Warum sterben immer mehr Menschen an Lungenkrebs in den BRICS-Ländern?

Warum sterben immer mehr Menschen an Lungenkrebs in den BRICS-Ländern?

Lungenkrebs, auch bekannt als Tracheal-, Bronchial- und Lungenkrebs (TBL), ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen durch Krebs. Besonders in den BRICS-Ländern – Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika – steigt die Zahl der Todesfälle dramatisch an. Diese Länder beherbergen fast die Hälfte der Weltbevölkerung und spielen eine entscheidende Rolle bei der Erreichung globaler Gesundheitsziele. Doch warum nimmt die Sterblichkeit durch Lungenkrebs in diesen Ländern so stark zu? Und was kann dagegen getan werden?

Daten und Methoden

Die Studie stützt sich auf Daten der Global Burden of Disease (GBD) Studie 2019. Diese liefert umfassende Schätzungen zur Sterblichkeit nach Ursache, Alter, Geschlecht und Land. Um die Trends zu analysieren, wurden sogenannte Alters-Perioden-Kohorten-Modelle (APC) verwendet. Diese Modelle helfen zu verstehen, wie sich das Alter, zeitliche Veränderungen und generelle Risiken auf die Sterblichkeit auswirken.

Die Studie untersuchte Daten aus 17 Geburtsjahrgängen (1915–1999) und sechs Zeiträumen von je fünf Jahren (1990–2019). Dabei wurden spezifische Kennzahlen wie die Netto-Veränderung (jährliche prozentuale Veränderung der altersbereinigten Sterblichkeit) und lokale Veränderungen (altersspezifische jährliche Veränderungen) berechnet.

Die wichtigsten Ergebnisse

Allgemeine Trends bei Lungenkrebs-Todesfällen

Zwischen 1990 und 2019 stieg der Anteil der BRICS-Länder an den globalen Lungenkrebs-Todesfällen von 34,8 % auf 46,9 %. Die Gesamtzahl der Todesfälle stieg um 158,4 % von 370.800 auf 958.300. Der Anteil der Todesfälle durch Lungenkrebs an allen Todesursachen verdoppelte sich von 1,9 % auf 4,0 %.

Während die altersstandardisierte Sterblichkeitsrate (ASMR) in den BRICS-Ländern insgesamt leicht sank (–0,7 %), gab es große Unterschiede zwischen den Ländern:

  • Russland verzeichnete den stärksten Rückgang (–29,6 %).
  • Brasilien und Südafrika sahen moderate Rückgänge (–12,2 % bzw. –11,9 %).
  • China und Indien erlebten einen Anstieg der ASMR (+22,4 % bzw. +15,7 %).

Altersspezifische Sterblichkeitsmuster

In den meisten Ländern stieg die Sterblichkeit mit dem Alter. In Russland jedoch stagnierten oder sanken die Risiken bei älteren Menschen (≥70 Jahre). 2019 zeigte China den steilsten Anstieg der Sterblichkeit bei Menschen über 65 Jahren. In Indien stieg die Sterblichkeit bei jüngeren Männern (35–54 Jahre), während in Südafrika und Brasilien ältere Frauen (≥65 Jahre) ein höheres Risiko hatten.

Zeitliche und generationsspezifische Effekte

Zeitliche Effekte (Veränderungen, die alle Altersgruppen betreffen) variierten stark:

  • In Russland, Brasilien und Südafrika gab es positive Trends mit sinkenden Sterblichkeitsraten nach 2000–2004.
  • In China und Indien waren die Muster gemischt: China zeigte kürzlich sinkende Raten, während in Indien die Risiken für Frauen weiter stiegen.

Generationsspezifische Effekte (Risiken, die mit bestimmten Geburtsjahrgängen verbunden sind) zeigten wichtige Erkenntnisse:

  • China: Steigende Risiken für Jahrgänge nach 1995.
  • Indien: Sinkende Risiken für Männer nach 1990 und Frauen nach 1995.
  • Brasilien: Steigende Risiken für Männer nach 1985 und Frauen nach 1980.
  • Südafrika: Steigende Risiken für Männer nach 1995.
  • Russland: Stetige Verbesserungen für alle Jahrgänge nach 1930.

