Was ist neu bei der Behandlung von fortgeschrittenem Brustkrebs in China?
Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen. In China macht Brustkrebs etwa 12,2 % aller Krebsdiagnosen und 9,6 % aller krebsbedingten Todesfälle aus. Besonders herausfordernd ist der sogenannte de novo Stadium IV Brustkrebs. Hierbei liegt bei der ersten Diagnose bereits eine Streuung (Metastasen) in andere Körperregionen vor. Obwohl diese Form des Brustkrebses nicht heilbar ist, gibt es heute individuelle Behandlungsansätze und Möglichkeiten, die Krankheit wie eine chronische Erkrankung zu managen. Doch wie wird diese Erkrankung in China behandelt, und welche neuen Erkenntnisse gibt es?
Was ist de novo Stadium IV Brustkrebs?
De novo Stadium IV Brustkrebs bedeutet, dass bei der ersten Diagnose bereits Metastasen in anderen Organen wie der Lunge, der Leber oder den Knochen vorhanden sind. Diese Form des Brustkrebses ist besonders schwer zu behandeln, da die Krebszellen sich bereits im Körper ausgebreitet haben. Die Behandlung zielt darauf ab, das Wachstum der Krebszellen zu kontrollieren und die Lebensqualität der Patientinnen zu verbessern.
Wie häufig ist diese Form des Brustkrebses in China?
Eine aktuelle Studie der Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS) untersuchte die klinischen Daten von 468 Patientinnen, bei denen zwischen Januar 2017 und Dezember 2018 de novo Stadium IV Brustkrebs diagnostiziert wurde. Das Durchschnittsalter der Patientinnen lag bei 51,5 Jahren. Die häufigste Form des Tumors war das invasive Karzinom, das bei 97,1 % der Fälle auftrat. Die molekularen Subtypen (unterschiedliche Arten von Brustkrebs, die durch bestimmte Merkmale der Krebszellen definiert werden) waren Luminal A (14,3 %), Luminal B (51,8 %), HER2-positiv (22,1 %) und triple-negativer Brustkrebs (11,8 %).
Welche Faktoren beeinflussen die Ausbreitung der Metastasen?
Die Studie untersuchte verschiedene klinische und pathologische Faktoren, die mit der Ausbreitung der Metastasen in Zusammenhang stehen. Dazu gehörten Alter, Hormonstatus, Familienanamnese, Fortpflanzungsgeschichte, Art des Tumors, Hormonrezeptorstatus (Östrogenrezeptor (ER) und Progesteronrezeptor (PR)), HER2-Status, Ki-67 (ein Marker für die Zellteilungsrate) und der molekulare Subtyp. Es zeigte sich, dass bestimmte Faktoren mit der Streuung in bestimmte Organe zusammenhängen. Zum Beispiel waren Alter, PR-Status und HER2-Status mit Lungenmetastasen verbunden. Die Art des Tumors, ER-Status, PR-Status und der molekulare Subtyp standen im Zusammenhang mit Knochenmetastasen. Alter, PR-Status, HER2-Status, Ki-67 und der molekulare Subtyp waren mit Lebermetastasen verbunden. Interessanterweise hatten Patientinnen mit HER2-positivem und hormonrezeptornegativem Brustkrebs häufiger Lebermetastasen, während Patientinnen mit Luminal B am häufigsten Knochenmetastasen aufwiesen. Triple-negativer Brustkrebs war seltener mit Knochenmetastasen verbunden.
Wie wird de novo Stadium IV Brustkrebs in China behandelt?
Die Studie untersuchte auch die Behandlungsstrategien für de novo Stadium IV Brustkrebs in China. Die systemische Therapie (Behandlung, die den gesamten Körper betrifft, wie Chemotherapie, Hormontherapie oder gezielte Therapie) war der wichtigste Behandlungsansatz. 95,1 % der Patientinnen erhielten eine systemische Therapie. Das häufigste Chemotherapie-Regime war eine Kombination aus Paclitaxel und Anthrazyklin, die bei 51,7 % der Fälle eingesetzt wurde. Insgesamt erhielten 91,5 % der Patientinnen Paclitaxel-haltige Therapien. Bei Patientinnen mit hormonrezeptorpositivem Brustkrebs wurde in 59,3 % der Fälle eine Hormontherapie durchgeführt. Bei HER2-positiven Patientinnen wurde in 84,2 % der Fälle eine gezielte Therapie eingesetzt, wobei Trastuzumab (85,5 %) das am häufigsten verwendete Medikament war.
