Warum schwindet das Sehvermögen im Alter? Neue Erkenntnisse zur altersbedingten Makuladegeneration
Immer mehr Menschen leiden im Alter unter Sehverlust. Eine der Hauptursachen ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Doch was genau passiert im Auge, und warum ist die AMD so schwer zu behandeln? Neue Forschungen haben jetzt wichtige Gene entdeckt, die bei der Entstehung dieser Krankheit eine Rolle spielen. Diese Erkenntnisse könnten den Weg für neue Therapien ebnen.
Was ist AMD?
Die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist eine Erkrankung der Netzhaut, die vor allem ältere Menschen betrifft. Sie führt dazu, dass das zentrale Sehfeld langsam verschwindet. Betroffene können dann zum Beispiel Gesichter nicht mehr erkennen oder haben Schwierigkeiten beim Lesen. Es gibt zwei Formen der AMD: die frühe und die späte. Bei der frühen AMD sammeln sich Ablagerungen, sogenannte Drusen, in der Netzhaut an. Die späte AMD kann entweder zu neuen Blutgefäßen unter der Netzhaut führen oder zu einem Verlust von Netzhautgewebe.
Die Rolle der Netzhautpigmentschicht
Eine Schlüsselrolle bei der AMD spielt die Netzhautpigmentschicht (RPE). Diese Schicht schützt die Netzhaut und hilft, Nährstoffe zu transportieren und Abfallstoffe zu entfernen. Wenn die RPE geschädigt wird, sterben die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut ab. Dies führt zu Sehverlust. Forscher haben herausgefunden, dass die Alterung der RPE-Zellen ein wichtiger Faktor bei der Entstehung der AMD ist.
Gene, die die AMD beeinflussen
In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler untersucht, welche Gene in der RPE bei AMD-Patienten anders aktiv sind als bei gesunden Menschen. Sie fanden 174 Gene, die bei AMD-Patienten entweder stärker oder schwächer aktiv waren. Diese Gene sind vor allem an der Regulierung der Zellteilung und dem Abbau von Proteinen beteiligt.
Die wichtigsten Gene: HSP90AA1, CHEK1 und Proteasom-Komponenten
Unter den identifizierten Genen stachen fünf besonders hervor: HSP90AA1, CHEK1, PSMA4, PSMD4 und PSMD8. Diese Gene waren in gealterten RPE-Zellen besonders aktiv. HSP90AA1 ist ein Gen, das für ein Protein namens Hsp90 kodiert. Hsp90 hilft anderen Proteinen, sich richtig zu falten und stabil zu bleiben. CHEK1 ist ein Gen, das an der Kontrolle der Zellteilung beteiligt ist. PSMA4, PSMD4 und PSMD8 sind Teile des Proteasoms, einer Art „Müllabfuhr“ der Zelle, die beschädigte Proteine abbaut.
Warum sind diese Gene wichtig?
Die erhöhte Aktivität dieser Gene in gealterten RPE-Zellen deutet darauf hin, dass sie bei der Entstehung der AMD eine Rolle spielen. Hsp90 ist zum Beispiel bereits als Ziel für AMD-Therapien im Gespräch. CHEK1 könnte wichtig sein, weil es die Zellteilung kontrolliert und damit den Alterungsprozess beeinflusst. Die Proteasom-Komponenten sind entscheidend für den Abbau von beschädigten Proteinen, der bei AMD gestört zu sein scheint.
Experimente mit Zellkulturen
Um die Rolle dieser Gene genauer zu untersuchen, haben die Forscher RPE-Zellen im Labor gezielt altern lassen. Sie verwendeten dazu einen Wirkstoff namens FK866, der den NAD+-Spiegel in den Zellen senkt. NAD+ ist ein Molekül, das für die Energieproduktion in Zellen wichtig ist. Die Behandlung mit FK866 führte dazu, dass die Gene HSP90AA1, CHEK1, PSMA4, PSMD4 und PSMD8 in den Zellen stärker aktiv wurden. Dies bestätigt ihre Rolle bei der Alterung der RPE-Zellen und der Entstehung der AMD.
Mögliche Therapieansätze
Die Forscher haben auch untersucht, ob es Wirkstoffe gibt, die diese Gene gezielt beeinflussen könnten. Hsp90-Hemmer wie Geldanamycin haben in klinischen Studien bereits vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Ein Wirkstoff namens BX795, der CHEK1 hemmt, könnte Entzündungen reduzieren und ist sicher für die Anwendung am Auge. Bortezomib, ein Proteasom-Hemmer, wird bereits in der Krebstherapie eingesetzt und könnte auch bei AMD wirksam sein.
Die Rolle von MicroRNAs
Neben Wirkstoffen haben die Forscher auch MicroRNAs (miRNAs) untersucht. miRNAs sind kleine Moleküle, die die Aktivität von Genen regulieren können. Sie fanden heraus, dass eine bestimmte miRNA, hsa-miR-16-5p, die Aktivität der Gene HSP90AA1, CHEK1, PSMD4 und PSMD8 beeinflussen könnte. Diese miRNA könnte also ein neuer Ansatzpunkt für die Behandlung der AMD sein.
Zusammenfassung
Diese Studie zeigt, dass die Gene HSP90AA1, CHEK1, PSMA4, PSMD4 und PSMD8 eine wichtige Rolle bei der Entstehung der AMD spielen. Sie sind an der Alterung der RPE-Zellen beteiligt, die wiederum zur Sehverschlechterung führt. Die gezielte Beeinflussung dieser Gene durch Wirkstoffe oder miRNAs könnte neue Therapien ermöglichen. Weitere Forschungen sind jedoch nötig, um diese Erkenntnisse in die Praxis umzusetzen.
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doi.org/10.1097/CM9.0000000000001773