Was passiert nach einer erfolgreichen Behandlung von Magenkrebs im Frühstadium?

Was passiert nach einer erfolgreichen Behandlung von Magenkrebs im Frühstadium?

Magenkrebs im Frühstadium kann heute oft ohne Operation behandelt werden. Eine Methode heißt endoskopische Submukosadissektion (ESD). Dabei wird der Tumor durch ein Endoskop entfernt. Doch was passiert danach? Neue Studien zeigen, dass bei einigen Patienten später erneut Krebs auftreten kann. Diese neuen Tumore nennt man metachrone Magenneoplasien (MGN).

Was sind metachrone Magenneoplasien?
Metachrone Magenneoplasien sind neue Krebsherde, die mindestens ein Jahr nach der ersten Behandlung auftreten. Sie entstehen an einer anderen Stelle im Magen als der ursprüngliche Tumor. Die Wahrscheinlichkeit, dass dies passiert, liegt zwischen 2,7 % und 15,6 %. Das ist höher als bei Patienten, die sich einer Operation unterzogen haben.

Warum ist das wichtig?
Die Entstehung neuer Tumore stellt Ärzte und Patienten vor große Herausforderungen. Es ist wichtig, die Risikofaktoren zu verstehen und die richtigen Überwachungsstrategien zu entwickeln. So kann man frühzeitig handeln und die Behandlungsergebnisse verbessern.

Wie wurde die Studie durchgeführt?
In dieser Studie wurden 1.361 Patienten untersucht, die zwischen November 2006 und September 2019 eine ESD-Behandlung erhielten. Nach Ausschluss bestimmter Fälle (z. B. nicht vollständige Entfernung des Tumors oder unzureichende Nachbeobachtung) blieben 814 Patienten übrig.

Die Patienten wurden regelmäßig untersucht: nach 3, 6 und 12 Monaten, dann jährlich oder alle zwei Jahre. Neue Tumore wurden durch Gewebeproben bestätigt und mussten mindestens 1 cm vom ursprünglichen Tumor entfernt sein.

Was wurde untersucht?

  • Patientendaten: Alter, Geschlecht, Rauch- und Alkoholgewohnheiten, Familienanamnese von Magenkrebs.
  • Tumoreigenschaften: Größe, Lage im Magen, Form (erhaben, flach, vertieft), Gewebetyp (unterschiedlich differenzierter Krebs, Dysplasie).
  • Pathologische Faktoren: Eindringtiefe des Tumors, Beteiligung von Lymphgefäßen, Ränder der entfernten Gewebestücke.
  • H. pylori-Status: Wurde durch Gewebeproben, einen Schnelltest oder einen Atemtest bestimmt.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Patienten und Tumoreigenschaften
Von den 814 Patienten (Durchschnittsalter 60 Jahre, 76,4 % Männer) entwickelten 4,5 % (37/814) metachrone Magenneoplasien. Die ursprünglichen Tumore waren meist erhaben (77,3 %), im unteren Teil des Magens (44,7 %) und entweder Dysplasien (61,3 %) oder differenzierte Karzinome (34,2 %). Die meisten Tumore (95,3 %) waren auf die Schleimhaut begrenzt.

Häufigkeit von metachronen Magenneoplasien
Die Wahrscheinlichkeit, neue Tumore zu entwickeln, stieg mit der Zeit: 3,5 % nach 3 Jahren, 5,1 % nach 5 Jahren, 6,9 % nach 7 Jahren und erreichte ein Plateau von 11,3 % nach 99 Monaten.

Eigenschaften der neuen Tumore
Die neuen Tumore (durchschnittliche Größe 1,5 cm) zeigten keine Verbindung zu den ursprünglichen Tumoren in Bezug auf Form, Lage oder Gewebetyp.

  • 64,9 % der neuen Tumore waren erhaben.
  • 37,8 % traten im unteren Teil des Magens auf, 32,4 % im mittleren Teil.
  • Histologisch waren 37,8 % differenzierte Karzinome, 29,7 % hochgradige Dysplasien.

Risikofaktoren für metachrone Magenneoplasien
Die Studie identifizierte schwere Magenschleimhautschäden (83,8 % vs. 62,7 %, P = 0,003) und mehrere Tumore bei der ersten Diagnose (21,6 % vs. 6,6 %, P = 0,001) als wichtige Risikofaktoren. Die statistische Analyse bestätigte, dass mehrere Tumore bei der ersten Diagnose der stärkste Risikofaktor ist (HR 4,3, 95 % CI 2,0–9,4, P < 0,001). Der H. pylori-Status hatte keinen signifikanten Einfluss.

Behandlung und Ergebnisse
Von den 37 Patienten mit neuen Tumoren:

  • 73 % (27/37) wurden erneut endoskopisch behandelt (26 ESD, 1 EMR), mit einer vollständigen Entfernung in 96 % der Fälle und einer Heilungsrate von 82 %.
  • Nicht vollständige Entfernungen (5/27): Aufgrund von befallenen Rändern (2), unvollständiger Entfernung (1) oder Beteiligung von Lymphgefäßen (2).
  • Zwei Patienten benötigten eine Operation wegen fortgeschrittener Tumore; beide hatten schlechte Ergebnisse (einer starb an Lymphknotenmetastasen).
  • Die Überlebensrate aufgrund von Krebs war bei Patienten mit neuen Tumoren signifikant niedriger (94,6 % vs. 99,6 %, P = 0,006), aber die Gesamtüberlebensrate unterschied sich nicht (94,6 % vs. 97,3 %, P = 0,893).

Was bedeutet das für die Praxis?

Überwachung
Die Studie zeigt, dass Patienten auch Jahre nach der ersten Behandlung weiterhin gefährdet sind. Eine regelmäßige endoskopische Überwachung über mindestens 8 Jahre ist ratsam, besonders für Patienten mit mehreren Tumoren bei der ersten Diagnose.

Behandlung
Endoskopische Verfahren bleiben eine effektive Option für neue Tumore im Frühstadium. Die Heilungsraten sind hoch, wenn die Tumore früh erkannt werden.

Prognose
Obwohl die Überlebensrate aufgrund von Krebs bei Patienten mit neuen Tumoren niedriger ist, bleibt die Gesamtüberlebensrate vergleichbar. Das unterstreicht die Bedeutung der Früherkennung.

Einschränkungen der Studie
Die Studie wurde an einem einzigen Zentrum durchgeführt und basiert auf retrospektiven Daten. Einige Patienten wurden nur telefonisch oder per E-Mail nachbeobachtet, was zu Verzerrungen führen könnte.

Was kommt als Nächstes?
Zukünftige Studien sollten diese Ergebnisse in mehreren Zentren bestätigen. Es ist auch wichtig, molekulare Marker zu erforschen, die das Risiko für neue Tumore vorhersagen können.

Fazit
Metachrone Magenneoplasien nach einer erfolgreichen ESD-Behandlung erfordern eine langfristige und sorgfältige Überwachung. Patienten mit mehreren Tumoren bei der ersten Diagnose haben ein höheres Risiko und benötigen eine individuelle Nachsorge. Endoskopische Verfahren bieten gute Behandlungsmöglichkeiten, wenn neue Tumore früh erkannt werden.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000001762
For educational purposes only.

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