Warum haben Brustkrebsüberlebende ein höheres Risiko für Leberverfettung und Stoffwechselstörungen?

Warum haben Brustkrebsüberlebende ein höheres Risiko für Leberverfettung und Stoffwechselstörungen?

Die Zahl der Menschen mit Stoffwechselstörungen steigt weltweit. Besonders bei Krebsüberlebenden rücken Lebererkrankungen immer mehr in den Fokus. Eine aktuelle Studie aus China hat gezeigt, dass Frauen, die Brustkrebs überlebt haben, häufiger an Leberverfettung (Hepatic Steatosis, HS) und der damit verbundenen Stoffwechselerkrankung (Metabolic Associated Fatty Liver Disease, MAFLD) leiden als die Allgemeinbevölkerung. Diese Ergebnisse unterstreichen die enge Verbindung zwischen Krebsüberleben, Stoffwechselgesundheit und Diagnosemethoden.

Von NAFLD zu MAFLD: Ein neuer Diagnoseansatz
Die Studie beschäftigt sich mit dem Übergang von der nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung (NAFLD) zur MAFLD. Diese Neudefinition wurde 2020 vorgeschlagen, um die Rolle von Stoffwechselstörungen bei der Entstehung von Leberverfettung besser zu erfassen. Im Gegensatz zur NAFLD, die Menschen mit anderen Lebererkrankungen oder Alkoholkonsum ausschließt, erfordert die MAFLD-Diagnose entweder Übergewicht, Typ-2-Diabetes oder andere Stoffwechselprobleme. Dieser Ansatz erweitert die Risikogruppe und erhöht die klinische Relevanz, besonders für Krebsüberlebende, deren Stoffwechsel durch Behandlungen beeinträchtigt wird.

Gemeinsame Risikofaktoren für Brustkrebs und MAFLD
Brustkrebs und MAFLD teilen viele Risikofaktoren, wie Übergewicht, Bewegungsmangel und Insulinresistenz. Die Studie zeigt, dass Brustkrebsüberlebende zusätzliche Herausforderungen haben: Systemische Therapien wie Chemotherapie und Hormonbehandlungen (z. B. Tamoxifen) können Stoffwechselstörungen verschlimmern und die Ansammlung von Fett in der Leber beschleunigen. Zum Beispiel wird Tamoxifen mit einem 43 %igen Risiko für Leberverfettung in Verbindung gebracht, was die bereits vorhandenen Risiken weiter erhöht.

Studiendesign und Teilnehmer
Die Studie wurde von Oktober 2019 bis Juni 2020 durchgeführt und umfasste 370 Brustkrebsüberlebende aus Krankenhäusern der Chongqing Medical University sowie 3.700 gesunde Kontrollpersonen im gleichen Alter und Geschlecht (Verhältnis 1:10). Die Brustkrebsüberlebenden hatten sich einer Operation unterzogen und wurden im Durchschnitt 24 Monate nach der Operation nachbeobachtet (IQR 12–36 Monate). Teilnehmer mussten mindestens 18 Jahre alt sein und vollständige Daten zu Körpermaßen und Laborwerten haben. Menschen mit schweren Erkrankungen oder früheren Krebserkrankungen wurden ausgeschlossen.

Diagnosemethoden: Ultraschall vs. Elastographie
Die Studie verglich den herkömmlichen Leberultraschall (US) mit der vibrationskontrollierten Transienten Elastographie (VCTE) unter Verwendung von FibroTouch-Geräten. Der Ultraschall erkennt Leberverfettung durch eine hellere Leberstruktur, ist aber bei frühen Stadien weniger genau. Die VCTE misst dagegen den Fettgehalt über den sogenannten Controlled Attenuation Parameter (CAP) und bietet eine höhere Genauigkeit. Für die MAFLD-Diagnose wurden die internationalen Kriterien von 2020 angewendet, die eine Leberverfettung plus mindestens eine Stoffwechselstörung (z. B. BMI ≥23 kg/m², Diabetes oder ≥2 Stoffwechselrisikofaktoren) erfordern.

Unterschiede im Stoffwechselprofil
Brustkrebsüberlebende zeigten deutliche Stoffwechselstörungen im Vergleich zu den Kontrollpersonen:

  • Taillenumfang: 81,9 cm vs. 77,0 cm (Grenzwert für zentrale Fettleibigkeit: ≥80 cm bei asiatischen Frauen)
  • Body-Mass-Index (BMI): 23,4 kg/m² vs. 22,7 kg/m²
  • Nüchternblutzucker: 5,6 mmol/L vs. 5,2 mmol/L
  • Triglyceride: 1,38 mmol/L vs. 1,22 mmol/L
  • HDL-Cholesterin: 1,49 mmol/L vs. 1,56 mmol/L

Diese Unterschiede blieben auch bei älteren Teilnehmern (≥60 Jahre) bestehen, wobei Brustkrebsüberlebende höhere Blutzucker- und Triglyceridwerte sowie niedrigeres HDL-Cholesterin aufwiesen.

