Warum steigt die Zahl der Beckenbodenoperationen in China? Ein Blick auf die letzten 14 Jahre
Haben Sie schon einmal von Beckenbodensenkungen gehört? Viele Frauen leiden darunter, doch nur wenige sprechen offen darüber. Beckenbodensenkungen, auch bekannt als Pelvic Organ Prolapse (POP), sind ein häufiges Problem. Betroffene Frauen haben oft das Gefühl, dass ihre inneren Organe nach unten rutschen. Das kann sehr unangenehm sein und den Alltag stark beeinträchtigen. In den letzten Jahren hat sich die Behandlung von POP in China stark verändert. Eine Studie hat untersucht, wie sich die Operationen in den letzten 14 Jahren entwickelt haben. Was hat sich verändert? Und warum?
Was ist eine Beckenbodensenkung?
Eine Beckenbodensenkung tritt auf, wenn die Muskeln und Bänder, die die Organe im Becken halten, schwächer werden. Dadurch können die Blase, die Gebärmutter oder der Darm nach unten sinken. Viele Frauen spüren dann ein Druckgefühl im Unterleib oder haben Probleme beim Wasserlassen. Manche haben sogar das Gefühl, dass etwas aus der Scheide herausrutscht. Das kann sehr belastend sein und die Lebensqualität stark einschränken.
Wie wird eine Beckenbodensenkung behandelt?
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Beckenbodensenkung zu behandeln. Nicht immer ist eine Operation nötig. Manchmal helfen schon spezielle Übungen für die Beckenbodenmuskulatur oder ein Pessar, ein kleines Gerät, das in die Scheide eingesetzt wird und die Organe stützt. Wenn diese Methoden nicht ausreichen, kann eine Operation notwendig sein. Dabei gibt es unterschiedliche Verfahren. Einige verwenden körpereigenes Gewebe, andere nutzen ein künstliches Netz (synthetic mesh), um die Organe zu stützen.
Was hat die Studie herausgefunden?
Die Studie hat Daten von 44.594 Frauen aus 22 Krankenhäusern in China ausgewertet. Der Zeitraum umfasste 14 Jahre, von Oktober 2004 bis September 2018. Die Forscher wollten wissen, wie sich die Zahl der Operationen und die Art der Verfahren in dieser Zeit verändert haben. Ein besonderer Fokus lag auf dem Jahr 2011, als die chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie (Chinese Association of Urogynecology) die Überwachung der Operationen verstärkte.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Zahl der Beckenbodenoperationen in den letzten 14 Jahren stark gestiegen ist. Zwischen 2011 und 2018 wurden mehr als doppelt so viele Operationen durchgeführt wie zwischen 2004 und 2011. Besonders auffällig war die Zunahme von Operationen, bei denen ein künstliches Netz verwendet wurde. Der Anteil dieser Verfahren stieg von 38,1% auf 46,0%. Gleichzeitig ging der Anteil der Operationen ohne Netz von 61,9% auf 54,0% zurück.
Warum werden mehr künstliche Netze verwendet?
Es gibt mehrere Gründe, warum die Verwendung von künstlichen Netzen in China zugenommen hat. Erstens wird das Problem der Beckenbodensenkungen heute besser erkannt. Immer mehr Frauen suchen Hilfe und lassen sich operieren. Zweitens gibt es mehr Ärzte, die auf Beckenbodenoperationen spezialisiert sind. Die chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie hat seit ihrer Gründung im Jahr 2005 viel dafür getan, die Ausbildung von Fachärzten zu fördern. Drittens haben internationale Zusammenarbeit und neue Techniken aus dem Ausland die Verbreitung von Netzen beschleunigt. Viertens gibt es mehr Schulungen für Ärzte, die diese Verfahren durchführen. Schließlich haben einige Studien gezeigt, dass Operationen mit Netzen in bestimmten Fällen bessere Ergebnisse erzielen können.
Welche Rolle spielt die Überwachung?
