Was ist HER2-low Brustkrebs und warum ist er wichtig?

Was ist HER2-low Brustkrebs und warum ist er wichtig?

Brustkrebs ist eine der häufigsten Krebsarten bei Frauen weltweit. Die Behandlung hängt stark von den Eigenschaften des Tumors ab. Ein wichtiger Faktor ist der sogenannte HER2-Status (Human Epidermal Growth Factor Receptor 2). HER2-positive Tumore gelten als aggressiv, aber es gibt gezielte Therapien, die helfen können. Doch was ist mit Tumoren, die nur schwach HER2-positiv sind? Diese Gruppe, bekannt als HER2-low (IHC 1+ oder IHC 2+ mit negativer ISH), macht einen großen Teil der Brustkrebsfälle aus. Neue Medikamente wie DS-8201a könnten auch für diese Patienten hilfreich sein. Diese Studie aus China untersucht erstmals im großen Maßstab, wie HER2-low Brustkrebs aussieht und wie man das Rückfallrisiko besser vorhersagen kann.


Was ist HER2-low Brustkrebs?

HER2-low Brustkrebs ist ein Tumor, der schwach positiv auf HER2 reagiert. Das bedeutet, dass der Tumor zwar HER2 aufweist, aber nicht genug, um als HER2-positiv zu gelten. Diese Tumore werden in zwei Gruppen eingeteilt: IHC 1+ (schwach positiv) und IHC 2+ (mäßig positiv) mit negativer ISH (In-situ-Hybridisierung). Obwohl diese Patienten nicht für traditionelle HER2-Therapien in Frage kommen, gibt es Hinweise, dass neue Medikamente wie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate (ADCs) auch ihnen helfen könnten.


Warum ist diese Studie wichtig?

Bisher gab es nur wenige Daten zu HER2-low Brustkrebs, insbesondere in China. Diese Studie, durchgeführt von der Chinese Society of Breast Surgery (CSBrS), ist die erste große Untersuchung in China, die die Merkmale und das Rückfallrisiko bei HER2-low Brustkrebs analysiert. Die Ergebnisse könnten helfen, die Behandlung für diese Patienten zu verbessern.


Wie wurde die Studie durchgeführt?

Wer wurde untersucht?

Die Studie umfasste 25.096 Frauen mit frühem Brustkrebs (Stadien I–III), die zwischen 2015 und 2016 in 29 Krankenhäusern in China behandelt wurden. Von diesen hatten 7.642 (30,5%) HER2-low Tumore. Nach dem Ausschluss von Patienten mit unvollständigen Daten oder nicht standardisierter Behandlung blieben 6.486 Patienten übrig.

Wie wurde HER2 getestet?

Die HER2-Tests wurden nach den ASCO/CAP-Richtlinien von 2013 durchgeführt. Alle Labore mussten nationale oder internationale Zertifizierungen (PQCC oder ISO15189/CNAS-CL02) haben, um sicherzustellen, dass die Tests einheitlich und zuverlässig waren.

Welche Daten wurden gesammelt?

Die Forscher sammelten Informationen wie Tumorgröße, Lymphknotenbefall, Hormonrezeptorstatus (ER und PR), Ki67-Index (ein Maß für das Tumorwachstum) und die Art der Behandlung (Operation, Chemotherapie, Hormontherapie). Das Ziel war es, das Rückfallrisiko und die Überlebensraten zu analysieren.


Was sind die wichtigsten Ergebnisse?

Merkmale der Patienten

Die meisten Patienten waren etwa 50 Jahre alt. Von den 6.486 HER2-low Patienten hatten 56,2% IHC 1+ und 43,8% IHC 2+/ISH− Tumore. Es gab einige Unterschiede zwischen den Gruppen:

  • Tumorgröße: IHC 2+/ISH− Tumore waren häufiger größer (T2–T4).
  • Lymphgefäßinvasion: Dies war häufiger bei IHC 2+/ISH− Tumoren.
  • Ki67-Index: Tumore mit höherem Ki67-Index (>30%) waren häufiger in der IHC 2+/ISH− Gruppe.
  • Hormonrezeptorstatus: IHC 2+/ISH− Tumore waren häufiger ER- und PR-positiv.

Überlebensraten

Nach einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 57 Monaten waren die Überlebensraten gut:

  • 5-Jahres-Überleben ohne Rückfall (DFS): 92,1%.
  • 5-Jahres-Gesamtüberleben (OS): 97,4%.

Risikofaktoren für einen Rückfall

Die Studie identifizierte drei Hauptfaktoren, die das Rückfallrisiko erhöhen:

  1. Tumorgröße: Größere Tumore (T3–T4) hatten ein höheres Risiko.
  2. Lymphgefäßinvasion: Patienten mit Lymphgefäßinvasion hatten ein höheres Risiko.
  3. Ki67-Index: Ein Ki67-Index über 30% erhöhte das Rückfallrisiko.

Vorhersagemodell für das Rückfallrisiko

Die Forscher entwickelten ein Modell, das das Rückfallrisiko vorhersagen kann. Dafür verwendeten sie einen Algorithmus namens Random Forest. Das Modell war sehr genau (AUC 0,815) und konnte Patienten mit hohem Rückfallrisiko gut identifizieren.


Was bedeutet das für die Behandlung?

  1. Risikostratifizierung: Patienten mit hohem Risiko (z. B. große Tumore, Lymphgefäßinvasion, hoher Ki67-Index) könnten von intensiveren Therapien profitieren.
  2. HER2-Tests: Es ist wichtig, HER2-Tests nach den aktuellen Richtlinien durchzuführen, insbesondere bei Grenzfällen.
  3. Vorhersagemodell: Das Modell kann Ärzten helfen, das Rückfallrisiko besser einzuschätzen und die Nachsorge zu individualisieren.

Fazit

Diese Studie zeigt, dass HER2-low Brustkrebs eine wichtige Untergruppe in China darstellt. Obwohl die Überlebensraten insgesamt gut sind, gibt es bestimmte Risikofaktoren, die das Rückfallrisiko erhöhen. Das entwickelte Vorhersagemodell könnte helfen, die Behandlung für diese Patienten zu optimieren. Mit neuen Therapien wie ADCs könnten sich die Behandlungsmöglichkeiten in Zukunft weiter verbessern.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000002056
For educational purposes only.

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