Häufigkeit von Leberverfettung
Der herkömmliche Ultraschall erkannte Leberverfettung bei 37,4 % der Brustkrebsüberlebenden (138/369) gegenüber 22,7 % der Kontrollpersonen (840/3.700). Die VCTE zeigte jedoch deutlich höhere Raten: 68,3 % der Brustkrebsüberlebenden (250/366) hatten Leberverfettung, mehr als doppelt so viel wie in der Kontrollgruppe. Ältere Brustkrebsüberlebende waren noch anfälliger, mit Ultraschall- und VCTE-basierten Raten von 51,9 % (41/79) bzw. 78,5 % (62/79).

MAFLD-Raten und ihre Bedeutung
Die MAFLD-Prävalenz folgte ähnlichen Trends:

  • Ultraschall-basierte Diagnose: 35,9 % der Brustkrebsüberlebenden (130/362) vs. 21,6 % der Kontrollpersonen (788/3.648)
  • VCTE-basierte Diagnose: 63,2 % der Brustkrebsüberlebenden (222/351)

Besonders auffällig war, dass 77,3 % der älteren Brustkrebsüberlebenden (58/75) die MAFLD-Kriterien via VCTE erfüllten, was die Anfälligkeit im Alter unterstreicht. Diese Zahlen zeigen eine Lücke in der onkologischen Nachsorge, da Leberverfettung und MAFLD oft unerkannt bleiben, weil sie keine offensichtlichen Symptome verursachen.

Klinische und gesundheitspolitische Überlegungen
Die Studie identifiziert mehrere dringende Maßnahmen:

  1. Screening-Protokolle: Die Integration von VCTE in Nachsorgepläne könnte die frühzeitige Erkennung von Leberverfettung und MAFLD ermöglichen, besonders bei Hochrisikogruppen wie älteren Patienten oder solchen, die Hormontherapien erhalten.
  2. Stoffwechselüberwachung: Regelmäßige Kontrollen von Taillenumfang, Lipidwerten und Blutzucker sind für Brustkrebsüberlebende entscheidend, da sie anfällig für zentrale Fettleibigkeit und Fettstoffwechselstörungen sind.
  3. Lebensstilinterventionen: Gewichtsmanagement und Bewegungsprogramme könnten das Fortschreiten von MAFLD verlangsamen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, das bei Brustkrebsüberlebenden und MAFLD-Patienten erhöht ist.
  4. Therapeutische Anpassungen: Ärzte sollten die Stoffwechselauswirkungen von Krebstherapien berücksichtigen und Alternativen für Patienten mit bestehender oder neu auftretender Leberverfettung in Betracht ziehen.

Einschränkungen und zukünftige Forschung
Obwohl die Studie zuverlässige Prävalenzdaten liefert, lässt ihr Querschnittsdesign keine Rückschlüsse auf Ursachen zu. Langzeitstudien sind nötig, um zu klären, ob Leberverfettung und MAFLD während oder nach der Krebstherapie entstehen. Außerdem war die Studie auf chinesische Frauen beschränkt, sodass die Ergebnisse in anderen Bevölkerungsgruppen überprüft werden müssen. Weitere Forschungen sollten die Mechanismen untersuchen, die bestimmte Brustkrebsbehandlungen mit der Ansammlung von Leberfett verbinden, um gezielte Interventionen zu entwickeln.

Zusammenfassung
Diese Studie zeigt, dass Brustkrebsüberlebende ein hohes Risiko für Leberverfettung und MAFLD haben, mit Prävalenzraten, die das 2–3-fache der Allgemeinbevölkerung betragen, wenn sie mit moderner Elastographie gemessen werden. Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit systematischer Lebergesundheitsüberwachung in der onkologischen Nachsorge, insbesondere durch den Einsatz präziser Diagnosewerkzeuge wie VCTE. Durch die frühzeitige Behandlung von Stoffwechselerkrankungen können Ärzte die langfristigen Ergebnisse für Brustkrebsüberlebende verbessern und die Belastung durch Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.

For educational purposes only.
doi.org/10.1097/CM9.0000000000002121

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