Warum haben Kinder und Jugendliche mit Schilddrüsenkrebs ein höheres Rückfallrisiko?
Schilddrüsenkrebs ist bei Kindern und Jugendlichen selten. Doch wenn er auftritt, verhält er sich anders als bei Erwachsenen. Obwohl die Überlebenschancen gut sind, kehrt der Krebs oft zurück. Warum ist das so? Und wie können wir das Risiko verringern? Dieser Artikel beleuchtet die neuesten Erkenntnisse zu diesem Thema.
Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen macht nur 1,5 % aller Fälle von papillärem Schilddrüsenkrebs (PTC) aus. Trotz seiner Seltenheit zeigt er ein aggressiveres Verhalten. Die Krankheit tritt oft stärker auf, kehrt häufiger zurück und hat dennoch eine gute Überlebensrate. Die Behandlung ist jedoch schwierig, da es kaum klare Richtlinien gibt. Eine aktuelle Studie hat untersucht, welche Faktoren das Rückfallrisiko erhöhen und wie wir bessere Behandlungsstrategien entwickeln können.
Die Studie analysierte Daten von 150 Patienten unter 18 Jahren, die zwischen 1999 und 2014 im Krebskrankenhaus der Chinesischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften behandelt wurden. Patienten, die bereits in anderen Krankenhäusern behandelt wurden oder unvollständige Daten hatten, wurden ausgeschlossen. Die Nachbeobachtungszeit betrug zwischen 6 Monaten und 15 Jahren, im Durchschnitt 102,9 Monate.
Das Durchschnittsalter bei der Diagnose betrug 14,7 Jahre. Mädchen waren fast doppelt so häufig betroffen wie Jungen. Das häufigste Symptom war ein Knoten im Hals (82 %), gefolgt von Heiserkeit (4,7 %) und Atemnot (1,3 %). Alle Patienten wurden operiert, wobei 54,7 % eine vollständige Entfernung der Schilddrüse (Total Thyroidectomy) und 45,3 % eine teilweise Entfernung (Partial Thyroidectomy) erhielten. 56 % der Patienten bekamen nach der Operation eine Radiojodtherapie (131I), eine Behandlung, die radioaktives Jod verwendet, um Krebszellen zu zerstören. Bei 12 % der Patienten wurden bereits bei der Diagnose Metastasen (Tochtergeschwülste) in der Lunge festgestellt.
Die pathologische Untersuchung zeigte, dass 98 % der Patienten an papillärem Schilddrüsenkrebs litten. Die Tumore hatten eine durchschnittliche Größe von 24,2 mm. In 57,3 % der Fälle hatte sich der Krebs über die Schilddrüse hinaus ausgebreitet (extrathyreoidale Ausbreitung). Bei 87,3 % der Patienten waren die Lymphknoten befallen. Der Tumor hatte auch umliegendes Gewebe wie Muskeln (10 %), den Stimmbandnerv (16 %), Blutgefäße im Hals (5,3 %) oder die Luftröhre bzw. Speiseröhre (12 %) befallen.
Während der Nachbeobachtungszeit gab es nur einen Todesfall, der auf einen Rückfall im Halsbereich zurückzuführen war. Bei 21,3 % der Patienten kehrte der Krebs zurück. Die Rückfallraten betrugen 13,6 % nach 3 Jahren, 18,7 % nach 5 Jahren und 28,6 % nach 10 Jahren. Eine genauere Analyse zeigte, dass jüngeres Alter, extrathyreoidale Ausbreitung, Lymphknotenbefall und die Invasion der Luftröhre oder Speiseröhre das Rückfallrisiko erhöhten. Eine weitere statistische Methode bestätigte, dass jüngeres Alter und extrathyreoidale Ausbreitung unabhängige Risikofaktoren sind.
Die Studie zeigt, dass Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen zwar eine gute Prognose hat, aber das Rückfallrisiko hoch ist. Besonders jüngere Patienten und solche mit extrathyreoidaler Ausbreitung sind gefährdet. Die Rückfallrate von 28,6 % nach 10 Jahren ist höher als bei Erwachsenen, bei denen sie bei etwa 16,8 % liegt.
Jüngere Patienten, insbesondere im Alter von 6,0 bis 12,9 Jahren, hatten ein höheres Rückfallrisiko. Dies deckt sich mit den meisten früheren Studien, obwohl einige keine Altersabhängigkeit feststellten. Die Studie beobachtete auch, dass das Verhältnis von Mädchen zu Jungen mit zunehmendem Alter größer wurde. Dies deutet darauf hin, dass Geschlechterunterschiede eine Rolle bei der Entstehung und dem Verlauf von Schilddrüsenkrebs spielen könnten.
Die extrathyreoidale Ausbreitung erwies sich als entscheidender Risikofaktor. Patienten mit dieser Ausbreitung profitierten häufiger von einer Radiojodtherapie nach der Operation. Dies unterstreicht die Bedeutung dieser Behandlung bei dieser Patientengruppe. Die Studie zeigte auch, dass eine vollständige Entfernung der Schilddrüse bei Patienten ab 12 Jahren mit einer niedrigeren Rückfallrate verbunden war. Die Frage, wie viel Schilddrüse entfernt werden sollte, bleibt jedoch umstritten.
Die Studie hat einige Einschränkungen. Sie war retrospektiv, das heißt, sie blickte auf bereits gesammelte Daten zurück. Dies kann zu Verzerrungen führen. Außerdem wurden Patienten mit unvollständigen Daten oder früheren Behandlungen in anderen Krankenhäusern ausgeschlossen. Die geringe Zahl von Patienten mit bestimmten Merkmalen, wie z. B. Tumorthrombose in Blutgefäßen, schränkte die statistische Aussagekraft ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Schilddrüsenkrebs bei Kindern und Jugendlichen eine gute Prognose hat, aber das Rückfallrisiko hoch ist. Besonders jüngere Patienten und solche mit extrathyreoidaler Ausbreitung benötigen eine engmaschige Nachsorge. Aggressive Behandlungsstrategien, einschließlich der vollständigen Entfernung der Schilddrüse und einer Radiojodtherapie, werden für Hochrisikopatienten empfohlen. Zukünftige Studien sollten die Rolle der vollständigen Schilddrüsenentfernung bei jüngeren Patienten untersuchen und klären, ob molekulare Marker helfen können, Rückfälle vorherzusagen und die Behandlung zu optimieren.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000000910
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