Warum haben Menschen mit Typ-2-Diabetes in China immer häufiger Probleme mit ihren Blutfetten?
Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich. Besonders problematisch sind dabei oft die Blutfette, also Cholesterin und Triglyceride. In China hat die rasche wirtschaftliche Entwicklung und Urbanisierung zu Veränderungen im Lebensstil geführt. Diese Veränderungen könnten die Blutfettwerte bei Menschen mit Diabetes beeinflussen. Gleichzeitig gibt es große regionale Unterschiede in China, die die Situation noch verschärfen. Bisher gab es jedoch kaum groß angelegte Studien, die sich mit den Trends und regionalen Unterschieden bei der Kontrolle der Blutfette bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes in China beschäftigen. Diese Studie hat diese Lücke geschlossen, indem sie Daten aus dem China National HbA1c Surveillance System (CNHSS) analysiert hat.
Wie wurden die Daten erhoben?
Die Studie basiert auf Daten aus den Jahren 2009 bis 2013. Insgesamt wurden 942.847 erwachsene Patienten mit Typ-2-Diabetes untersucht. Die Teilnehmer waren mindestens 18 Jahre alt und lebten seit mindestens sechs Monaten in ihrer Region. Sie mussten Medikamente gegen Diabetes einnehmen und vollständige medizinische Unterlagen haben. Ausgeschlossen wurden Personen, die nur chinesische Kräutermedizin verwendeten, Schwangere oder stillende Frauen sowie Patienten, die nicht kommunizieren konnten.
Was wurde gemessen?
Als schlechte Kontrolle der Blutfette wurde definiert:
- Gesamtcholesterin (TC) ≥4,50 mmol/L
- LDL-Cholesterin (LDL-C) ≥2,60 mmol/L
- Triglyceride (TG) ≥1,70 mmol/L
Zusätzlich wurden Daten zu Blutdruck, HbA1c (ein Maß für den Langzeitblutzucker), Nüchternblutzucker und Blutzucker zwei Stunden nach dem Essen gesammelt. Extremwerte bei diesen Parametern wurden ausgeschlossen, um Verzerrungen zu vermeiden.
Wie wurden die Daten analysiert?
Die Forscher verwendeten statistische Modelle, um die Trends bei den Blutfettwerten zu bewerten. Dabei wurden Alter und geografische Region berücksichtigt. Die Prävalenz (Häufigkeit) von schlechter Blutfettkontrolle wurde anhand der chinesischen Bevölkerungsverteilung von 2010 standardisiert. Regionale Unterschiede wurden mit speziellen Tests untersucht.
Was waren die Ergebnisse?
Eigenschaften der Teilnehmer
Die Studie umfasste 942.847 Personen mit einem Durchschnittsalter von 58,66 Jahren. Die mittlere Dauer des Diabetes betrug 4,05 Jahre. Der durchschnittliche TC-Wert lag bei 4,71 mmol/L, der LDL-C-Wert bei 2,87 mmol/L und der TG-Wert bei 1,78 mmol/L.
Trends bei den Blutfettwerten
Die TC-Werte sanken bei Männern und Frauen im Laufe der Zeit (P<0,001). Im Gegensatz dazu stiegen die LDL-C- und TG-Werte signifikant an (P<0,001). Besonders auffällig war, dass in der Nordregion die TC-, LDL-C- und TG-Werte bei beiden Geschlechtern anstiegen (P<0,001). In anderen Regionen blieben die Werte stabil oder verbesserten sich.
Häufigkeit von schlechter Blutfettkontrolle
Von 2009 bis 2013 sank die Häufigkeit von schlechter TC-Kontrolle bei Männern von 58,2% auf 53,5% und bei Frauen von 56,3% auf 51,8% (P<0,001). Gleichzeitig stieg die Häufigkeit von schlechter LDL-C-Kontrolle bei Männern von 54,1% auf 58,9% und bei Frauen von 53,2% auf 57,1% (P<0,001). Auch die Häufigkeit von schlechter TG-Kontrolle nahm zu: bei Männern von 52,4% auf 57,8% und bei Frauen von 48,3% auf 53,2% (P<0,001).
Regionale Unterschiede
Die Nord- und Nordostregionen hatten durchweg die höchste Häufigkeit von schlechter Blutfettkontrolle. In diesen Regionen waren auch der Body-Mass-Index (BMI) und die HbA1c-Werte höher. Der durchschnittliche TC-Wert lag im Norden bei 4,89 mmol/L, während er im Süden bei 4,62 mmol/L lag (P<0,001). Die Nordostregion hatte die höchste Häufigkeit von schlechter TG-Kontrolle (61,02% im Vergleich zu 41,90% im Süden).
Was bedeuten diese Ergebnisse?
Die Studie zeigt zwei wichtige Trends: Die LDL-C- und TG-Werte verschlechterten sich im Laufe der Zeit, und es gab deutliche regionale Unterschiede in der Blutfettkontrolle. Die beobachteten Trends könnten auf Veränderungen in der Ernährung, weniger körperliche Aktivität und höhere Fettleibigkeitsraten zurückzuführen sein.
In den Nord- und Nordostregionen, die durch höhere BMI-Werte und schlechtere Blutzucker- und Blutdruckkontrolle gekennzeichnet sind, besteht ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Traditionelle Ernährungsgewohnheiten in Nordchina, die reich an tierischen Fetten und raffinierten Kohlenhydraten sind, könnten dazu beitragen. Im Süden, wo mehr Gemüse und Fisch verzehrt werden, ist die Situation besser.
Die steigenden LDL-C- und TG-Werte unterstreichen die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen. Es ist wichtig, die Patienten besser über die Bedeutung der Blutfettkontrolle aufzuklären und regelmäßige Kontrollen zu fördern. In den Nord- und Nordostregionen sind integrierte Strategien erforderlich, die Fettleibigkeit, Bluthochdruck und hohe Blutzuckerwerte sowie Blutfettprobleme gleichzeitig angehen.
Einschränkungen der Studie
Die Studie hat einige Einschränkungen. Es gab keine Daten zur Verwendung von Medikamenten zur Senkung der Blutfette oder zum Bewusstsein der Patienten für Blutfettprobleme. Der Fünfjahreszeitraum ermöglicht keine langfristige Bewertung der Trends. Zudem wurden innerhalb der Regionen keine Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Gebieten berücksichtigt.
Fazit
Zwischen 2009 und 2013 verschlechterte sich die Kontrolle der LDL-C- und TG-Werte bei chinesischen Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Besonders in den Nord- und Nordostregionen war die Situation kritisch. Diese Ergebnisse zeigen, dass regionale Maßnahmen notwendig sind, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in dieser Bevölkerungsgruppe zu reduzieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000001895
For educational purposes only.