Warum knickt meine Kniescheibe immer aus? Ein Blick ins Innere des Knies

Warum knickt meine Kniescheibe immer aus? Ein Blick ins Innere des Knies

Haben Sie schon einmal erlebt, dass Ihre Kniescheibe plötzlich verrutscht oder sogar ganz herausspringt? Dieses Problem, bekannt als Patellainstabilität, ist nicht nur schmerzhaft, sondern kann auch langfristige Folgen haben. Eine aktuelle Studie hat mit Hilfe von Magnetresonanztomographie (MRT) untersucht, welche anatomischen und krankhaften Veränderungen zu diesem Problem führen. Die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte Fehlbildungen des Knies eine entscheidende Rolle spielen.

Wie wurde die Studie durchgeführt?

Die Studie untersuchte 131 Patienten (43 Männer, 88 Frauen; im Alter von 10 bis 50 Jahren) mit Patellainstabilität und verglich sie mit 131 gesunden Personen gleichen Alters und Geschlechts. MRT-Aufnahmen der Knie wurden im gestreckten Zustand gemacht, um die Knochen und Weichteile genau zu analysieren. Dabei wurden wichtige Messwerte wie der Sulcuswinkel (ein Maß für die Form der Gleitrinne im Oberschenkelknochen), die Tiefe der Gleitrinne, das Facettenverhältnis und der Insall-Salvati-Index (ein Maß für die Höhe der Kniescheibe) erfasst. Zusätzlich wurde das Ausmaß von Arthrose (Gelenkverschleiß) mithilfe des Kellgren-Lawrence-Systems bewertet.

Welche anatomischen Veränderungen sind entscheidend?

Die Studie identifizierte Trochleadysplasie (eine Fehlbildung der Gleitrinne im Oberschenkelknochen) und Patella alta (eine zu hoch stehende Kniescheibe) als die Hauptursachen für Patellainstabilität. Bei 90,8 % der Patienten lag eine Trochleadysplasie vor, die durch eine flache oder zu seichte Gleitrinne gekennzeichnet ist. Ein vergrößerter Sulcuswinkel zeigte, dass die Kniescheibe weniger gut in der Rinne gehalten wird, was zu seitlichem Verrutschen führt. Außerdem wiesen 58,8 % der Patienten eine Patella alta auf (Insall-Salvati-Index >1,2), was die Kniescheibe höher als normal positioniert. Diese Fehlstellung stört die Bewegung der Kniescheibe, besonders bei der Beugung des Knies, und erhöht das Risiko für Instabilität.

Interessanterweise stand die Schwere dieser Fehlbildungen in direktem Zusammenhang mit dem Alter, in dem die Symptome erstmals auftraten. Patienten mit stärkerer Trochleadysplasie und höherem Insall-Salvati-Index erlebten ihre erste Kniescheibenverrenkung früher. Zum Beispiel führte eine Erhöhung des Insall-Salvati-Index um eine Einheit zu einem jüngeren Alter bei der ersten Verrenkung. Dies zeigt, wie stark diese anatomischen Probleme die Belastung des Knies erhöhen.

Welche Folgeschäden treten mit zunehmendem Alter auf?

Neben den primären anatomischen Fehlbildungen zeigte die Studie, dass das Alter der Patienten eng mit Folgeschäden verbunden ist. Bei Patienten mit Patellainstabilität gab es einen deutlichen Zusammenhang zwischen zunehmendem Alter und der Häufigkeit von:

  • Verletzungen des inneren Meniskus (r = 0,703, P <0,01)
  • Verletzungen des äußeren Meniskus (r = 0,566, P <0,01)
  • Verletzungen des vorderen Kreuzbands (VKB) (r = 0,197, P <0,05)
  • Verletzungen des hinteren Kreuzbands (HKB) (r = 0,281, P <0,05)
  • Gelenkerguss (r = 0,235, P <0,01)
  • Arthrose (r = 0,713, P <0,01)

Diese Zusammenhänge waren bei den Patienten viel stärker als bei den gesunden Kontrollpersonen, bei denen nur bei innerem Meniskus (r = 0,203, P <0,01), äußerem Meniskus (r = 0,126, P <0,01) und Arthrose (r = 0,213, P <0,01) altersbedingte Zunahmen beobachtet wurden. Die höhere Verletzungsrate bei Patienten unterstreicht, dass Patellainstabilität ein fortschreitendes Problem ist, das mit der Zeit zu Knorpelverschleiß, Bänderüberlastung und Entzündungen führt.

