Was sind die größten Risiken bei der Behandlung von schwerer Lungenversagen mit ECMO?

Was sind die größten Risiken bei der Behandlung von schwerer Lungenversagen mit ECMO?

Schweres Lungenversagen ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, die oft eine sofortige und intensive Behandlung erfordert. Eine der modernsten Methoden zur Unterstützung der Lungenfunktion ist die veno-venöse extrakorporale Membranoxygenierung (VV-ECMO). Diese Technik hilft, das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff anzureichern, wenn die Lunge versagt. Doch trotz ihrer lebensrettenden Möglichkeiten birgt die VV-ECMO erhebliche Risiken, insbesondere neurologische Komplikationen wie Hirnblutungen (intrakranielle Hämorrhagie, ICH) und hohe Sterblichkeitsraten.

Wie wird die Studie durchgeführt?

Die Studie untersuchte 77 Patienten, die zwischen Juli 2013 und Mai 2019 im China-Japan Friendship Hospital mit VV-ECMO behandelt wurden. Die Patienten litten unter schwerem Lungenversagen, das durch reversible Ursachen oder als Überbrückung zur Lungentransplantation verursacht wurde. Die Auswahlkriterien umfassten bestimmte Werte des Sauerstoffpartialdrucks (PaO2) und des Kohlendioxidpartialdrucks (PaCO2), die trotz optimierter Beatmung nicht verbessert werden konnten.

Die Forscher sammelten Daten zu Alter, Geschlecht, Laborwerten vor der ECMO-Behandlung, Gerinnungsparametern (wie APTT, Fibrinogen und Thrombozytenzahl) sowie Komplikationen während der Behandlung. Die neurologische Überwachung umfasste tägliche Bewusstseinskontrollen, Pupillenuntersuchungen und CT-Scans bei Verdacht auf Hirnblutungen.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse zu Hirnblutungen?

Von den 77 Patienten entwickelten 11 (14,3%) eine Hirnblutung. Die Überlebensrate in dieser Gruppe war deutlich niedriger (18,2% im Vergleich zu 51,5% bei Patienten ohne Hirnblutung). Die Blutungen traten im Durchschnitt 4,3 Tage nach Beginn der ECMO-Behandlung auf und zeigten sich durch Symptome wie erweiterte Pupillen, Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit oder halbseitige Lähmungen.

Die Analyse ergab, dass Diabetes mellitus und niedrige Fibrinogenwerte während der ECMO-Behandlung unabhängige Risikofaktoren für Hirnblutungen waren. Patienten mit Diabetes hatten ein 12,8-fach höheres Risiko für Hirnblutungen. Niedrige Fibrinogenwerte, ein Protein, das bei der Blutgerinnung eine Rolle spielt, waren ebenfalls mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden.

Welche Faktoren beeinflussen die Sterblichkeit?

Die Gesamtsterblichkeit lag bei 46,8%. Die wichtigsten Risikofaktoren für einen tödlichen Verlauf waren akutes Leberversagen während der ECMO-Behandlung, erhöhte Kohlendioxidwerte vor der ECMO (PaCO2 ≥50 mmHg) und niedrige Thrombozytenzahlen während der Behandlung. Patienten, die vor der ECMO länger beatmet wurden (3 Tage im Vergleich zu 1 Tag), hatten ebenfalls ein höheres Sterberisiko.

Warum sind Diabetes und Fibrinogen so wichtig?

Diabetes führt zu chronischen Veränderungen der Blutgefäße, was die Wahrscheinlichkeit von Blutungen erhöht. Bei Patienten, die mit ECMO behandelt werden, kommt die zusätzliche Belastung durch die Blutverdünnung hinzu, die während der ECMO-Behandlung notwendig ist.

Fibrinogen ist ein Schlüsselprotein bei der Blutgerinnung. Niedrige Werte können das Blutungsrisiko erhöhen, während hohe Werte auf eine Entzündungsreaktion hinweisen, die ebenfalls das Risiko für Hirnblutungen steigern kann.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Die Studie zeigt, dass die Überwachung und Anpassung der Blutgerinnung während der ECMO-Behandlung entscheidend ist. Besonders bei Patienten mit Diabetes sollten die Gerinnungswerte engmaschig kontrolliert und die Blutverdünnung möglicherweise reduziert werden.

Außerdem ist es wichtig, die Organfunktionen, insbesondere die Leber und die Nieren, während der ECMO-Behandlung zu unterstützen, um das Risiko eines Multiorganversagens zu verringern.

Einschränkungen der Studie

Die Studie hat einige Einschränkungen. Die retrospektive Analyse und die relativ kleine Anzahl von Patienten machen es schwierig, die Ergebnisse auf alle Patienten mit schwerem Lungenversagen zu übertragen. Zukünftige Studien mit größeren Patientengruppen sind notwendig, um die Risikofaktoren genauer zu untersuchen und die Behandlung zu optimieren.

Fazit

Hirnblutungen und Multiorganversagen sind die größten Risiken bei der Behandlung von schwerem Lungenversagen mit VV-ECMO. Diabetes und Veränderungen der Fibrinogenwerte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Diese Erkenntnisse können helfen, die Behandlung zu verbessern und die Überlebenschancen der Patienten zu erhöhen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001719

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