Was beeinflusst die Qualität von Eizellen bei der künstlichen Befruchtung?
Die künstliche Befruchtung, auch bekannt als In-vitro-Fertilisation (IVF) oder intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI), ist für viele Paare eine Hoffnung auf ein eigenes Kind. Doch nicht alle Eizellen entwickeln sich zu gesunden Embryonen. Was sind die Faktoren, die die Qualität der Eizellen beeinflussen und wie können sie verbessert werden?
Die Bedeutung der Eizellenqualität
Die Qualität der Eizellen ist entscheidend für den Erfolg der künstlichen Befruchtung. Eine wichtige Kennzahl ist die sogenannte „Eizellen-Nutzungsrate“ (englisch: Oocyte Utility Rate, OUR). Diese Rate zeigt an, wie viele der gewonnenen Eizellen sich zu brauchbaren Embryonen entwickeln, die entweder sofort eingesetzt oder eingefroren werden können. Während das Alter der Frau ein bekannter Faktor für die Eizellenqualität ist, gibt es auch andere Einflüsse, die eine Rolle spielen.
Studie zur Eizellenqualität bei Frauen mit hoher Eizellenzahl
Eine Studie untersuchte IVF/ICSI-Zyklen bei Frauen, bei denen mindestens 15 Eizellen gewonnen wurden. Diese Frauen werden als „High Responder“ bezeichnet. Die Studie analysierte Daten von 453 Patientinnen, die zwischen 2013 und 2019 behandelt wurden. Die Zyklen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: die oberen 10% mit der höchsten OUR (Gruppe A) und die unteren 10% mit der niedrigsten OUR (Gruppe B).
Unterschiede zwischen den Gruppen
Obwohl beide Gruppen ähnlich alt waren und ähnliche Werte bei Körpergewicht, Dauer der Unfruchtbarkeit und Hormonwerten aufwiesen, gab es einige Unterschiede. In Gruppe B gab es mehr Frauen mit Eisprungstörungen oder Endometriose (eine Erkrankung der Gebärmutterschleimhaut). Außerdem wurde in dieser Gruppe häufiger ICSI angewendet. Interessanterweise hatten viele Frauen in Gruppe B einen Rückgang des Hormons Estradiol (E2) während der Stimulationsphase, und bei fast der Hälfte wurde die Stimulation vorzeitig beendet.
Entwicklung der Embryonen
Am dritten Tag nach der Befruchtung waren in Gruppe A 15,8% der Embryonen von guter Qualität, während es in Gruppe B nur 3,7% waren. Gruppe A hatte auch mehr Embryonen mit acht Zellen. Obwohl in beiden Gruppen ähnlich viele Embryonen bis zum Blastozystenstadium (ein fortgeschrittenes Entwicklungsstadium) kultiviert wurden, war die Rate der Blastozystenbildung in Gruppe B deutlich niedriger (7,9% gegenüber 78,1% in Gruppe A). In Gruppe A wurden durchschnittlich 14 Embryonen pro Zyklus eingefroren, in Gruppe B nur zwei.
Ergebnisse bei späteren Behandlungen
In den folgenden Behandlungen mit den eingefrorenen Embryonen erreichte Gruppe A eine klinische Schwangerschaftsrate von 95,3% und eine Lebendgeburtenrate von 90,7%. In Gruppe B lagen diese Raten bei 31,9% bzw. 40,4%.
Faktoren, die die Eizellenqualität beeinflussen
Eine weitere Analyse zeigte, dass frühere IVF/ICSI-Versuche, Unfruchtbarkeit aufgrund von Endometriose und ein Rückgang des E2-Spiegels während der Stimulation mit einer schlechteren OUR verbunden waren. Eine längere Stimulationsdauer hingegen war mit einer besseren OUR verbunden. Im Vergleich zum langen GnRH-Agonisten-Protokoll (eine bestimmte Art der Hormonbehandlung) waren das GnRH-Antagonisten-Protokoll und das Dual-Suppression-Protokoll mit einer höheren OUR verbunden.
Was bedeutet das für die Behandlung?
Die Studie zeigt, dass frühere IVF/ICSI-Versuche die Eizellenqualität beeinträchtigen können. Ein Rückgang des E2-Spiegels während der Stimulation ist ein Risikofaktor, insbesondere bei Frauen mit hoher Eizellenzahl. Endometriose kann die Eizellenqualität und die Befruchtungsrate negativ beeinflussen.
Für Frauen mit hoher Eizellenzahl können das Dual-Suppression-Protokoll und die Einnahme von Antibabypillen vor dem langen GnRH-Agonisten-Protokoll die OUR verbessern. Diese Methoden sind besonders nützlich für Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS), da sie das Verhältnis von luteinisierendem Hormon (LH) zu follikelstimulierendem Hormon (FSH) regulieren und das Risiko eines Überstimulationssyndroms (OHSS) verringern.
Fazit
Die Studie bietet wichtige Einblicke in die Faktoren, die die Eizellenqualität bei der künstlichen Befruchtung beeinflussen. Ärzte sollten bei Patientinnen mit früheren IVF/ICSI-Versuchen, Endometriose oder einem E2-Rückgang während der Stimulation besonders vorsichtig sein. Für Frauen mit hoher Eizellenzahl können das Dual-Suppression-Protokoll und das GnRH-Antagonisten-Protokoll die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung erhöhen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Bedeutung einer individuellen Behandlungsplanung, um den Erfolg der künstlichen Befruchtung zu optimieren.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001356