eine wichtige Rolle bei der Zellteilung und Entzündung. Bei Schuppenflechte sind einige Aminosäuren im Blut erhöht, darunter Asparagin, Asparaginsäure und Prolin. Diese Moleküle unterstützen das schnelle Wachstum der Hautzellen. Gleichzeitig sind andere Aminosäuren wie Glutamin und Cystein reduziert, was die Entzündung verstärken könnte.

Fette: Mehr als nur Energielieferanten

Fette sind nicht nur eine Energiequelle, sondern auch wichtige Signalmoleküle. Bei Schuppenflechte sind bestimmte Fette in der Haut erhöht, darunter Lysophosphatidsäure (LPA) und Lysophosphatidylcholin (LPC), die Entzündungen fördern. Andere Fette wie Phosphatidylcholin (PC) und Phosphatidylinositol (PI) sind dagegen reduziert. Diese Veränderungen stören die Barrierefunktion der Haut und machen sie anfälliger für Reizungen.

Ein weiteres wichtiges Fett sind Ceramide, die für die Hautbarriere unverzichtbar sind. Bei Schuppenflechte sind bestimmte Ceramide in den Hautzellen erhöht, während andere in den Bindegewebszellen verändert sind. Diese Ungleichgewichte tragen zur Hautschädigung bei.

Energieproduktion: Schneller, aber weniger effizient

Die Hautzellen bei Schuppenflechte verbrauchen viel Energie, um sich schnell zu teilen. Dabei nutzen sie einen Prozess namens Glykolyse, der auch in Krebszellen vorkommt. Dieser Prozess produziert Milchsäure, die im Blut von Schuppenflechte-Patienten erhöht ist. Gleichzeitig ist der Tricarbonsäurezyklus (ein wichtiger Energielieferant) aktiviert, was auf einen erhöhten Energiebedarf hinweist.

Kann der Stoffwechsel bei der Diagnose helfen?

Die Diagnose von Schuppenflechte basiert bisher hauptsächlich auf dem klinischen Erscheinungsbild. Doch die Metabolomik könnte in Zukunft eine genauere und weniger invasive Diagnose ermöglichen. Forscher haben beispielsweise eine Gruppe von sechs Molekülen in Hautsekreten identifiziert, die Schuppenflechte mit hoher Genauigkeit erkennen können. Dazu gehören Cholin, Glutaminsäure und Milchsäure.

Bei der Psoriasis-Arthritis (einer Form von Schuppenflechte, die die Gelenke betrifft) haben Wissenschaftler bestimmte Aminosäuren wie Alanin und Leucin gefunden, die helfen könnten, diese Krankheit von anderen Gelenkerkrankungen zu unterscheiden.

Wie wirken Behandlungen auf den Stoffwechsel?

Die Metabolomik hat auch gezeigt, wie verschiedene Behandlungen den Stoffwechsel bei Schuppenflechte beeinflussen.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Einige TCM-Formeln wie Yinxieling und LiangXueJieDu normalisieren den Fettstoffwechsel und reduzieren Entzündungen. Sie wirken, indem sie bestimmte Stoffwechselwege wieder ins Gleichgewicht bringen.

Biologische Medikamente

Biologische Medikamente wie Etanercept (ein Anti-TNFα-Mittel) und Ixekizumab (ein IL-17-Hemmer) verändern den Stoffwechsel positiv. Sie reduzieren beispielsweise bestimmte Fette wie Lysophosphatidylcholin (LPC), die mit Entzündungen und Herz-Kreislauf-Risiken verbunden sind.

Ernährung

Eine ketogene Ernährung (fettreich, kohlenhydratarm) kann den Stoffwechsel bei Schuppenflechte beeinflussen. Sie reduziert Moleküle wie L-Leucin und erhöht Glutamin, was Entzündungen lindern könnte.

Schuppenflechte und andere Krankheiten

Schuppenflechte ist oft mit anderen Erkrankungen wie Metabolischem Syndrom, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen verbunden. Die Metabolomik hat gezeigt, dass bestimmte Stoffwechselveränderungen bei Schuppenflechte auch das Risiko für diese Krankheiten erhöhen können.

Herz-Kreislauf-Risiken

Erhöhte Werte von Lysophosphatidylcholin (LPC) und freien Fettsäuren im Blut von Schuppenflechte-Patienten sind mit einem höheren Risiko für Herzerkrankungen verbunden. Biologische Medikamente wie Ixekizumab können diese Werte normalisieren und so möglicherweise das Herz schützen.

Darm-Haut-Achse

Die Haut und der Darm sind eng miteinander verbunden. Bei Schuppenflechte ist die Haut oft mit Bakterien wie Staphylococcus und Streptococcus überbesiedelt. Diese Bakterien verändern den Stoffwechsel der Haut, indem sie Moleküle wie Xanthin und D-Ribose-5-Phosphat beeinflussen, die an Entzündungen beteiligt sind.

Herausforderungen und Zukunft

Trotz der Fortschritte gibt es noch Herausforderungen. Unterschiede zwischen Studien, zum Beispiel bei den Werten von Acylcarnitinen, zeigen, dass standardisierte Methoden benötigt werden. Zukünftige Forschung sollte größere Studien umfassen und verschiedene Technologien wie Genomik und Proteomik kombinieren, um noch genauere Einblicke zu gewinnen.

Fazit

Die Metabolomik hat unser Verständnis von Schuppenflechte revolutioniert. Sie zeigt, wie Stoffwechselveränderungen die Krankheit antreiben und wie Behandlungen diese Prozesse beeinflussen können. Zukünftige Forschung wird helfen, Biomarker zu validieren und personalisierte Behandlungen zu entwickeln.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002504
For educational purposes only.

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