Warum sterben so viele Patienten zu Beginn der Dialyse?
Die Dialyse ist eine lebensrettende Behandlung für Menschen mit schwerer Niereninsuffizienz. Doch trotz moderner Technologien ist die Sterberate bei Patienten, die mit der Dialyse beginnen, erschreckend hoch. Was sind die Gründe dafür, und wie können wir das Risiko verringern?
Die Studie: Wer wurde untersucht?
In einer Studie am Zentrum für Dialyse des West China Hospital in Sichuan, China, wurden Patienten untersucht, die zwischen Juli 2013 und Juli 2018 mit der Dialyse begannen. Die Forscher analysierten die Daten von 311 Patienten, die regelmäßig drei Mal pro Woche für vier Stunden dialysiert wurden. Patienten unter 18 Jahren, solche mit unvollständigen Krankenakten oder schweren Herzerkrankungen wurden ausgeschlossen.
Wer waren die Patienten?
Die meisten Patienten waren Männer (57%), mit einem Durchschnittsalter von 53 Jahren. Viele hatten Diabetes (75%) und nutzten eine sogenannte arteriovenöse Fistel (77%), eine Verbindung zwischen Arterie und Vene, die für die Dialyse benötigt wird. Bei 15% der Patienten wurde zu Beginn der Dialyse eine Lungenentzündung festgestellt. Die Laborwerte zeigten im Durchschnitt einen niedrigen Hämoglobinwert (90,0 ± 21,0 g/L), erhöhte Harnstoffwerte (24,4 ± 11,5 mmol/L) und einen niedrigen Albuminspiegel (39,4 ± 6,1 g/L).
Was waren die Todesursachen?
Innerhalb des Beobachtungszeitraums starben 33 Patienten (11%). Die häufigste Todesursache waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen (55%), gefolgt von Lungenentzündungen (15%). Mehrfachorganversagen und Magen-Darm-Blutungen waren jeweils für 12% der Todesfälle verantwortlich, während Krebskomplikationen 6% ausmachten.
Wie beeinflusst eine Lungenentzündung die Überlebenszeit?
Patienten mit einer Lungenentzündung hatten eine deutlich kürzere Überlebenszeit als Patienten ohne diese Erkrankung. Obwohl die mittlere Überlebenszeit in beiden Gruppen nicht erreicht wurde, zeigten die Daten, dass eine Lungenentzündung ein starker Risikofaktor für einen frühen Tod ist.
Welche Faktoren erhöhen das Sterberisiko?
Die Analyse ergab mehrere Faktoren, die mit einem höheren Sterberisiko verbunden waren:
- Alter: Jedes zusätzliche Lebensjahr erhöhte das Risiko um 2,8%.
- Lungenentzündung: Patienten mit einer Lungenentzündung hatten ein dreifach höheres Risiko zu sterben.
- Cholesterin: Ein höherer Cholesterinspiegel erhöhte das Risiko um 44% pro 1 mmol/L.
Andererseits schützten eine längere Dialysedauer und höhere Albuminwerte vor einem frühen Tod.
Was führt zu häufigen Krankenhausaufenthalten?
Lungenentzündungen und höheres Alter waren die Hauptgründe für Krankenhausaufenthalte. Eine Lungenentzündung verdreifachte die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus zu müssen, während jedes Lebensjahr das Risiko um 4,1% erhöhte.
Warum sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen so gefährlich?
Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren für mehr als die Hälfte der Todesfälle verantwortlich. Dies liegt wahrscheinlich daran, dass Patienten mit Nierenversagen oft zusätzliche Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes haben. Auch das Alter spielt eine Rolle, da ältere Patienten anfälliger für Herzprobleme sind.
Cholesterin: Ein paradoxer Risikofaktor
Im Gegensatz zur Allgemeinbevölkerung, wo hohes Cholesterin hauptsächlich Arteriosklerose verursacht, könnte es bei Dialysepatienten ein Zeichen für Mangelernährung und Entzündungen sein. Dies macht die Behandlung von hohem Cholesterin bei diesen Patienten besonders schwierig.
Albumin: Ein Indikator für Ernährung und Gesundheit
Niedrige Albuminwerte, ein Zeichen für Mangelernährung und Entzündungen, waren mit einem höheren Sterberisiko verbunden. Jede Verringerung des Albuminspiegels um 1 g/L erhöhte das Risiko um 6,3%. Dies unterstreicht die Bedeutung einer guten Ernährung und der Kontrolle von Entzündungen.
Lungenentzündung: Ein vermeidbares Risiko
Lungenentzündungen waren eine häufige Todesursache und führten oft zu Krankenhausaufenthalten. Patienten mit Nierenversagen sind anfälliger für Infektionen, da ihr Immunsystem geschwächt ist. Impfungen, sorgfältige Flüssigkeitskontrolle und schnelle Antibiotikabehandlung könnten helfen, dieses Risiko zu verringern.
Grenzen der Studie
Die Studie hat einige Einschränkungen. Sie wurde nur in einem Krankenhaus durchgeführt, und die Anzahl der untersuchten Patienten war relativ klein. Zudem wurden Faktoren wie der sozioökonomische Status oder die Einhaltung der Medikamenteneinnahme nicht berücksichtigt. Weitere Studien sind notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen und auf andere Bevölkerungsgruppen zu übertragen.
Fazit
Die Studie zeigt, dass Alter, Lungenentzündungen und hohes Cholesterin wichtige Risikofaktoren für den Tod bei Dialysepatienten sind. Gleichzeitig schützen eine längere Dialysedauer und höhere Albuminwerte vor einem frühen Tod. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Infektionen sind die Haupttodesursachen, was die Notwendigkeit einer umfassenden Betreuung unterstreicht. Prävention, gute Ernährung und die Behandlung von Risikofaktoren sind entscheidend, um die Überlebenschancen dieser Patienten zu verbessern.
doi:10.1097/CM9.0000000000000719
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