Warum steigt die Zahl der Leberkrebsfälle in den USA, während sie in China sinkt?

Warum steigt die Zahl der Leberkrebsfälle in den USA, während sie in China sinkt?

Leberkrebs ist eine der gefährlichsten Krebsarten weltweit. Aber warum gibt es so große Unterschiede zwischen China und den USA? In China geht die Zahl der Neuerkrankungen zurück, während sie in den USA immer weiter steigt. Was steckt dahinter?

Die weltweite Belastung durch Leberkrebs

Im Jahr 2020 waren China und die USA die Länder mit den meisten neuen Leberkrebsfällen. China hatte 211.000 neue Fälle, was 39,4 % der weltweiten Fälle ausmachte. Die USA kamen auf 28.000 Fälle, also 5,2 %. Männer waren besonders betroffen: In China machten sie 75,8 % der Fälle aus, in den USA 71,9 %.

In China sank die Zahl der Fälle bis 2005, blieb dann aber stabil. In den USA stieg sie dagegen kontinuierlich an. Diese Unterschiede zeigen, wie verschiedene Risikofaktoren und Maßnahmen zur Vorbeugung die Entwicklung beeinflussen.

Die wichtigsten Ursachen für Leberkrebs

Hepatitis-Viren und Impfungen

In China war das Hepatitis-B-Virus (HBV) lange die Hauptursache für Leberkrebs. Doch dank Impfprogrammen, die in den 1980er Jahren eingeführt wurden, hat sich die Situation verbessert. Besonders bei Frauen ging die Zahl der HBV-bedingten Fälle stark zurück – um 6,16 % pro Jahr.

In den USA dagegen stieg die Zahl der Fälle, die auf das Hepatitis-C-Virus (HCV) zurückgehen, um 165 % zwischen 1990 und 2019. Viele Menschen wurden spät diagnostiziert und hatten keinen Zugang zu modernen Medikamenten, den sogenannten DAAs (direkt wirkende antivirale Medikamente).

Trotz Fortschritten in China gibt es noch Probleme: Bis 2019 wurden nur 19 % der chronischen HBV-Fälle erkannt. Bessere Früherkennung ist dringend nötig.

Lebensstilbedingte Faktoren

In beiden Ländern wird Leberkrebs immer häufiger durch Fettlebererkrankungen (NASH) verursacht. In den USA stieg die Zahl der NASH-bedingten Fälle bei Männern um 168 % in 30 Jahren. Grund sind die zunehmende Fettleibigkeit und Stoffwechselstörungen.

Auch Alkohol spielt eine große Rolle. In den USA stieg die Zahl der alkoholbedingten Leberkrebsfälle bei Männern um 158 %. In China führen ähnliche Probleme wie Alkoholkonsum und Bewegungsmangel zu einem Anstieg der Fälle.

Wie Alter, Zeit und Geburtsjahr die Entwicklung beeinflussen

Gesamttrends und Altersgruppen

In China sank die Zahl der Leberkrebsfälle insgesamt um 4,52 % pro Jahr bei Männern und 5,95 % bei Frauen. In den USA stieg sie dagegen um 2,44 % bei Männern und 2,13 % bei Frauen.

  • China: Der stärkste Rückgang wurde bei Männern im Alter von 53 Jahren (−5,2 %/Jahr) und Frauen im Alter von 33 Jahren (−6,6 %/Jahr) beobachtet. Dies zeigt die positiven Auswirkungen der HBV-Impfung.
  • USA: Der stärkste Anstieg wurde bei Männern im Alter von 58 Jahren beobachtet (+4,5 %/Jahr). Dies liegt an der Generation der Babyboomer, die stärker von HCV und ungesundem Lebensstil betroffen ist.

Einflüsse der Zeit und Geburtsjahrgänge

Seit 2012 gibt es Unterschiede in der Entwicklung. In China stagnierte der Rückgang der HBV-Fälle, während alkohol- und NASH-bedingte Fälle zunahmen. In den USA verlangsamte sich der Anstieg der HCV-Fälle, da DAAs eingeführt wurden. Doch die hohen Kosten der Medikamente bremsten den Fortschritt.

  • China: Geburtsjahrgänge nach 1915 hatten ein geringeres Risiko, dank Impfungen und besserer Ernährung.
  • USA: Geburtsjahrgänge nach 1975 hatten ein höheres Risiko durch HCV, Alkohol und Stoffwechselerkrankungen.

Was bedeutet das für die öffentliche Gesundheit?

Die doppelte Herausforderung in China

China hat Erfolge im Kampf gegen HBV erzielt, aber der ungesunde Lebensstil wird zum Problem. Über 20 % der Erwachsenen haben Leberprobleme, und NASH nimmt zu. Besonders in ländlichen Gebieten gibt es Lücken bei der Diagnose von HBV und HCV. Mehr Vorsorgeuntersuchungen, bessere Versorgung mit Medikamenten und strengere Regeln für Alkoholwerbung sind nötig.

Die Situation in den USA

In den USA gibt es große Unterschiede zwischen Bevölkerungsgruppen. Minderheiten und sozial Schwächere sind stärker betroffen. DAAs haben die HCV-Sterblichkeit gesenkt, aber die hohen Kosten (66.000–154.000 $ pro Behandlung) sind ein Hindernis. Seit 2020 wird eine allgemeine HCV-Testung empfohlen, und seit 2009 werden Schwangere auf HBV getestet. Doch mehr muss getan werden, um Fettleibigkeit und Alkoholmissbrauch zu bekämpfen, zum Beispiel durch Steuern auf Zucker und strengere Werberegeln.

Was können wir daraus lernen?

Beide Länder zeigen, wie schwierig es ist, sowohl Virusinfektionen als auch Lebensstilbedingte Krankheiten zu bekämpfen. Chinas Erfolg mit HBV-Impfungen ist ein Vorbild für andere Länder. Die USA zeigen, wie wichtig ein fairer Zugang zu Medikamenten ist. Neue Herausforderungen wie NASH erfordern mehr Forschung, denn es gibt noch keine zugelassenen Medikamente gegen NASH-bedingte Leberschäden.

Fazit

Die Analyse zeigt, wie Alter, Zeit und Geburtsjahr die Entwicklung von Leberkrebs beeinflussen. In China muss der Rückgang der Virushepatitis fortgesetzt werden, während der ungesunde Lebensstil bekämpft wird. In den USA müssen die Ungleichheiten im Gesundheitssystem verringert und die Risiken durch Stoffwechselerkrankungen gesenkt werden. Beide Länder brauchen integrierte Strategien, um die Belastung durch Leberkrebs zu verringern.

For educational purposes only.
doi:10.1097/CM9.0000000000001980

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