Was passiert, wenn fremde Immunzellen in Leukämiepatienten übertragen werden?
Immuntherapien sind heute ein wichtiger Bestandteil der Krebsbehandlung. Dazu gehört auch die Übertragung von Immunzellen von einem Spender zu einem Patienten. Diese Methode kann jedoch Nebenwirkungen haben, die bisher nicht genau beschrieben wurden. Eine aktuelle Studie hat untersucht, welche Symptome auftreten, wenn Leukämiepatienten Immunzellen von einem nicht passenden Spender erhalten.
Die Studie konzentrierte sich auf Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML), die eine spezielle Behandlung namens Mikrotransplantation (MST) erhielten. Dabei wurden Immunzellen von einem Spender übertragen, der nicht vollständig mit dem Patienten übereinstimmte. Die Ergebnisse wurden mit Patienten verglichen, die nur eine Chemotherapie erhielten.
Was wurde untersucht?
Die Studie umfasste 88 Behandlungszyklen mit der Übertragung von Immunzellen und 54 Zyklen mit nur Chemotherapie. Die Forscher analysierten die Symptome, die nach der Übertragung auftraten, und verglichen sie mit den Symptomen der Chemotherapie-Gruppe.
Welche Symptome traten auf?
Die häufigsten Symptome nach der Übertragung waren Fieber und Schüttelfrost. Fieber trat in 58 % der Fälle auf, Schüttelfrost in 43,2 %. Patienten, deren Spender weniger Übereinstimmungen in den HLA-Merkmalen (HLA: Human Leukocyte Antigen, ein wichtiges System für die Immunerkennung) aufwiesen, hatten häufiger Schüttelfrost. Auch Patienten mit einem niedrigeren Verhältnis von CD4+ zu CD8+ T-Zellen (bestimmte Arten von Immunzellen) entwickelten häufiger Fieber.
Jüngere Patienten hatten öfter Fieber, und Patienten mit jüngeren Spendern litten häufiger unter Schüttelfrost. Die Blutwerte zeigten einen leichten Anstieg des ultra-sensitiven C-reaktiven Proteins (us-CRP), ein Zeichen für eine Entzündungsreaktion.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Die Studie lief von 2018 bis 2020 und umfasste AML-Patienten, die nach einer Chemotherapie mit dem Wirkstoff Cytarabin in Remission (keine Krankheitszeichen) waren. Patienten mit einer bestimmten Form von Leukämie, der akuten Promyelozytenleukämie (APL), wurden ausgeschlossen.
Patienten in der MST-Gruppe erhielten Cytarabin und 48 Stunden später die Immunzellen von einem Spender. Die Spender wurden mit einem Wachstumsfaktor (G-CSF) behandelt, um die Produktion von Immunzellen zu steigern. Die Zellen wurden dann gesammelt und übertragen. Die durchschnittliche Menge an übertragenen Zellen betrug 2,2 × 10^8 pro Kilogramm Körpergewicht.
Patienten in der Chemotherapie-Gruppe erhielten nur Cytarabin. Nebenwirkungen wurden nach den Kriterien der Common Terminology Criteria for Adverse Events (CTCAE) bewertet.
Was waren die Ergebnisse?
In der Chemotherapie-Gruppe traten keine Nebenwirkungen auf. In der MST-Gruppe gab es innerhalb von 36 Stunden nach der Übertragung 95 leichte Nebenwirkungen wie Fieber, Bluthochdruck, schnellen Herzschlag und Schüttelfrost. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf.
Patienten in der MST-Gruppe hatten häufiger Fieber und Schüttelfrost als die Chemotherapie-Gruppe. Spät auftretende Nebenwirkungen waren selten und umfassten anhaltendes Fieber und in einem Fall einen Hautausschlag. Es gab keine Anzeichen für eine Abstoßungsreaktion (Graft-versus-Host-Disease, GVHD).
Welche Faktoren beeinflussten die Symptome?
Jüngere Patienten hatten häufiger Fieber. Patienten mit weniger HLA-Übereinstimmungen oder mit einem fremden Spender hatten öfter Schüttelfrost. Ein niedriges Verhältnis von CD4+ zu CD8+ T-Zellen vor der Behandlung sagte Fieber voraus.
Die us-CRP-Werte waren nach der Übertragung erhöht, besonders bei Patienten mit Fieber. Die Werte bestimmter Botenstoffe (Zytokine) im Blut blieben normal oder leicht erhöht. Der Botenstoff IL-10 zeigte einen signifikanten Unterschied zwischen Patienten mit und ohne Fieber.
Beeinflussten die Symptome den Behandlungserfolg?
Es gab keine Hinweise darauf, dass Fieber oder Schüttelfrost den Behandlungserfolg beeinflussten. Auch die Erholung der Blutwerte (Neutrophile und Blutplättchen) war in beiden Gruppen ähnlich.
Was sind die Schlussfolgerungen?
Die Übertragung von Immunzellen in der MST-Behandlung verursacht spezifische Symptome, die mit Merkmalen des Spenders oder des Patienten zusammenhängen. Diese Nebenwirkungen sind weniger schwerwiegend als bisher beschriebene Reaktionen auf Immuntherapien. Die Studie hat jedoch einige Einschränkungen, da sie rückblickend durchgeführt wurde und nicht alle Daten verfügbar waren. Weitere Studien sind notwendig, um die genauen Mechanismen zu verstehen.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000002611