Warum Magen- und Lebererkrankungen in China immer noch ein Problem sind
Magen- und Lebererkrankungen sind in China nach wie vor eine große Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Trotz Fortschritten in der Medizin und im Gesundheitswesen bleiben diese Krankheiten weit verbreitet. Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2019 zeigt, wie sich die Situation in den letzten 30 Jahren verändert hat. Was sind die Gründe dafür, und was kann getan werden, um die Belastung zu verringern?
Datenquellen und Methodik
Die Studie basiert auf Daten der Global Burden of Disease (GBD) 2019. Diese Studie sammelt Informationen aus verschiedenen Quellen wie nationalen Gesundheitsbefragungen, Krankenhausaufzeichnungen und Überwachungssystemen. In China wurden Daten des Disease Surveillance Point Systems und des chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -prävention verwendet.
Die Krankheiten wurden in drei Gruppen eingeteilt: Infektionskrankheiten (z. B. Durchfallerkrankungen, akute Hepatitis), Krebserkrankungen des Magens und der Leber sowie häufige Verdauungskrankheiten (z. B. Magengeschwüre, Leberzirrhose). Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Zeiträumen (1990–2010 und 2010–2019) analysiert, um Trends und Unterschiede zu erkennen.
Wichtige Erkenntnisse zu Magen- und Leberkrebs
Magenkrebs war von 1990 bis 2019 die häufigste Todesursache im Zusammenhang mit Magen- und Lebererkrankungen in China. Die Sterberate sank jedoch deutlich. Zwischen 2010 und 2019 ging die Sterberate um 30 % auf 12,20 pro 100.000 Einwohner zurück. Dennoch bleibt Magenkrebs in allen Altersgruppen, insbesondere bei Menschen über 55 Jahren, die häufigste Ursache. Risikofaktoren wie Helicobacter pylori (ein Bakterium, das Magenentzündungen verursacht), hoher Salzkonsum und Rauchen spielen weiterhin eine Rolle.
Leberkrebs und Speiseröhrenkrebs zeigten ebenfalls einen Rückgang. Die Sterberate bei Leberkrebs sank zwischen 1990 und 2010 um 60 %, was auf Impfprogramme gegen Hepatitis B und weniger Belastung durch Aflatoxine (Giftstoffe in verschimmelten Lebensmitteln) zurückzuführen ist. Bei Speiseröhrenkrebs sank die Sterberate zwischen 2010 und 2019 um 30 %, wahrscheinlich aufgrund von Verbesserungen in der Ernährung und weniger Tabakkonsum.
Im Gegensatz dazu stiegen die Sterberaten bei Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Bei Männern stieg die Sterberate für Darmkrebs zwischen 1990 und 2010 um 62 %, was auf Lebensstiländerungen wie Bewegungsmangel, den Verzehr von verarbeiteten Lebensmitteln und die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen ist. Die Sterberate für Bauchspeicheldrüsenkrebs stieg im gleichen Zeitraum bei Männern um 69 %, und bis 2019 war diese Krankheit die vierthäufigste Todesursache bei Frauen über 55 Jahren.
Infektionskrankheiten des Verdauungssystems: Ein Rückgang
Die Belastung durch infektiöse Magen-Darm-Erkrankungen ging deutlich zurück. Durchfallerkrankungen, die früher eine häufige Todesursache bei Kindern waren, sanken um 90 % zwischen 1990 und 2010 und erreichten 2019 eine Sterberate von 0,4 pro 100.000. Verbesserungen in der Hygiene, Zugang zu sauberem Wasser und die Einführung der oralen Rehydrationstherapie trugen zu diesem Rückgang bei.
Auch akute Hepatitis A und B gingen deutlich zurück. Die Sterberate für Hepatitis A sank zwischen 1990 und 2010 um 90 %, während die Sterberate für Hepatitis B im gleichen Zeitraum um 80 % zurückging. Dies ist auf landesweite Impfkampagnen zurückzuführen, die in den 1990er Jahren begannen. Hepatitis C und E, die weniger verbreitet sind, zeigten ebenfalls einen Rückgang, und die Sterberate lag 2019 nahe bei null.
