Warum ist Geburtsanästhesie in China so herausfordernd?

Warum ist Geburtsanästhesie in China so herausfordernd?

In den letzten Jahrzehnten hat China große Fortschritte in der medizinischen Versorgung gemacht. Die Müttersterblichkeitsrate ist deutlich gesunken. Trotzdem gibt es immer noch große Herausforderungen in der Geburtsanästhesie. Warum ist das so? Und was kann getan werden, um die Situation zu verbessern?

Die Zwei-Kind-Politik und ihre Auswirkungen auf die Geburtsanästhesie

2016 führte China die Zwei-Kind-Politik ein. Man erwartete, dass die Geburtenrate steigen würde. Doch das ist nicht passiert. Im Jahr 2018 gab es nur etwa 11 Millionen Geburten, obwohl es 346 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter gab. Warum ist das so?

Ein Grund ist das steigende Alter der Mütter. Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt ist von 22,8 Jahren im Jahr 1970 auf 26,6 Jahre im Jahr 2007 gestiegen. Viele Frauen verschieben die Geburt des zweiten Kindes, weil sie sich nach einem Kaiserschnitt (eine Art Geburt, bei der das Baby durch einen Schnitt in der Bauchdecke geboren wird) lange erholen müssen.

China hat eine der höchsten Kaiserschnittraten der Welt. Das führt zu Komplikationen wie Plazenta praevia (eine Fehllage der Plazenta), Gebärmutterriss und starken Blutungen nach der Geburt. Ältere Mütter haben auch ein höheres Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck und Fehlbildungen beim Baby.

Herausforderungen in der Geburtsanästhesie

Mangel an Anästhesisten

Ein großes Problem in China ist der Mangel an Anästhesisten (Ärzte, die für die Schmerzbetäubung während der Geburt verantwortlich sind). Eine Studie mit 2.521 Krankenhäusern zeigte, dass 81,12% von 678 Krankenhäusern keine Schmerzbetäubung während der Geburt anbieten konnten, weil es nicht genug Anästhesisten gab. Das führt dazu, dass viele Frauen keinen Zugang zu einer angemessenen Schmerzbetäubung haben und stattdessen einen Kaiserschnitt bekommen.

Hochrisikoschwangerschaften und Komplikationen

Die Zahl der Hochrisikoschwangerschaften, besonders bei älteren Müttern, steigt. Bluthochdruck in der Schwangerschaft betrifft etwa 3% bis 5% aller Schwangerschaften und ist eine der Hauptursachen für Mütter- und Säuglingssterblichkeit. Ältere Mütter haben ein höheres Risiko für Bluthochdruck, weil die Blutgefäße in der Gebärmutter weniger elastisch sind.

Ein weiteres Problem ist die Fruchtwasserembolie (eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation während der Geburt). Sie führt zu einem plötzlichen Kreislaufzusammenbruch und kann tödlich enden. Die Behandlung konzentriert sich darauf, den Sauerstoffmangel zu beheben und das Kreislaufversagen zu behandeln.

Gebärmutterriss und andere Komplikationen

Gebärmutterriss ist ein weiteres ernstes Problem in China. Die Rate liegt zwischen 0,10% und 0,55%, was deutlich höher ist als in den USA (0,04% bis 0,10%). Die Sterblichkeitsrate bei Frauen mit Gebärmutterriss beträgt 12%, und 90% der Babys überleben nicht. Gebärmutterriss ist für 6,4% der Müttersterblichkeit in China verantwortlich.

Verbesserte Erholung nach Kaiserschnitt (ERAC)

Enhanced Recovery After Surgery (ERAS) wurde 1997 eingeführt, um die Krankenhausaufenthalte zu verkürzen und die Genesung nach der Operation zu verbessern. In China wurde der erste ERAS-Kongress 2015 abgehalten. Doch in der Geburtshilfe hinkt ERAS hinterher. Erst 2018 wurden Leitlinien für die Anwendung von ERAS bei Kaiserschnitten veröffentlicht.