Welche Rolle spielt die Operation bei der Behandlung?
Die Studie untersuchte auch die Rolle der Operation bei der Behandlung von de novo Stadium IV Brustkrebs. 54,2 % der Patientinnen wurden operiert, um den Primärtumor zu entfernen. Die Arten der Operationen umfassten modifizierte radikale Mastektomie, brusterhaltende Operation, totale Mastektomie und lokale Mastektomie. Um den Einfluss der Operation auf das Überleben zu bewerten, wurden 148 Patientinnen mit Nachbeobachtungsdaten in zwei Gruppen eingeteilt: diejenigen, die nur eine systemische Therapie erhielten, und diejenigen, bei denen der Primärtumor entfernt wurde und die zusätzlich eine systemische Therapie erhielten. Die Kaplan-Meier-Überlebensanalyse zeigte keinen signifikanten Unterschied im Gesamtüberleben (OS) zwischen den beiden Gruppen (P = 0,250).
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Studie zeigte, dass die Diagnose von de novo Stadium IV Brustkrebs in China hauptsächlich durch Ultraschall und Mammographie (57,3 %) gestellt wird. Die pathologische Diagnose erfolgte in 99,3 % der Fälle durch eine Stanzbiopsie. Für die Diagnose von Metastasen wurden Ganzkörperknochenszintigraphie und Computertomographie (CT) (97,0 %) verwendet. Viszerale Metastasen wurden hauptsächlich durch Magnetresonanztomographie (MRT) in Kombination mit CT (50,0 %) oder Positronenemissionstomographie-Computertomographie (PET-CT) (31,7 %) diagnostiziert. Interessanterweise hatten nur 10,9 % der Patientinnen eine definitive pathologische Diagnose der Metastasen, und bei 17,7 % dieser Patientinnen unterschieden sich die molekularen Subtypen zwischen den Metastasen und dem Primärtumor.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse der Studie?
Die Studie unterstreicht die Heterogenität (Vielfalt) von de novo Stadium IV Brustkrebs und die Bedeutung individueller Behandlungsansätze. Die Korrelation zwischen molekularen Subtypen und Metastasierungsmustern bietet wertvolle Einblicke in die Vorhersage des Krankheitsverlaufs und die Anpassung der Behandlung. Die hohe Akzeptanz der systemischen Therapie spiegelt die Anerkennung ihrer zentralen Rolle bei der Behandlung dieses fortgeschrittenen Brustkrebses wider. Die anhaltende Debatte über den Nutzen der Operation zeigt jedoch, dass weitere Forschung notwendig ist, um Untergruppen von Patientinnen zu identifizieren, die von chirurgischen Eingriffen profitieren könnten.
Was sind die Grenzen der Studie?
Die Studie hat einige Einschränkungen. Die populationsbasierte Design könnte zu Fehlern in der Datenberichterstattung geführt haben, und die pathologischen Daten wurden aus verschiedenen lokalen Labors ohne zentrale Überprüfung gesammelt. Die Nachbeobachtungsdaten waren begrenzt, mit einem durchschnittlichen Nachbeobachtungszeitraum von 16,3 Monaten, und Informationen über andere Metastasenorte, wie das Gehirn, wurden nicht erfasst. Zukünftige Studien sollten darauf abzielen, die Nachbeobachtungsdaten zu erweitern, zusätzliche Metastasenorte zu erfassen und die Nachbeobachtungsdauer zu verlängern, um eine umfassendere Bewertung der prognostischen Faktoren zu ermöglichen.
Fazit
Diese multizentrische Untersuchung bietet einen detaillierten Überblick über die klinischen Merkmale, diagnostischen Methoden und Behandlungsstrategien für de novo Stadium IV Brustkrebs in China. Die Studie unterstreicht die Bedeutung der systemischen Therapie und die anhaltende Kontroverse über die Rolle der Operation bei der Verbesserung des Überlebens. Die Ergebnisse bieten wertvolle Einblicke für Kliniker und Forscher und betonen die Notwendigkeit individueller Behandlungsansätze und weiterer Forschung, um das Management dieser komplexen Erkrankung zu optimieren.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001415