Häufige Verdauungskrankheiten: Gemischte Trends
Magengeschwüre blieben weit verbreitet, aber die Sterberate sank zwischen 1990 und 2010 um 50 %. Komplikationen wie Magen-Darm-Blutungen blieben jedoch ein Problem, insbesondere bei Kindern unter 10 Jahren. Leberzirrhose, die oft durch chronische Hepatitis B oder Alkoholkonsum verursacht wird, blieb eine häufige Ursache für Behinderungen, obwohl die Belastung zwischen 1990 und 2010 um 40 % zurückging.
Bauchspeicheldrüsenentzündungen und Gallensteinerkrankungen zeigten moderate Rückgänge. Die Sterberate für Bauchspeicheldrüsenentzündungen sank zwischen 1990 und 2010 um 30 %, was auf eine bessere Kontrolle von Risikofaktoren wie Alkoholkonsum und Gallenwegsobstruktionen zurückzuführen ist.
Unterschiede nach Alter und Geschlecht
Männer waren durchgehend stärker von Magen- und Lebererkrankungen betroffen als Frauen. Zum Beispiel war die Sterberate für Leberkrebs bei Männern im Jahr 2019 doppelt so hoch wie bei Frauen, was auf höhere Raten von Hepatitis B und Alkoholkonsum zurückzuführen ist. Die Sterberate für Magenkrebs sank bei Männern zwischen 2010 und 2019 um 13 %, während sie bei Frauen um 31 % zurückging. Dies deutet auf Unterschiede im Zugang zur Gesundheitsversorgung oder in der Exposition gegenüber Risikofaktoren hin.
Altersspezifische Muster zeigten unterschiedliche Herausforderungen. Bei Kindern unter 10 Jahren waren Durchfallerkrankungen und Magengeschwüre die häufigsten Todesursachen, obwohl sich die Situation durch medizinische Maßnahmen verbesserte. Erwachsene zwischen 14 und 49 Jahren waren häufig von Leberzirrhose und Leberkrebs betroffen, insbesondere Männer mit Hepatitis B. Bei Menschen über 55 Jahren dominierten Magen-Darm-Krebserkrankungen, wobei Bauchspeicheldrüsenkrebs eine zunehmende Bedrohung darstellte.
Veränderte Krankheitsmuster und ihre Bedeutung
Der Übergang von Infektionskrankheiten zu nicht übertragbaren Krankheiten und Krebserkrankungen spiegelt den epidemiologischen Wandel in China wider. Während Impfungen und Hygiene die Belastung durch Infektionskrankheiten reduziert haben, haben Urbanisierung, Alterung der Bevölkerung und Lebensstiländerungen zu einem Anstieg von Darmkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs geführt. Magen- und Leberkrebs bleiben aufgrund ihrer hohen Verbreitung Prioritäten, was gezielte Vorsorge und Prävention erforderlich macht.
Die Studie identifiziert wichtige Handlungsfelder:
- Krebsvorsorge: Ausbau von Darmkrebs-Screeningprogrammen und Förderung der Helicobacter pylori-Eradikation zur Reduzierung von Magenkrebs.
- Impfung und Schadensbegrenzung: Fortsetzung der Hepatitis B-Impfung und Reduzierung des Alkoholkonsums zur Bekämpfung von Leberzirrhose und Leberkrebs.
- Fokus auf ältere Bevölkerung: Entwicklung von Strategien zur Betreuung älterer Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen altersbedingten Verdauungskrankheiten.
Einschränkungen und zukünftige Forschung
Die GBD 2019-Daten basieren auf Modellschätzungen, die regionale Unterschiede in China möglicherweise unterschätzen. Details zu Ursachen, wie Hepatitis B-Subtypen oder molekulare Krebsprofile, wurden nicht erfasst. Zukünftige Studien sollten Daten auf Provinzebene und molekulare Epidemiologie integrieren, um Interventionen zu verfeinern.
Fazit
Die GBD 2019-Analyse zeigt deutliche Fortschritte bei der Reduzierung von infektiösen Magen- und Lebererkrankungen in China, betont aber auch die Herausforderungen durch Magen-Darm-Krebs und chronische Lebererkrankungen. Politiker müssen Strategien zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten mit innovativen Ansätzen zur Bewältigung nicht übertragbarer Krankheiten kombinieren, um einen gerechten Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle Bevölkerungsgruppen zu gewährleisten.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002975
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