Warum Mineral- und Knochenstörungen bei Dialysepatienten in China so häufig sind

Warum Mineral- und Knochenstörungen bei Dialysepatienten in China so häufig sind

Mineral- und Knochenstörungen (MBD) sind bei Dialysepatienten weltweit ein großes Problem. In China jedoch ist die Situation besonders kritisch. Warum sind die Werte für Phosphor, Kalzium und Parathormon (PTH) bei chinesischen Patienten so schlecht kontrolliert? Und was kann getan werden, um die Behandlung zu verbessern?

Die aktuelle Situation in China

Eine Studie namens China Dialysis Outcomes and Practice Patterns Study (DOPPS) hat die Situation von Dialysepatienten in drei großen Städten Chinas untersucht: Peking, Guangzhou und Shanghai. Die Studie umfasste 1.186 Patienten aus 45 zufällig ausgewählten Dialysezentren.

Im Vergleich zu anderen Ländern wie Japan, Nordamerika und Europa sind chinesische Dialysepatienten jünger (Durchschnittsalter: 58,6 Jahre) und seltener wegen Diabetes an Nierenversagen erkrankt (18 % vs. 35–56 % in anderen Regionen). Trotzdem sind die Werte für Phosphor und PTH bei vielen Patienten zu hoch.

27 % der Patienten hatten einen Phosphorwert von über 7 mg/dL (Milligramm pro Deziliter). Zum Vergleich: In Japan liegt dieser Wert bei nur 10 %. Auch der PTH-Wert war bei 21 % der Patienten über 600 pg/mL (Pikogramm pro Milliliter), während in Japan nur 1 % der Patienten so hohe Werte aufweisen. Ein niedriger Kalziumwert (unter 8,4 mg/dL) war bei 25 % der Patienten festzustellen, was in etwa dem japanischen Durchschnitt entspricht.

Dialysepraxis und Laborwerte

In China erhalten die meisten Patienten drei Mal pro Woche eine Dialyse. Allerdings gibt es auch viele Patienten, die nur zwei Mal pro Woche dialysiert werden. Das ist in anderen Ländern sehr selten. Die Dauer einer Dialyse-Sitzung beträgt in China durchschnittlich 242 Minuten, was ähnlich ist wie in Japan und Europa, aber länger als in Nordamerika (220 Minuten).

Trotz der längeren Dialysezeit ist die Effizienz der Behandlung in China geringer. Dies zeigt sich am sogenannten Kt/V-Wert, einem Maß für die Dialysequalität. In China liegt dieser Wert bei 2,05, während er in anderen Regionen zwischen 2,14 und 2,28 liegt.

Ein weiterer Faktor ist die Kalziumkonzentration im Dialysat. In China verwenden 73 % der Zentren eine hohe Kalziumkonzentration (≥1,500 mmol/L). Das könnte erklären, warum die Kalziumwerte im Blut relativ normal sind, obwohl viele Patienten trotzdem an Hypokalzämie (niedrigem Kalzium) leiden.

Warum ist der Phosphorwert so hoch?

Der durchschnittliche Phosphorwert in China liegt bei 6,00 mg/dL, was deutlich höher ist als in Japan (5,42 mg/dL), Nordamerika (5,11 mg/dL) und Europa (4,87 mg/dL). Ein hoher Phosphorwert hängt oft mit einer geringeren Dialysefrequenz (weniger als drei Sitzungen pro Woche), einem höheren Körpergewicht und einem erhöhten PTH-Wert zusammen.

Patienten, die noch eine gewisse Nierenfunktion haben (z. B. Urinproduktion von mehr als einer Tasse pro Tag) oder längere Dialyse-Sitzungen erhalten, haben tendenziell niedrigere Phosphorwerte.

Wie wird MBD in China überwacht und behandelt?

Die Überwachung der MBD-Werte in China ist weniger streng als in anderen Ländern. Nur 14,9 % der Patienten werden monatlich auf Phosphor getestet. In anderen Regionen liegt dieser Wert bei über 70 %. Auch die PTH-Werte werden seltener kontrolliert: Nur 3,2 % der Patienten werden monatlich getestet, im Vergleich zu 15–23 % in anderen Ländern.

Bei der Behandlung von MBD gibt es ebenfalls Unterschiede. In China erhalten 59 % der Patienten Phosphatbinder, während es in Japan 84 % sind. Die meisten Patienten in China bekommen kalziumbasierte Binder (53 %), während nicht-kalziumbasierte Mittel wie Sevelamer kaum verwendet werden (1 %).

Aktives Vitamin D (z. B. Calcitriol) wird 57 % der Patienten verschrieben, was ähnlich ist wie in Europa, aber weniger als in Japan (75 %) und Nordamerika (79 %). Cinacalcet, ein Medikament zur Senkung des PTH-Werts, wird in China nur selten eingesetzt (2 %), während es in anderen Regionen bei 16–24 % der Patienten verwendet wird.

Warum werden bestimmte Behandlungen nicht häufiger eingesetzt?

Die Entscheidung, welche Behandlung ein Patient erhält, hängt in China oft nicht von den Laborwerten ab. Stattdessen spielen andere Faktoren wie Herzprobleme oder die gleichzeitige Einnahme von Phosphatbindern eine Rolle. Das könnte bedeuten, dass Ärzte in China eher auf Begleiterkrankungen achten als auf die Schwere der MBD.

Vergleich mit anderen Ländern

Es gibt einige Faktoren, die eigentlich für eine bessere Kontrolle der MBD-Werte in China sprechen sollten. Die traditionelle chinesische Ernährung enthält weniger Phosphor als die westliche oder japanische Ernährung. Außerdem haben Asiaten tendenziell niedrigere PTH-Werte bei gleicher Nierenfunktion.

Trotzdem sind die MBD-Werte in China schlechter kontrolliert. Das könnte daran liegen, dass viele Patienten seltener dialysiert werden, weniger Zugang zu nicht-kalziumbasierten Phosphatbindern haben und Cinacalcet aufgrund der hohen Kosten selten eingesetzt wird.

Was kann verbessert werden?

Die Studie zeigt, dass es in China mehrere Möglichkeiten gibt, die Behandlung von MBD zu verbessern:

  1. Regelmäßige Kontrollen: Monatliche Tests für Phosphor und PTH könnten helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen.
  2. Mehr Behandlungsoptionen: Der Zugang zu nicht-kalziumbasierten Phosphatbindern und Cinacalcet sollte erweitert werden.
  3. Optimierung der Dialyse: Eine höhere Dialysefrequenz und längere Sitzungen könnten die Phosphorwerte verbessern.
  4. Leitlinien für China: Spezifische Behandlungsrichtlinien, die auf die lokalen Gegebenheiten zugeschnitten sind, könnten helfen, die Behandlung zu standardisieren.

Grenzen der Studie

Die Studie konzentrierte sich auf große Städte, sodass die Ergebnisse nicht unbedingt auf ländliche Regionen übertragbar sind. Außerdem handelt es sich um eine Momentaufnahme, sodass keine Rückschlüsse auf Ursachen und Wirkungen gezogen werden können.

Fazit

Die China DOPPS zeigt, dass viele Dialysepatienten in China schlecht kontrollierte MBD-Werte haben. Das liegt unter anderem an unzureichenden Kontrollen, fehlenden Behandlungsoptionen und begrenzten Ressourcen. Um die Situation zu verbessern, sind umfassende Maßnahmen notwendig. Dazu gehören regelmäßige Laboruntersuchungen, ein besserer Zugang zu Medikamenten und eine Optimierung der Dialyse.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000533

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