Wie hängen die anatomischen Probleme mit den Folgeschäden zusammen?

Die Studie erklärte den Zusammenhang zwischen Trochleadysplasie, Patella alta und Folgeschäden durch biomechanische Beobachtungen. Eine dysplastische Gleitrinne bietet der Kniescheibe nicht genügend Halt, sodass sie stärker auf Weichteilstrukturen wie das mediale patellofemorale Band (MPFL) angewiesen ist. Wiederholte Instabilitätsereignisse belasten diese Strukturen, was zu Rissen des MPFL, Knorpelschäden und Meniskusverletzungen führt. Gleichzeitig verändert eine zu hoch stehende Kniescheibe die Hebelwirkung, was die Zugkräfte auf die Patellasehne und das Schienbein erhöht. Dies begünstigt bei Jugendlichen Osgood-Schlatter-Krankheit und bei Erwachsenen Patellasehnenentzündung oder Schleimbeutelentzündung.

Knorpelschäden, ein Kennzeichen von fortgeschrittener Erkrankung, beginnen oft als Chondromalacia patellae (Erweichung des Knorpels), die sich durch Schmerzen im vorderen Knie bei Aktivitäten wie Treppensteigen oder langem Sitzen äußert. Unbehandelt schreitet der Knorpelverlust zu patellofemoraler Arthrose fort, wobei im MRT Knochenmarkschäden, Knochenanbauten und Gelenkspaltverengungen sichtbar werden. Die Studie dokumentierte 11 Fälle (8,4 %) von Arthrose in der Patientengruppe, ein Befund, der bei jüngeren Personen fehlte, aber bei älteren häufig war.

Was bedeutet das für die Behandlung?

Die Studie betont die Bedeutung einer frühzeitigen Korrektur bei Patienten mit schwerer Trochleadysplasie oder Patella alta, um Folgeschäden zu vermeiden. Chirurgische Eingriffe wie Trochleaplastik (Umformung der Gleitrinne) oder Tuberositasosteotomie (Verlagerung des Ansatzes der Patellasehne) zielen darauf ab, die normale Position der Kniescheibe wiederherzustellen. Nicht-chirurgische Maßnahmen wie Kräftigungsübungen für die Oberschenkelmuskulatur und spezielle Bandagen können bei leichten Fällen helfen, sind aber weniger wirksam, um die zugrunde liegenden anatomischen Probleme zu beheben.

Darüber hinaus zeigt der Zusammenhang zwischen der Schwere der anatomischen Fehlbildungen und dem jüngeren Alter bei Symptombeginn, dass Screening bei Jugendlichen in Risikogruppen wichtig ist. Jugendliche mit wiederkehrender Instabilität oder Schmerzen im vorderen Knie sollten frühzeitig mit MRT untersucht werden, um die Form der Gleitrinne und die Höhe der Kniescheibe zu beurteilen. So kann rechtzeitig eingegriffen werden, bevor irreversible Knorpelschäden auftreten.

Grenzen der Studie und zukünftige Forschung

Obwohl die Studie wichtige Erkenntnisse liefert, gibt es einige Einschränkungen. Da es sich um eine Querschnittsstudie handelt, können keine kausalen Zusammenhänge abgeleitet werden. Zudem fehlen Langzeitdaten, um den Krankheitsverlauf besser zu verstehen. Zukünftige Forschungen sollten dynamische MRT-Aufnahmen oder Aufnahmen unter Belastung einschließen, um die Bewegung der Kniescheibe unter realen Bedingungen zu untersuchen. Außerdem könnten moderne Knorpelanalysetechniken helfen, frühe degenerative Veränderungen besser zu erkennen und individuelle Behandlungspläne zu erstellen.

Fazit

Diese umfassende MRT-basierte Analyse bestätigt, dass Trochleadysplasie und Patella alta zentrale Ursachen für Patellainstabilität sind. Ihre Schwere bestimmt das Alter, in dem die Symptome erstmals auftreten. Der starke Anstieg von Meniskus-, Band- und Arthroseschäden mit zunehmendem Alter zeigt, dass die Erkrankung fortschreitend ist. Durch frühzeitige Korrektur der anatomischen Fehlbildungen können Ärzte möglicherweise Folgeschäden verhindern und die langfristige Funktion des Knies verbessern. Die Ergebnisse unterstreichen die wichtige Rolle des MRT bei der Diagnose und Behandlung von Patellainstabilität.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000374

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