Was bedeuten helle Flecken im Gehirn bei Lupus?

Was bedeuten helle Flecken im Gehirn bei Lupus? Ein Blick auf die Rolle von Hyperintensen Läsionen der weißen Substanz

Systemischer Lupus erythematodes (SLE) ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, die verschiedene Organe und Systeme im Körper betreffen kann. Besonders beunruhigend sind die neurologischen und psychiatrischen Symptome, die bei 37% bis 90% der Patienten auftreten. Diese Symptome können das zentrale Nervensystem, das periphere Nervensystem und sogar das autonome Nervensystem beeinträchtigen. Sie sind oft mit einer schlechteren Prognose und einer höheren Sterblichkeit verbunden. Eine der wichtigsten Methoden, um diese neurologischen Komplikationen zu untersuchen, ist die Magnetresonanztomographie (MRT). Bei der MRT werden häufig helle Flecken in der weißen Substanz des Gehirns beobachtet. Doch was bedeuten diese Flecken genau? Und wie hängen sie mit dem Krankheitsverlauf bei SLE zusammen?

Was sind hyperintense Läsionen der weißen Substanz?

Hyperintense Läsionen der weißen Substanz (WM-Läsionen) sind Bereiche im Gehirn, die auf MRT-Bildern heller erscheinen als das umgebende Gewebe. Sie werden besonders auf T2-gewichteten und FLAIR-Bildern sichtbar. Diese Läsionen sind bei SLE-Patienten sehr häufig und werden in 49% bis 70% der Fälle beobachtet. Obwohl sie die häufigsten MRT-Befunde bei SLE sind, sind sie oft unspezifisch. Das bedeutet, dass sie auch bei Patienten auftreten können, die keine neurologischen Symptome haben.

Wo treten diese Läsionen auf?

Die meisten dieser Läsionen befinden sich in der Nähe der Hirnkammern (periventrikulär) oder in der äußeren Schicht des Gehirns (subkortikal). Die genaue Ursache dieser Läsionen bei SLE ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass sie auf eine Kombination von Faktoren zurückzuführen sind, wie Entzündungen, Durchblutungsstörungen oder Schäden an den Nervenfasern.

Was zeigen diese Läsionen im Gehirn?

Histopathologisch gesehen, handelt es sich bei diesen Läsionen um Bereiche, in denen die Myelinschicht (die Isolierung der Nervenfasern) beschädigt ist. Es kommt auch zu einem Verlust von Nervenfasern und einer Vermehrung von Gliazellen (Zellen, die das Nervengewebe unterstützen). Doch was bedeutet das für den Patienten? Studien haben gezeigt, dass diese Läsionen mit verschiedenen Faktoren in Verbindung stehen können, wie zum Beispiel:

  • Alter
  • Gehirninfarkte
  • Antiphospholipid-Antikörper (Autoantikörper, die das Blutgerinnungssystem beeinflussen)
  • Aktive Krankheitsphasen
  • Neuropsychiatrischer Lupus (NPSLE)
  • Kognitive Störungen
  • Bluthochdruck

Studie: Merkmale und klinische Bedeutung der Läsionen

Eine kürzlich durchgeführte Studie hat die Merkmale dieser Läsionen und ihre klinische Bedeutung bei SLE-Patienten genauer untersucht. Die Studie basierte auf Daten von 1191 SLE-Patienten, die zwischen Juli 2016 und Januar 2020 in der Abteilung für Rheumatologie und Immunologie des Peking University People’s Hospital behandelt wurden. Von diesen Patienten unterzogen sich 273 einer MRT des Gehirns. Die Patienten wurden in zwei Gruppen eingeteilt: solche mit und ohne hyperintense WM-Läsionen.

Ergebnisse der Studie

Die Studie ergab, dass 35,9% der Patienten mit MRT-Befunden hyperintense WM-Läsionen hatten. Diese Läsionen wurden in drei Kategorien eingeteilt:

  • Typ A: Fleckige oder längliche Läsionen in der Nähe der Hirnkammern.
  • Typ B: Fokale und fleckige Läsionen in der äußeren Schicht des Gehirns.
  • Typ C: Mehrere kleine, punktuelle oder fleckige Läsionen im gesamten Gehirn.

Typ C war die häufigste Form, gefolgt von Typ A. Typ B war am seltensten. Patienten mit einer Kombination aus Typ A und C waren häufiger von Bluthochdruck und Nervenschäden betroffen. Sie hatten auch eine längere Krankheitsdauer und waren bei Krankheitsbeginn älter.

Klinische Merkmale

Patienten mit hyperintensen WM-Läsionen zeigten häufiger neuropsychiatrische Symptome (NPSLE), Lupusnephritis (LN, Nierenbeteiligung), Bluthochdruck und erhöhte Harnsäurewerte (Hyperurikämie). Sie hatten auch häufiger Flüssigkeitsansammlungen in verschiedenen Körperhöhlen (Polyserositis) und Herzprobleme. Zudem wiesen sie häufiger Schäden durch die Krankheit auf und hatten höhere Werte von CD8+ T-Zellen (eine Art von Immunzellen).

Laborbefunde

Patienten mit hyperintensen WM-Läsionen hatten häufiger Protein im Urin (Proteinurie) und höhere Werte von CD8+ T-Zellen. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede bei den Antikörpern wie Antiphospholipid-Antikörpern, Anti-dsDNA oder Anti-Sm.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Die Studie zeigt, dass hyperintense WM-Läsionen bei SLE-Patienten häufig sind und mit systemischen Komplikationen wie NPSLE und Lupusnephritis verbunden sind. Besonders Patienten mit erhöhten Harnsäurewerten oder hohen CD8+ T-Zell-Werten sollten auf das Vorhandensein dieser Läsionen untersucht werden. Diese Erkenntnisse können helfen, das Risiko für neurologische Komplikationen besser einzuschätzen und die Behandlung entsprechend anzupassen.

Einschränkungen der Studie

Die Studie hat einige Einschränkungen. Zum Beispiel wurden die Daten rückblickend gesammelt, und es handelte sich um eine Einrichtungsstudie. Zudem waren viele der Patienten bereits wegen neuropsychiatrischer Symptome in Behandlung. Weitere, größere Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und zu vertiefen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002074

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