Warum reißt das vordere Kreuzband und wie kann es besser repariert werden?
Das vordere Kreuzband (VKB) ist eine der wichtigsten Strukturen im Knie. Es sorgt dafür, dass das Knie stabil bleibt, wenn wir laufen, springen oder uns drehen. Doch bei Sportverletzungen reißt das VKB oft. Viele Menschen fragen sich: Warum passiert das und wie kann man es besser reparieren? Eine neue Technik könnte die Antwort sein.
Was ist das vordere Kreuzband und warum reißt es?
Das vordere Kreuzband (VKB) ist ein Band im Knie, das den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein verbindet. Es besteht aus zwei Teilen: dem vorderen inneren (anteromedialen) und dem hinteren äußeren (posterolateralen) Bündel. Diese beiden Teile arbeiten zusammen, um das Knie bei Bewegungen zu stabilisieren.
Das VKB reißt oft bei Sportarten wie Fußball, Basketball oder Skifahren. Typische Situationen sind plötzliche Stopps, Drehungen oder direkte Schläge auf das Knie. Ein gerissenes VKB führt oft zu Instabilität im Knie und kann langfristig zu weiteren Schäden führen, wenn es nicht richtig behandelt wird.
Warum sind herkömmliche Operationen nicht immer erfolgreich?
Bei der herkömmlichen VKB-Operation wird ein neues Band (oft aus der eigenen Sehne des Patienten) in das Knie eingesetzt. Dabei wird ein Tunnel in den Oberschenkelknochen und einen in das Schienbein gebohrt, um das neue Band zu befestigen. Doch diese Methode hat Schwächen.
Das Problem: Bei der herkömmlichen Technik wird das neue Band oft in der Mitte der VKB-Aufhängungsstelle („Footprint“) platziert. Das ist jedoch nicht der beste Ort. Studien zeigen, dass die direkten Fasern des VKB, die näher am Knochen ansetzen, für die Stabilität des Knies entscheidend sind. Diese Fasern tragen bis zu 84 % der Last, wenn das Knie nach vorne gezogen wird. Die indirekten Fasern, die weiter entfernt liegen, tragen nur etwa 15 % bei.
Daher versagt die herkömmliche Methode manchmal, weil das neue Band nicht an der optimalen Stelle befestigt wird. Eine neue Technik zielt darauf ab, dieses Problem zu lösen.
Wie funktioniert die neue Technik?
Die neue Technik konzentriert sich auf die direkten Fasern des VKB. Diese Fasern setzen näher am Knochen an und sind für die Stabilität des Knies entscheidend. Die Idee ist, das neue Band genau an dieser Stelle zu befestigen, um die Funktion des Knies besser wiederherzustellen.
Schritt 1: Vorbereitung
Zuerst wird das gerissene VKB im Knie arthroskopisch (mit einer kleinen Kamera) bestätigt. Dann wird eine Sehne aus der Oberschenkelmuskulatur des Patienten entnommen und für die Operation vorbereitet. Diese Sehne wird in zwei oder drei Stränge geteilt, wobei der dickere Strang für das vordere innere Bündel und der dünnere für das hintere äußere Bündel verwendet wird.
Schritt 2: Tunnelplatzierung
Der entscheidende Schritt ist die Platzierung des Tunnels im Oberschenkelknochen. Der Chirurg sucht den Punkt, an dem die direkten Fasern des VKB ansetzen. Dieser Punkt liegt nahe der hinteren Kante des Oberschenkelknochens. Der Tunnel wird so platziert, dass das neue Band möglichst nahe an dieser Stelle befestigt wird.
Schritt 3: Befestigung des neuen Bandes
Das neue Band wird durch die Tunnel gezogen und mit speziellen Platten und Schrauben befestigt. Der Oberschenkelknochen wird mit einer Titanplatte gesichert, während das Schienbein mit einer resorbierbaren Schraube fixiert wird.
Was passiert nach der Operation?
Nach der Operation tragen die Patienten für zwei Monate eine lange Beinschiene. Teilweise oder vollständiges Belasten des Knies ist erlaubt, und die Patienten können mit Krücken gehen. Ab dem zweiten Tag nach der Operation werden aktive Beugungen und passive Streckungen des Knies empfohlen. Nach drei Monaten ist Joggen erlaubt, nach sechs bis neun Monaten können nicht-konfrontative Sportarten ausgeübt werden, und nach zwölf Monaten ist eine schrittweise Rückkehr zu konfrontativen Sportarten möglich.
Wie erfolgreich ist die neue Technik?
Zwischen Juni 2016 und Juni 2018 wurde die neue Technik bei 26 Patienten (15 Männer und 11 Frauen) mit einem Durchschnittsalter von 30,5 Jahren angewendet. Die durchschnittliche Zeit zwischen Verletzung und Operation betrug 7,3 Tage. Es gab keine Bandrisse, Brüche, Tunnelverschmelzungen oder Einklemmungen während der Operation. Die durchschnittliche Operationszeit betrug 56,16 Minuten, und die durchschnittliche Blutung während der Operation betrug 35,31 ml. Es wurden keine Infektionen gemeldet.
Vor der Operation zeigten die Patienten Instabilität im Knie. Nach der Operation waren alle Tests negativ, was darauf hindeutet, dass die Stabilität des Knies wiederhergestellt wurde. Die Lysholm-Score (ein Bewertungssystem für die Kniefunktion) verbesserte sich von 56,50 vor der Operation auf 88,50 zwei Jahre nach der Operation. Der IKDC-Score (ein weiteres Bewertungssystem) stieg von 48,30 auf 92,50. Die KT-2000-Seitenunterschiede (ein Maß für die Kniestabilität) verringerten sich von 5,60 mm vor der Operation auf 1,50 mm zwei Jahre nach der Operation.
Magnetresonanztomographie (MRT) zwei Jahre nach der Operation zeigte, dass die neuen Bänder gut integriert und reif waren, ohne Anzeichen von Einklemmungen oder Schäden.
Was sagt die Wissenschaft dazu?
Finite-Elemente-Analysen (eine Methode zur Simulation von Belastungen) zeigten, dass die maximale Belastung des Knies nach der neuen Operation der des gesunden Knies sehr ähnlich war. Dies deutet darauf hin, dass die neue Technik die mechanische Funktion des Knies effektiv wiederherstellt.
Fazit
Die neue Technik zur VKB-Rekonstruktion mit direkter Faserinsertion ist ein vielversprechender Ansatz. Sie zielt darauf ab, das neue Band an der optimalen Stelle zu befestigen, um die Stabilität und Funktion des Knies besser wiederherzustellen. Frühe klinische Ergebnisse sind vielversprechend, aber weitere Studien sind notwendig, um die langfristige Wirksamkeit zu bestätigen.
For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001771