ERAC bietet Vorteile in der Zeit nach der Geburt, in der Frauen sowohl die Operation als auch die neue Mutterschaft bewältigen müssen. Angesichts der hohen Kaiserschnittrate in China ist ERAC wichtig, um die Müttersterblichkeit zu senken. Anästhesisten spielen eine wichtige Rolle bei ERAC, da sie vor, während und nach der Operation beteiligt sind.

Schmerzbetäubung während der Geburt und ihre Herausforderungen

Zeitpunkt und Methoden der Schmerzbetäubung

Der Zeitpunkt, wann die Schmerzbetäubung während der Geburt begonnen wird, ist in vielen Krankenhäusern in China uneinheitlich. Obwohl die Epiduralanästhesie (eine Art Schmerzbetäubung, bei der Medikamente in den Rückenmarkskanal gespritzt werden) als sicher gilt, wird noch diskutiert, wie sie die Dauer der Geburt beeinflusst. 2014 wurde in China ein Expertenkonsens zur Neudefinition der Geburtsphasen veröffentlicht. Danach beginnt die aktive Phase der Geburt bei 6 cm Muttermundöffnung.

Die Schmerzbetäubung kann in jeder Phase der Geburt durchgeführt werden, je nach Bedarf der Mutter. Es gibt jedoch noch nicht genug Daten, um den Einfluss der Epiduralanästhesie auf die Geburtsdauer unter den neuen Richtlinien zu verstehen.

Aufrechterhaltung der Schmerzbetäubung

Die Methoden zur Aufrechterhaltung der Epiduralanästhesie haben sich weiterentwickelt. Heute wird oft die patientengesteuerte Epiduralanästhesie (PCEA) verwendet. Dabei kann die Mutter selbst entscheiden, wann sie zusätzliche Schmerzmittel benötigt. Neue Methoden zielen darauf ab, die Schmerzbetäubung zu verbessern und die Zufriedenheit der Mutter zu erhöhen.

Schmerzen nach der Geburt, besonders bei Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben, sind ein weiteres Problem. Kontinuierliche Schmerzbetäubung wird empfohlen, und Schmerzpumpen sollten mindestens 24 Stunden nach der Geburt verwendet werden.

Langfristige Ziele und zukünftige Richtungen

Neue Konzepte und Technologien

Die Zukunft der Geburtsanästhesie in China hängt von der Einführung neuer Konzepte und Technologien ab. Die frühere Einbindung von Anästhesisten in die Betreuung von Hochrisikoschwangeren und eine bessere Aufklärung über Schmerzbetäubung sind wichtig. Neue Technologien wie Ultraschall sind ebenfalls entscheidend.

Standardisierte Ausbildung und multidisziplinäre Zusammenarbeit

Ein standardisiertes Ausbildungsprogramm, das reale klinische Situationen in China widerspiegelt, ist notwendig, um gut ausgebildete Anästhesisten zu produzieren. Die Geburtsanästhesie erfordert die Zusammenarbeit von Anästhesisten, Geburtshelfern und Krankenhausmanagement. Die Förderung neuer Konzepte und Technologien ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Geburtsanästhesie in China.

Zugänglichkeit und Qualität der Versorgung

Ein einfacher Zugang zu Geburtsanästhesie in ressourcenarmen Gebieten ist entscheidend, um die Grundbedürfnisse der Schwangeren zu erfüllen. Dies ist der Grundstein für eine bessere Qualität der mütterlichen Gesundheitsversorgung in China.

Zusammenfassend gibt es in China trotz der Fortschritte in der medizinischen Versorgung immer noch große Herausforderungen in der Geburtsanästhesie. Die Lösung dieser Probleme erfordert eine vielschichtige Herangehensweise, einschließlich der Einführung neuer Technologien, standardisierter Ausbildung und besserer Zusammenarbeit. Durch die Konzentration auf diese langfristigen Ziele kann China die Sicherheit und Qualität der Geburtsanästhesie weiter verbessern und Millionen von Frauen und ihren Neugeborenen zugutekommen.

doi.org/10.1097/CM9.0000000000000664
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