Die verstärkte Überwachung seit 2011 hat dazu beigetragen, die Sicherheit der Operationen zu verbessern. Die chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie hat Richtlinien entwickelt, um Risiken zu minimieren. Dazu gehören eine sorgfältige Auswahl der Patienten, gründliche Voruntersuchungen, spezielle Schulungen für Chirurgen und eine gute Operationstechnik. Diese Maßnahmen sollen helfen, Komplikationen zu vermeiden.
Welche Verfahren sind besonders beliebt?
Innerhalb der Operationen mit künstlichen Netzen hat sich die Art der Verfahren verändert. Die sogenannte transvaginale Netzplatzierung (TVM), bei der das Netz durch die Scheide eingesetzt wird, wurde seltener. Ihr Anteil sank von 94,1% auf 82,2%. Stattdessen wurde die laparoskopische Sakrokolpopexie (LSC) immer häufiger durchgeführt. Bei dieser Methode wird das Netz durch kleine Schnitte im Bauchraum eingesetzt. Der Anteil der LSC-Operationen stieg von 5,9% auf 17,8%.
Warum wird LSC bevorzugt?
Die laparoskopische Sakrokolpopexie hat mehrere Vorteile. Sie ist weniger invasiv, das bedeutet, es gibt weniger Schnitte und die Heilung geht schneller. Studien haben gezeigt, dass LSC ähnlich erfolgreich ist wie TVM, aber mit weniger Nebenwirkungen. Zum Beispiel treten bei LSC seltener Blutungen, Blasenverletzungen oder Schmerzen nach der Operation auf. Außerdem bleibt die sexuelle Funktion oft besser erhalten, und die Patienten können das Krankenhaus schneller verlassen.
Wie sieht es in anderen Ländern aus?
Die Verwendung von künstlichen Netzen in der Behandlung von Beckenbodensenkungen ist weltweit umstritten. In den USA hat die Food and Drug Administration (FDA) bereits 2008 und 2011 vor den Risiken von TVM gewarnt. In Ländern wie Australien, Neuseeland und Großbritannien wurde die Verwendung von Scheidennetzen eingeschränkt oder sogar ausgesetzt. In China wird die Diskussion weitergeführt. Während die Zahl der TVM-Operationen zurückgeht, steigt die Zahl der LSC-Operationen. Dies zeigt, dass sich die chirurgische Praxis verändert.
Was sind die Grenzen der Studie?
Die Studie hat einige Einschränkungen. Die Daten stammen nur von 22 Krankenhäusern und sind daher möglicherweise nicht repräsentativ für ganz China. Außerdem können die Vorlieben und Fähigkeiten der Chirurgen die Art der durchgeführten Operationen beeinflusst haben. Die Studie enthielt auch keine detaillierten Informationen über die Patienten, frühere Behandlungen oder langfristige Ergebnisse. Schließlich wurden konservative Behandlungen wie Pessare oder Beckenbodenübungen nicht berücksichtigt, obwohl sie wichtige Bestandteile der Behandlung sind.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Studie zeigt, dass die Zahl der Beckenbodenoperationen in China in den letzten 14 Jahren stark gestiegen ist. Besonders die Verwendung von künstlichen Netzen, insbesondere LSC, hat zugenommen. Die chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie hat eine wichtige Rolle gespielt, um die Sicherheit dieser Operationen zu verbessern. Es ist wichtig, dass die Forschung, die Ausbildung der Ärzte und die Überwachung der Operationen weitergeführt werden. In Zukunft sollten auch langfristige Ergebnisse, die Vorlieben der Patienten und konservative Behandlungen stärker berücksichtigt werden.
Fazit
Die Behandlung von Beckenbodensenkungen in China hat sich in den letzten 14 Jahren stark verändert. Die Zahl der Operationen ist gestiegen, und künstliche Netze werden immer häufiger verwendet. Dabei hat die laparoskopische Sakrokolpopexie an Bedeutung gewonnen, während die transvaginale Netzplatzierung zurückgeht. Die chinesische Gesellschaft für Urogynäkologie hat dazu beigetragen, die Sicherheit der Operationen zu verbessern. Es bleibt wichtig, die Entwicklung weiter zu beobachten und die Behandlung von Beckenbodensenkungen stetig zu verbessern.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001237