Was ist das Cerebellofaciodentale Syndrom? Neue Erkenntnisse aus einer aktuellen Studie
Das Cerebellofaciodentale Syndrom (CFDS) ist eine seltene genetische Erkrankung, die das Gehirn, das Gesicht und die Zähne betrifft. Seit der ersten Beschreibung im Jahr 2015 sind weltweit nur sechs Familien bekannt, bei denen diese Krankheit diagnostiziert wurde. Die meisten Betroffenen waren Kinder oder junge Erwachsene. Doch wie sieht das Krankheitsbild bei älteren Patienten aus? Eine aktuelle Studie liefert nun wertvolle Einblicke in die genetischen und klinischen Merkmale von CFDS bei zwei mittelalten Geschwistern.
Was ist CFDS?
CFDS ist eine autosomal-rezessive Erkrankung. Das bedeutet, dass beide Eltern eine genetische Veränderung (Mutation) an ihr Kind weitergeben müssen, damit die Krankheit auftritt. Betroffene zeigen typischerweise eine Unterentwicklung des Kleinhirns (Cerebellum), geistige Beeinträchtigungen, besondere Gesichtsmerkmale, Kleinwuchs, einen kleinen Kopf (Mikrozephalie) und Auffälligkeiten an den Zähnen. Bisher gab es kaum Informationen darüber, wie sich die Krankheit bei älteren Patienten entwickelt.
Die Studie im Detail
Die Studie untersuchte eine Familie mit fünf Mitgliedern, darunter zwei Geschwister, die an CFDS leiden. Die Eltern waren blutsverwandt, was das Risiko für autosomal-rezessive Erkrankungen erhöht. Alle Familienmitglieder wurden neurologisch untersucht. Um die genetische Ursache zu finden, wurde das Erbgut der Familie analysiert. Dabei kam die sogenannte Ganz-Exom-Sequenzierung zum Einsatz. Diese Methode untersucht alle Gene, die für Proteine kodieren, und sucht nach Veränderungen.
Die Forscher fanden eine neue Mutation im BRF1-Gen. Diese Mutation war bei beiden betroffenen Geschwistern in doppelter Ausführung vorhanden, während die Eltern jeweils eine Kopie trugen. Das gesunde Geschwisterkind hatte keine Mutation. Die Mutation wurde in keiner großen genetischen Datenbank gefunden und war stark konserviert, was auf ihre Bedeutung hinweist. Verschiedene Computerprogramme sagten voraus, dass die Mutation schädlich ist. Die Forscher klassifizierten die Mutation als „wahrscheinlich krankheitsverursachend“.
Die klinischen Merkmale der Geschwister
Die 41-jährige Frau wurde wegen eines akuten Schlaganfalls ins Krankenhaus eingeliefert. Sie zeigte Symptome wie Taubheitsgefühl und Schwäche in den Gliedmaßen, Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit. Schon im Vorschulalter waren bei ihr geistige Beeinträchtigungen und Sprachverzögerungen aufgefallen. Mit zehn Jahren entwickelte sie Muskelschwund in den Beinen. Weitere Probleme waren Bluthochdruck und häufige Infektionen der oberen Atemwege.
Bei der Untersuchung fielen unter anderem geistige Beeinträchtigungen, undeutliche Sprache, schlanke Gliedmaßen mit Fettansammlung am Rumpf und Auffälligkeiten im Gesicht auf. Dazu gehörten spärliche Haare und Augenbrauen, wellenförmige Augenlider, eine flache Nase, tief sitzende Ohren und ein kleiner Unterkiefer. Die Zähne waren auffällig, mit prominenten oberen Schneidezähnen und frühzeitigem Zahnverlust. Sie war kleinwüchsig und hatte lange, schlanke Finger mit einer Krümmung des kleinen Fingers sowie Plattfüße. Ein kleiner Kopf oder eine Wirbelsäulenverkrümmung (Skoliose) wurde nicht beobachtet. Ihr MMSE-Score, ein Test zur Beurteilung der geistigen Fähigkeiten, lag bei fünf.
Ihr 43-jähriger Bruder zeigte ähnliche Symptome. Er war frühgeboren und hatte schon früh motorische und sprachliche Entwicklungsverzögerungen. Er lernte mit zwei Jahren zu laufen und mit drei Jahren zu sprechen. Auch bei ihm trat Muskelschwund in den Beinen auf. Er hatte geistige Beeinträchtigungen, schlanke Gliedmaßen mit Fettansammlung am Rumpf und ähnliche Gesichtsmerkmale wie seine Schwester. Auch er hatte Zahnprobleme und war kleinwüchsig. Sein MMSE-Score lag bei zwölf.
Neue Erkenntnisse
Die Studie zeigt, dass CFDS bei älteren Patienten zusätzliche Merkmale aufweisen kann, die bisher nicht beschrieben wurden. Dazu gehören Muskelschwund in den Gliedmaßen, Fettansammlung am Rumpf, lange, schlanke Finger, Gelenkversteifungen, frühzeitiger Zahnverlust und Plattfüße. Gleichzeitig fehlten bei diesen Patienten Merkmale wie ein kleiner Kopf oder eine Wirbelsäulenverkrümmung, die bei jüngeren Betroffenen häufig beobachtet wurden. Dies deutet darauf hin, dass sich CFDS im Laufe des Lebens unterschiedlich entwickeln kann.
Die Rolle des BRF1-Gens
Das BRF1-Gen befindet sich auf Chromosom 14 und ist wichtig für die Bildung von Proteinen, die an der Zellteilung und -entwicklung beteiligt sind. Es ist besonders aktiv im Gehirn, einschließlich des Kleinhirns, das für Bewegung und Koordination verantwortlich ist. Studien an Zebrafischen haben gezeigt, dass ein Verlust von BRF1 zu einer Verkleinerung des Gehirns führt. Zudem ist BRF1 in verschiedenen Krebsarten überaktiv und wird mit einer schlechten Prognose bei Prostatakrebs und Brustkrebs in Verbindung gebracht.
Fazit
Diese Studie berichtet über eine neue Mutation im BRF1-Gen bei zwei mittelalten Geschwistern mit CFDS. Die Ergebnisse erweitern das Verständnis der Krankheit und zeigen, dass sich CFDS im Laufe des Lebens verändern kann. Die Identifizierung neuer Merkmale ist wichtig für die Diagnose und Behandlung der Erkrankung. Weitere Forschung ist notwendig, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001901
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