Warum ist die chronische lymphatische Leukämie in China so selten?
Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine Art von Blutkrebs, der weiße Blutkörperchen, sogenannte Lymphozyten, betrifft. Sie ist eine der häufigsten Leukämiearten in westlichen Ländern, insbesondere bei Menschen europäischer Abstammung. In China hingegen ist CLL viel seltener. Warum ist das so? Lassen Sie uns die Gründe für diesen Unterschied, die besonderen Merkmale von CLL in China und deren Behandlung näher betrachten.
Was ist CLL?
CLL ist eine langsam fortschreitende Krebsart, die im Knochenmark beginnt und das Blut betrifft. Sie führt dazu, dass sich abnormale Lymphozyten ansammeln, was das Immunsystem schwächen und zu Infektionen, Anämie und anderen Gesundheitsproblemen führen kann. Während sie in westlichen Ländern häufig bei älteren Erwachsenen diagnostiziert wird, sieht die Situation in China anders aus.
Wie häufig ist CLL in China?
In China ist CLL selten. Studien zeigen, dass die Zahl der Fälle zwischen 0,2 und 0,6 pro 100.000 Menschen pro Jahr liegt. In Europa ist diese Zahl viel höher – etwa 4,6 pro 100.000 Menschen. Das bedeutet, dass CLL in China 10 bis 20 Mal seltener auftritt als in Europa. Diese niedrige Rate ist auch in anderen asiatischen Ländern wie Japan und Korea zu beobachten.
Warum ist CLL in China so selten? Die Antwort liegt wahrscheinlich in einer Kombination aus Genetik, Umwelt und der Art und Weise, wie die Krankheit erkannt wird.
Erkennung und Diagnose
CLL verursacht in frühen Stadien oft keine Symptome. Viele Menschen werden zufällig während routinemäßiger Blutuntersuchungen für andere Gesundheitsprobleme diagnostiziert. In China gibt es kein nationales System zur Erfassung von CLL-Fällen, was es schwierig macht, die genaue Zahl der Betroffenen zu kennen.
Ältere Studien aus den 1980er Jahren berichteten von sehr niedrigen Fallzahlen von CLL in China. Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Zahl der Diagnosen steigt. Dieser Anstieg ist teilweise darauf zurückzuführen, dass mehr Menschen im Rahmen von Routineuntersuchungen Blutuntersuchungen durchführen lassen.
Das durchschnittliche Alter bei der Diagnose liegt in China bei etwa 60 Jahren und ist damit jünger als in Europa, wo es normalerweise zwischen 65 und 70 Jahren liegt. Dieser Unterschied könnte darauf zurückzuführen sein, dass ältere Erwachsene in China eher Blutuntersuchungen im Rahmen ihrer routinemäßigen Gesundheitsversorgung durchführen lassen.
Die Rolle der Genetik
Die Genetik spielt eine große Rolle bei CLL. Studien zeigen, dass bestimmte genetische Veränderungen, die bei Europäern mit CLL in Verbindung gebracht werden, bei Chinesen seltener vorkommen. Zum Beispiel wird eine spezifische genetische Veränderung namens del(13q14) bei etwa der Hälfte der CLL-Patienten sowohl in China als auch in Europa gefunden. Andere Veränderungen, wie Mutationen im SF3B1-Gen, sind bei chinesischen Patienten jedoch seltener.
Ein weiterer Unterschied besteht in den Genen, die die Zellen des Immunsystems steuern. Chinesische CLL-Patienten haben häufiger Veränderungen in Genen wie MYD88 und KMT2D. Diese Unterschiede könnten helfen zu erklären, warum CLL in China seltener ist.
Umweltfaktoren
Die Umwelt könnte ebenfalls eine Rolle bei der niedrigen Rate von CLL in China spielen. Studien in Taiwan und Korea deuten darauf hin, dass Veränderungen im Lebensstil und in der Umwelt die CLL-Raten beeinflussen könnten. In den USA haben in Amerika geborene Asiaten ein höheres CLL-Risiko als in Asien geborene, was darauf hindeutet, dass Umweltfaktoren eine Rolle spielen könnten.
Allerdings haben Untersuchungen keine starken Zusammenhänge zwischen CLL und häufigen Umweltbelastungen wie Strahlung, Pestiziden oder Fettleibigkeit gefunden. Beispielsweise hatten Überlebende der Atombombenabwürfe in Japan ein höheres Risiko für andere Leukämiearten, aber nur ein geringfügig erhöhtes Risiko für CLL.
Wie wirkt sich CLL auf Menschen in China aus?
CLL bei chinesischen Patienten weist viele Ähnlichkeiten mit CLL bei Europäern auf, aber es gibt einige wichtige Unterschiede. Chinesische Patienten sind tendenziell jünger bei der Diagnose und haben häufiger eine fortgeschrittene Erkrankung, wenn sie diagnostiziert werden.
Trotz dieser Unterschiede ist der Krankheitsverlauf insgesamt ähnlich. Chinesische Patienten sprechen gut auf Standardbehandlungen wie Chemotherapie und gezielte Therapien an.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von CLL in China hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. In der Vergangenheit war das Hauptmedikament Chlorambucil, oft in Kombination mit anderen Chemotherapeutika. In den frühen 2000er Jahren wurden neue Behandlungen wie Fludarabin und Rituximab verfügbar, die bessere Ergebnisse erzielten.
In jüngster Zeit haben gezielte Therapien die Situation verändert. Medikamente wie Ibrutinib, Zanubrutinib und Orelabrutinib blockieren spezifische Proteine, die das Wachstum von Krebszellen fördern. Diese Medikamente haben sich bei chinesischen Patienten als wirksam erwiesen, mit Ergebnissen, die denen in Europa ähnlich sind.
Der Zugang zu diesen neuen Behandlungen kann jedoch eine Herausforderung darstellen. Während einige Medikamente von der öffentlichen Krankenversicherung abgedeckt werden, können sich nicht alle Patienten diese leisten. Dies kann zu Unterbrechungen der Behandlung führen, was sich auf die Ergebnisse auswirken kann.
Was steht als Nächstes in der CLL-Forschung in China an?
Forscher in China arbeiten daran, zu verstehen, warum CLL in asiatischen Populationen so selten ist. Eine Theorie besagt, dass ein infektiöser Erreger in Asien vor Tausenden von Jahren einen Schutz gegen CLL geboten haben könnte.
Wissenschaftler untersuchen auch neue Behandlungen wie Bcl-2-Inhibitoren und CAR-T-Zell-Therapie, um zu sehen, wie gut sie bei chinesischen Patienten wirken. Diese Behandlungen könnten in Zukunft mehr Optionen für Menschen mit CLL bieten.
Fazit
CLL ist in China viel seltener als in Europa, wahrscheinlich aufgrund einer Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren. Während die Krankheit chinesische Patienten ähnlich betrifft, gibt es einige Unterschiede, wie ein jüngeres Alter bei der Diagnose und eine fortgeschrittenere Erkrankung bei der Diagnosestellung.
Fortschritte in der Behandlung haben die Ergebnisse für chinesische Patienten mit CLL verbessert, aber es gibt weiterhin Herausforderungen beim Zugang zu diesen Therapien. Weitere Forschung ist unerlässlich, um CLL in asiatischen Populationen besser zu verstehen und wirksamere Behandlungen zu entwickeln.
Nur zu Bildungszwecken.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001811