Länder-spezifische Analyse

China: Die größte und am schnellsten wachsende Belastung

China war 2019 für 37,7 % der globalen Lungenkrebs-Todesfälle verantwortlich. Die ASMR stieg seit 1990 um 22,4 %. Dies ist auf die hohe Raucherquote (44 % des globalen Tabakkonsums) und die starke Luftverschmutzung zurückzuführen. Trotz sinkender Raucherquoten bei jüngeren Jahrgängen bleiben die Risiken für Jahrgänge nach 1995 hoch.

Indien: Steigende Sterblichkeit, aber erste Anzeichen von Fortschritt

Die Lungenkrebs-Sterblichkeit in Indien stieg um 15,7 %, getrieben durch Tabakkonsum und Umweltverschmutzung. Allerdings zeigten Jahrgänge nach 1990 (Männer) und 1995 (Frauen) sinkende Risiken, wahrscheinlich aufgrund von Tabakkontrollmaßnahmen wie dem Gesetz von 2003.

Russland: Eine Erfolgsgeschichte im Bereich der öffentlichen Gesundheit

Russland verzeichnete den stärksten Rückgang der ASMR (–29,6 %). Dies ist auf strenge Tabakkontrollmaßnahmen zurückzuführen, die die Raucherquote zwischen 2009 und 2016 um 21,5 % senkten.

Brasilien und Südafrika: Stagnierende Fortschritte bei gefährdeten Gruppen

Brasilien verzeichnete einen Rückgang der ASMR um 12,2 %, doch steigende Risiken bei jüngeren Männern und älteren Frauen deuten auf stagnierende Fortschritte hin. Südafrika sah einen Rückgang um 11,9 %, doch Männer nach 1995 stehen vor steigenden Risiken, wahrscheinlich aufgrund von Passivrauchen.

Diskussion und Empfehlungen

Unterschiedliche Entwicklungen und zugrunde liegende Faktoren

Die BRICS-Länder zeigen, wie sozioökonomische, politische und Umweltfaktoren die Lungenkrebs-Sterblichkeit beeinflussen. In China und Indien führen Industrialisierung und verzögerte Tabakkontrolle zu steigenden Zahlen. Russland hingegen zeigt, wie frühzeitige und konsequente Maßnahmen wirken können. Brasilien und Südafrika verdeutlichen die Herausforderungen, Fortschritte in einer sich verändernden Demografie aufrechtzuerhalten.

Empfehlungen

  1. Tabakkontrolle: Beschleunigung der Umsetzung von WHO-Maßnahmen, insbesondere in China und Indien.
  2. Luftqualitätsmanagement: Stärkere Regulierung von Industrie- und Verkehrsemissionen in städtischen Gebieten.
  3. Früherkennung und Behandlung: Ausweitung von Screening-Programmen für Risikogruppen und Verbesserung des Zugangs zu Therapien.
  4. Geschlechtsspezifische Maßnahmen: Gezielte Kampagnen zur Reduzierung der Sterblichkeit bei Frauen in Indien, Brasilien und Südafrika.

Fazit

Die BRICS-Länder stehen vor einer komplexen Herausforderung im Kampf gegen Lungenkrebs. Während Russland zeigt, was durch politische Maßnahmen erreicht werden kann, kämpfen China und Indien mit den Folgen von Industrialisierung und verzögerten Interventionen. Brasilien und Südafrika verdeutlichen, wie wichtig kontinuierliche Investitionen in die öffentliche Gesundheit sind. Nur durch koordinierte Anstrengungen zur Reduzierung von Tabakkonsum, Umweltverschmutzung und durch den Ausbau des Gesundheitswesens können diese Länder die globalen Gesundheitsziele erreichen.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002977

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